1. AFCC 1. Akadamischer Faschingsclub Chemnitz
Der älteste Faschingsverein der Stadt

Die Geschichte des Mensafaschings


Immer in der fünften Jahreszeit, wenn die Blätter nicht nur von den Bäumen fallen und wenn sich die Beine der Jungfrau weiter spreizen als die Schere im hiesigen Sozialnetz, ist auch an der Chemnitzer Universität Fasching angesagt. Leitfigur "Urmensch Otto", der in einem der legendären Uni-Faschingsschlager besungen wird, hält dann wieder das Uni-Zepter für rund 100 Tage in der Hand.

1959 zog sich erstmals an der ehemaligen Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt eine buntgewürfelte Horde akademischer Faschingsfans die Narrenkappe über. Die Stadt mit den drei "O's" (Korl-Morx-Stodt) steckte damals voller Probleme. Deshalb flüchteten die Uni-Narren in das außerirdische Thema "Notlandung auf der Venus". Im Kulturpalast, heute Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks, erlebte der 1. Akademische Faschingsclub Chemnitz e.V. in jenem Moment seine eigentliche Geburtsstunde. 1990 wurde der 1. AFCC, wie der Faschingsclub im Kürzel heißt, offiziell als Verein eingetragen.

Seit 1972 zieht es die Hochschulnarren nach einigen vorangegangenen Zwischenstopps im Haus Einheit und im Rabensteiner "Goldenen Löwen" in die Mensa, Reichenhainer Straße. In den 70er und 80er Jahren wurden dort im November und im Januar/Februar sechs Veranstaltungen durchgeführt. Da zu DDR-Zeiten das "Faschingsventil", durch welches die Studentenschaft ihren Unmut loswerden konnte, auch für die Staatssicherheit sehr interessant war, hatten es die Veranstalter nicht immer ganz einfach. Nur das Programm war damals schneller im Kasten als heute. Ein Witz über den Berliner Fußballclub, zwei öffentliche Brustwarzen und drei Schüsse gegen die herrschenden Klassen-Sprecher - schon war ein erotisch-gesellschaftskritisches Faschingstreiben auf der Bühne perfekt. Nach der sogenannten Wende haben es die Programm-Macher angesichts der permanenten TV-Nacktheit und des Überflusses an Ulk- und Kabarett-Shows immer schwerer, die Närrinnen und Narren zu befriedigen. Auch die Uni selbst liefert nicht mehr ausreichend für alle verständlichen Stoff. Akademischer Biß wird zur Zerreißprobe. Doch eine bunte Mischung aus Büttenreden, Publikumsspielen, Faschingsschlagern und Bühnentanz machen den Fasching immer wieder erlebenswert.

Im Elferrat sitzten heute ehemalige und neuzeitliche Uni-Angehörige. In Summe sind es derzeit acht Frauen und Männer, die sich das berühmte Bein ausreißen, um den Fasching eine neue Saison älter werden zu lassen. Dazu kommen noch zahlreiche Mitwirkende auf der Bühne, hinter den Bars, an der Garderobe, im Dekorations-Ressort, am Einlaß und in den Sälen, die sich nicht nur eine Faschingsnacht nach der anderen um die Ohren hauen. Nachwuchs ist auch beim 1. AFCC jederzeit willkommen.

Zahlreiche Faschings(kult)figuren brachte der 1. AFCC in seinen fast vier Jahrzehnten hervor: Martini, Walter, Spatz, Bieber, Samson, Kreml, Gunter, Mirko - einige von ihnen sind noch heute auf der Mensabühne aktiv.

Was die Absicherung des Faschings angeht, erhält der 1. AFCC auch Unterstützung seitens der Universitätsleitung. Der traditionsreiche Mensafasching wird als Standortfaktor für die Uni anerkannt, die Schirmherrschaft durch die Uni-Leitung war deshalb nahezu selbstverständlich. Der ehemalige Prorektor für Bildung, Prof. Eberhard Lanckau, brachte dies beispielsweise mit viel Engagement zum Ausdruck. Mehrfach hielt er am 11.11. ab 11.11 Uhr eine Faschingsvorlesung, die von den Studenten der Chemnitzer Uni begeistert aufgenommen wurde.

Inzwischen ist der Mensafasching insgesamt zur "Pflichtvorlesung" nicht nur für Chemnitzer geworden. Ganz treue Seelen reisen sogar aus dem Ausland an. Zahlreiche Absolventen der TU nutzen den Fasching als Plattform für ihr Seminargruppentreffen. Damit pflegt der 1. AFCC zugleich eine der akademischen Traditionen der Chemnitzer Universität. Also, man/frau sieht sich!


© Mario Steinebach, Vereinssprecher des 1. AFCC


1. AFCC 1. Akademischer Faschingsclub Chemnitz,
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