Immer den richtigen Nerv treffen

10 Jahre ZSB : Der besten Studienberatung Deutschlands bleibt keine Zeit zum Feiern

BILDDas Team der Zentralen Studienberatung der TU Chemnitz: Dr. Ina Meinelt, Tobias Bauer, Anett Kunze, Mandy Denzau (Auszubildende), Simone Bauer, Evelin Häusler. Nicht im Bild: Gisela Eisermann.

(MSt/HR) Deutschland, Ende der 70er: An den Unis wurden die Studienangebote komplexer, die Studienorganisation komplizierter und die Studienzeiten länger. Zudem wurden auf dem Arbeitsmarkt neue Qualifikationen verlangt. Damit Gymnasiasten und Studierende den Überblick behalten, entstanden an den Hochschulen Studienberatungen als zentrale Einrichtungen. Nach der deutschen Wiedervereinigung war es die Uni in Chemnitz, die wie so oft in Sachsen die Nase vorn hatte. Genau vor zehn Jahren wurde dafür die erste Mitarbeiterin eingestellt: Dr. Ina Meinelt, heute Leiterin der Zentralen Studienberatung (ZSB).

Hilfe zur Selbsthilfe

Beratung und Information - das sind in zwei Worte gefasst die Hauptaufgaben der ZSB. Dabei geht es um alle Fragen rund ums Studium, um Berufsentwicklung und um Arbeitsmarktaussichten. Zunehmend werden aber auch spezielle Probleme geklärt: beispielsweise die individuelle Eignung fürs Studium und die Vermittlung von Orientierungshilfen bei studienbedingten persönlichen Schwierigkeiten. Von der ZSB wird aber noch mehr erwartet, etwa die Organisation und medienwirksame Durchführung von Großveranstaltungen, Messebeteiligungen und Präsentationen innerhalb und außerhalb der Universität sowie die Erarbeitung von Informationssystemen für Studien-interessenten. Dazu zählen Broschüren zu den Studiengängen bis hin zur Internetdarstellung des Studiums der TU Chemnitz ( http://www.tu-chemnitz.de/studium ). Auch die psychologische Beratung ist ein wichtiger Aspekt: Da es bei der Einrichtung der ZSB dafür jedoch keine Lobby gab, arbeiten die Studienberater sehr eng mit den psychologischen Beratungsstellen der Philosophischen Fakultät und des Studentenwerkes zusammen.

Trotz des umfangreichen Aufgabenspektrums wird auch an der TU Chemnitz noch heute häufig die Frage gestellt: "Was machen die Berater eigentlich?" Nicht selten besteht die Meinung, Studienberater würden beim Ausfüllen des Immatrikulationsantrages oder der Rückmeldung behilflich sein. Dieses entspricht freilich nicht dem Anspruch der Ratsuchenden und schon gar nicht dem Beratungs- und Berufsverständnis der Studienberater. Sie wollen optimale Hilfe zur Selbsthilfe geben. Dabei müssen die Studienberater nicht selten mit Konflikten und Krisensituationen umgehen. "Im Vordergrund steht dabei immer die Person des Ratsuchenden und der Anspruch, mit ihm eine optimale Lösung seines Problems zu finden", erklärt Dr. Meinelt.

An einige Beratungssituationen erinnert sie sich noch ganz genau: etwa an ein Studentenpärchen, das über die eigene Firmengründung die Diplomprüfung vergaß und vor der Zwangsexmatrikulation stand; oder an die Gymnasiastin mit dem 1,0-Abitur, die nach 14-tägiger Berufsausbildung feststellte, dass sie damit unterfordert sei und nun doch etwas studieren möchte; bis hin zu einem netten Opa, der für seinen Enkel ganz genau das Spektrum der Ingenieurstudiengänge erklärt haben wollte.

Studienberater sind Idealisten

Überzeugt davon, ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der TU Chemnitz zu sein, und ausgestattet mit der nötigen Portion Idealismus hat die Zentrale Studienberatung in den vergangenen zehn Jahren ein umfangreiches und seines gleichen suchendes Informations- und Beratungsangebot aufgebaut. Neben den obligatorischen "Tagen der offenen Tür" entstanden TU-Chemnitz-Highlights: die "Chemnitzer Herbstuni für Schüler", das "Offene Sommersemester", das "Beratungsnetz" und das Projekt "Frauen in der Technik". "Ohne die vielen engagierten Fachstudienberater und Hochschullehrer und die uneingeschränkte Unterstützung des Rektorates wäre das allerdings nicht möglich gewesen", versichert die ZSB-Leiterin.

Manchmal, nach stressigen Tagen mit bis zu 20 persönlichen Beratungen, pausenlosem Telefongebimmel, liegen gebliebenen Anfragen und Konzeptionen und der Überarbeitung des letzten Informationsmateriales fragen sich die Studienberater, wo ihr optimaler Weg zwischen Marketingarbeit und dem Anspruch an ihre Beratungstätigkeit in Zukunft liegt. Dass diese Gratwanderung bisher geglückt ist und die ZSB den Nerv der Ratsuchenden trifft, beweist der 1. Platz unter den deutschen Studienberatungsstellen im Ranking des "Stern" vom Sommer diesen Jahres. Eins ist allerdings gewiss: Das Team der ZSB wird auch in Zukunft engagiert und unkompliziert von sich Reden machen und so manche Schwachstelle aufdecken.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999