Juniorprofessur Europ�isches Management

Forschungsprogramm

Im Zentrum des Forschungsprogramms der Professur steht die kritische, intersdisziplinär fundierte Auseinandersetzung mit Praktiken und Entwicklungen in Management und Organisationen. Die Analyse von Management und Organisationen folgt dem Verständnis einer notwendigen gesellschaftstheoretischen Einbettung der Management- und Organisationsforschung. Die Professur knüpft hierbei generell an die Perspektive der kritischen Management- und Organisationsforschung (Critical Management Studies) an. Ausgewählte Gegenstandsbereiche sind:

  • Diskurs und Kommunikation
  • Macht und Herrschaft
  • Alternative Arbeits- und Organisationsformen
  • Konzeptionen und Konzeptualisierung kritischer Management- und Organisationsforschung (Critical Management Studies)

 

Laufende Forschungsarbeiten

 

Krisendiskurs(e) in Massenmedien, Management und Organisation

Seit 2009 erfolgt eine langfristig angelegte, diskursanalytisch orientierte Auswertung der massenmedialen Konstruktion der globalen Finanzkrise 2007-2009. Die Analyse des Diskurses schloss in seiner ursprünglichen Rahmung dabei u.a. an Überlegungen der Studien zur Gouvernementalität (Foucault), des Normalismuskonzeptes (Link) und der kritischen Diskursanalyse (Fairclough) an.  Die im Zuge der Auswertung gewonnenen Rekonstruktion(en) von diskursiven Phasen, Topoi, Diskurssträngen, Symbolisierung(en) der Krise etc. wurde auf mehreren nationalen und internationalen Tagungen präsentiert. Ausgehend von den Analysen zur Finanzkrise erfolgte ab 2011 einerseits eine thematische Ausweitung aus spezielle Themen des Krisendiskurses ('Scheitern und Krise', 'Leistungsprinzip und Bonuskultur', ‚Manageriale Legitimitation in der Krise‘, ‚Ikonographie der globalen Finanzkrise‘). Damit soll das Projekt auch in Richtung einer generellen Betrachtung von Krisendiskursen in Massenmedien, Management und Organisationen weiterentwickelt werden.

Wichtige Publikationen und Vorträge aus dem Projekt:

  • Hartz, Ronald (2012): Reclaiming the Truth of the Market in Times of Crisis: Course, Transformation and Strategies of a Liberal Discourse in Germany. In: Culture and Organization, 18(2), 139–154.
  • In Defense of Management – Managerial Sensemaking of the Global Financial Crisis. 10th International Conference on Organizational Discourse, Amsterdam, Juli 2012.
  • Gesellschaftliches Leistungsprinzip und organisationale Vergütungspraxis im Kontext der globalen Finanzkrise – Eine diskursanalytische Untersuchung. Tagung der Wissenschaftskommission Organisation im VHB, Berlin, Februar 2012. [zusammen mit Gabriele Faßauer]
  • Scheitern als Wahrsprechen des Marktes - zur Semantik des Scheiterns im Diskurs der Finanzkrise. Tagung 'Scheitern – ein Desiderat der Moderne', Hannover, September 2011.
  • Reclaiming the Truth of the Market: An Explorative Analysis of the Discursive Representation of the Financial Crisis in Germany between 2007 and 2009. Tagung der Wissenschaftskommission Organisation im VHB, Berlin, Februar 2011.
  • Das ‚Andere‘ der Vernunft? – Konstruktion und Wandel von Rationalität und Emotionalität im Diskurs der Finanzkrise. Tagung der Arbeitsgemeinschaft „Sozialtheorie der Emotionen“:
  • Die Emotionen der Ökonomie und die Ökonomie der Emotionen, Hamburg, Dezember 2010.
  • Crisis, what Crisis? A Reconstruction of the Discursive Formation of the Economic Crisis in Germany. 9th International Conference on Organizational Discourse, Amsterdam, Juli 2010  sowie 26th EGOS Colloquium, Lissabon, Juli 2010.

 

Kontakt: Ronald Hartz

 

Ordnungen der Rechtfertigung und soziale Konfliktverläufe in Ökonomie und Organisationen

Ziel des 2012 in Kooperation mit der Professur für Organisation der TU Dresden (Dr. Gabriele Fassauer) begonnenen Projektes ist die Beförderung der personal– und organisationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der „Soziologie der kritischen Urteilskraft“ (Boltanski & Thévenot, 1999, 2000, 2007; Dubet, 2008) und deren allgemeinen Weiterung hin zu einer „Soziologie der Konventionen“ (Diaz-Bone & Thévenot, 2010) für Analysen personalpolitischer, organisationaler und branchenbezogener Konflikte im Hinblick auf deren normative und moralische Grundlegung und Bearbeitung. In einem ersten Schritt soll anhand des Tarifkonfliktes im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen im März 2012 die in dieser Auseinandersetzung von den Konfliktparteien artikulierten Formen der normativen, auf Gerechtigkeitsvorstellungen bezogenen Rechtfertigungen rekonstruiert werden. Durch die Rekonstruktion der normativen Sichtweisen von Akteuren in sozialen Konfliktsituationen soll eine Verbindung zwischen Sozialwissenschaften und Moralphilosophie gezogen und zu Gleich ein Beitrag zum Verständnis des Entstehens, der Dynamik, der Befriedung aber auch der Unterdrückung sozialer Auseinandersetzungen geleistet werden.

Wichtige Vorträge aus dem Projekt:

  • And Justice for All? – Eine Analyse der normativen Grammatik sozialer Konflikte anhand der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst 2012. Herbstworkshop 2012 der Kommission Personalwesen, Hamburg, September 2012. [zusammen mit Gabriele Faßauer]

Angegebene Referenzen:

Boltanski, L., & Thévenot, L. (1999). The Sociology of Critical Capacity. European Journal of Social Theory, 2(3), 359–377.

Boltanski, L., & Thévenot, L. (2000). The Reality of Moral Expectations: A Sociology of Situated Judgment. Philosophical Explorations, (3), 208–231.

Boltanski, L., & Thévenot, L. (2007). Über die Rechtfertigung: Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft (1st ed.). Hamburg: Verlag Hamburger Ed.

Diaz-Bone, R., & Thévenot, L. (2010). Die Soziologie der Konventionen: Die Theorie der Konventionen als ein zentraler Bestandteil der neuen französischen Sozialwissenschaften. Trivium, 5. Retrieved from http://trivium.revues.org/3557

Dubet, F. (2008). Ungerechtigkeiten: Zum subjektiven Ungerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz (1st ed.). Hamburg: Hamburger Ed. HIS Verl.-Ges.

 

Kontakt: Ronald Hartz

 

Der Arbeitnehmer im Diskurs der Mitarbeiterkapitalbeteiligung

Mit finanzieller Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung wurde ab 2008 eine Rekonstruktion des insb. deutschen und europäischen Diskurses zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung durchgeführt. Neben den Inhaber der Juniorprofessur waren Prof. Dr. Thomas Steger (Universität Regensburg) und Dr. Olaf Kranz (Universität Regensburg) an der Durchführung des Projektes und den  laufenden Publikationen beteiligt. Im Fokus des Projektes steht die Rekonstruktion der Repräsentation(en) bzw. Akteurskonstruktionen des Arbeitnehmers im Diskurs. Analytisch wurde hierbei auf  insbesondere diskurs- und systemtheoretische Überlegungen zurückgegriffen.

Wichtige Publikationen aus dem Projekt:

  • Hartz, Ronald/Kranz, Olaf/Steger, Thomas (2012): Der Mitarbeiter als (un-)bekanntes Wesen - eine explorative Analyse des MKB-Diskurses. In: Müller, Nadine/Moldaschl, Manfred (Hrsg.): Quasi-unternehmerische Entgeltkonzepte. München und Mering: Hampp. [im Erscheinen]
  • Hartz, Ronald/Kranz, Olaf/Steger, Thomas (2009): Der Mitarbeiter als Kapitaleigner. Bilder und Projektionen eines gesellschaftlichen Diskurses. Berlin: Edition Sigma.
  • Hartz, Ronald/Kranz, Olaf/Steger, Thomas (2009): Der Arbeitnehmer im Diskurs der Mitarbeiterkapitalbeteiligung – eine semantische Sekundäranalyse. In: Industrielle Beziehungen, 16(4), S. 327-348.
     

Kontakt: Ronald Hartz

 

Die Organisation der Moderne – Genealogie von Wissen und Praktiken des Organisierens in der modernen Gesellschaft

In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der TU Chemnitz (Dr. Timo Luks) wird seit 2011 das Projekt einer genealogischen Rekonstruktion der Wissensformen des Organisierens und der Organisation i.S. einer gemeinsamen Genealogie von Moderne und Organisation verfolgt. Im Rahmen des Forschungsvorhabens sollen somit die vorgebliche Selbstverständlichkeit der sozialen Kategorie Organisation und die damit verschränkten Wissens- und Praxisformen selbst zum Thema werden. Entlang der vorläufigen kategorialen Heuristik einer Formationsphase des Gegenstands Organisation, der Organisationswissenschaft als Normalwissenschaft und schließlich des Moderne/Postmoderne Diskurses sollen der Wandel und die Kontingenz in Verschränkung mit Problematisierungsmodi der Moderne herausgearbeitet werden.

Das Projekt wurde 2012 in ein von der Fritz-Thyssen-Stiftung unterstütztes interdisziplinäres Netzwerk (‚Moderne gestalten – Moderne bewältigen') eingebettet.

Wichtige Vorträge aus dem Projekt:

  • Die Organisation der Moderne – Genealogie von Wissen und Praktiken des Organisierens in der modernen Gesellschaft. Workshop “Mastering Modernity”, Utrecht University, Juli 2011. [Vortrag von Dr. Timo Luks]
  • Die Organisation der Moderne – Genealogie von Wissen und Praktiken des Organisierens in der modernen Gesellschaft. Workshop Moderne gestalten — Moderne bewältigen. Eine wahrnehmungs- und interventionshistorische Perspektive auf die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Gießen, Oktober 2012.

 

Kontakt: Ronald Hartz


Machtprozesse in der stationären Altenpflege

Das Projekt verfolgt das Ziel, den aktuellen Wandel der Erwerbsarbeit in der stationären Altenpflege im Spannungsfeld zwischen Rationalisierung und Professionalisierung empirisch zu erforschen und kritisch zu evaluieren. Im Zuge veränderter gesellschaftlicher Voraussetzungen, mit den Schlüsselbegriffen Wissens-, Kontrollgesellschaft und flexibler Kapitalismus, soll untersucht werden, wie sich diese Umgestaltungen in der Gerontologie, als spezieller Teilbereich des sozialen Zusammenlebens, ausdifferenzieren. Im Fokus stehen die Konsequenzen für das Selbstverständnis und das Handeln der in der Altenpflege involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte.


Kontakt: Matthias Rätzer