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Organisationen
sind ohne die in ihnen tätigen Personen undenkbar. Das Personalwesen
beschäftigt sich traditionell mit Fragen, die sich aus dem Einsatz
menschlicher Arbeit in Unternehmungen, Verwaltungen und anderen
Institutionen ergeben, beispielsweise mit der Planung des Personals,
der Rekrutierung neuer Mitarbeiter, der Aus- und Weiterbildung und
der Gestaltung von Anreizsystemen.
In den letzten Jahrzehnten
zeigte sich, daß Wirtschaftsunternehmen in Produktions- und Dienstleistungsbereichen
mit einem tiefgreifenden strukturellen Wandel in ihrer Umwelt
konfrontiert sind: Verschärfung des Wettbewerbs aufgrund der Internationalisierung
und Globalisierung von Märkten, neue Produktionstechniken in Verbindung
mit ganzheitlichen Tätigkeitszuschnitten, neue Kommunikationsmöglichkeiten,
eine veränderte soziodemographische Zusammensetzung des "verfügbaren"
Erwerbspersonenpotentials sowie eine gewandelte und differenzierte
Haltung der Bevölkerung zur Rolle der Erwerbsarbeit sind einige
der zentralen Entwicklungen, die neue Anforderungen sowohl an die
Praxis der Personalarbeit und Führung als auch an die Lehre und
Forschung stellen.
In der betrieblichen Praxis
ist zu beobachten, daß eine Professionalisierung und Dezentralisierung
der Personalarbeit stattfindet. Einerseits muß die Personalabteilung
zum Service- und Beratungszentrum im Unternehmen werden, zum kompetenten
Ansprechpartner in allen Personalfragen, andererseits werden Personal-
und Führungskompetenzen zu einer unverzichtbaren Voraussetzung eines
jeden Personalverantwortlichen: Personal- und Führungsarbeit findet
überall im Unternehmen statt.
Dies stellt besondere Anforderungen
an das Fach, das sowohl eine Weiterentwicklung der wissenschaftlichen
Erkenntnisse anstrebt als auch einen Gestaltungsauftrag für
die Praxis zu erfüllen hat. Die betriebswirtschaftliche und
soziale Effizienz menschlicher Arbeit als übergeordnete betriebliche
Zielfunktion erfordert sowohl eine Analyse der Grundlagen menschlichen
Arbeitsverhaltens als auch der gesellschaftlichen Umwelt von Organisationen.
Die Lehre vom Personal
und der Führung beruht somit einerseits auf einem Verständnis des
individuellen Verhaltens in Organisationen. Hier wird auf Individual-Theorien
- wie z. B. Motivations-, Lern- und Entscheidungstheorien sowie
auf Gruppentheorien und Theorien der Führung und
Organisationsgestaltung - Bezug genommen. Andererseits ist die
Berücksichtigung von Phänomenen auf der gesellschaftlichen Ebene
- beispielsweise des Wertewandels, der Struktur von Arbeit und Arbeitsmärkten,
der Art der industriellen Beziehungen, der Tarifpolitik oder aber
der Bedingungen der Transformation - eine unverzichtbare Voraussetzung
zur Gestaltung des Personalmanagements in Unternehmungen. Das heißt,
die Lehre und Forschung im Bereich von Personal und Führung ist
stets auf einer interdisziplinären Grundlage zu sehen.
Aus diesem Profil ergeben
sich die wichtigsten Lehr- und Lernziele des Faches Personal und
Führung. Studierende des Faches sollen Personalmanagement und -führung
im Zusammenhang gesellschaftlicher, organisatorischer und individueller
Ansprüche interpretieren lernen. Dabei soll die Bedeutung von Theorien
aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen erkannt
und die Fähigkeit erlangt werden, theoretische Konzepte auf wissenschaftliche
und praktische Fragen des Faches anzuwenden.
Neben dieser theoretischen
Ausrichtung sind die methodischen Grundlagen zur Gewinnung,
Interpretation und Bewertung von "Personalinformationen" und zur
Analyse menschlicher Arbeit ein wesentlicher Baustein des Faches.
Für die Studenten sind die Kenntnis und die Fähigkeit zur Anwendung
der Methoden der Personalforschung, seien es Methoden des Interviews,
der Beobachtung, der Einstellungs- und Zufriedenheitsmessung und
der Personalauswahl, eine wesentliche Voraussetzung für den professionellen
Berufseinsatz.
Von besonderer Relevanz
ist schließlich die Entwicklung der persönlichen Kompetenz, Bestehendes
in Frage zu stellen und eigenes Denken und Handeln kritisch zu beleuchten,
denn das Fach Personal und Führung kann sich als wissenschaftliches
Fachgebiet und als anwendungsorientierte Disziplin nur weiterentwickeln,
wenn sich die Menschen weiterentwickeln, welche die Inhalte des
Faches lehren, lernen und umsetzen.
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