Große Aussichten für einen kleinen Baum

Mammutbaum auf dem Uni-Campus: Chemnitzer Physiker will ein Zeichen setzen

BILDKünftiger Treffpunkt für Wissenschaftler und Studenten: Prof. Dr. Günther Hecht (l.) und Hausmeister Bernd Wilde pflanzten den kleinen Mammutbaum.

(MSt) Chemnitz im Jahr 4500 - wir alle werden es nicht erleben. Aber einer könnte es schon: der jetzt noch kleine Mammutbaum auf dem Campus der TU. Im August pflanzte Prof. Dr. Günther Hecht einen Setzling des ältesten und mächtigsten Nadelbaums der Erde gleich hinter das Versuchsfeld des Institutes für Printmedientechnik. Der Chemnitzer Physiker hatte ihn vor zwei Jahren geschenkt bekommen. Mittlerweile ist der kleine Baum 60 Zentimeter hoch. Da im Minigarten des Hobbygärtners neben sibirischer Zirbelkiefer, tadschikischem Wacholder und portugiesischer Korkeiche kein Platz mehr ist, entschied sich Prof. Hecht für einen sonnigen Standort an seiner Uni.

Der Professor möchte nicht nur, dass sein Baum mindestens 2500 Jahre alt wird, so wie die großen Brüder des kleinen Mammutbaums im sonnigen Kalifornien. Prof. Hecht will damit auch ein Zeichen setzen: "Unverständlich ist für mich die mutwillige Beschädigung von Bäumen und Sträuchern, wie wir sie heute fast täglich erleben. Dies ist der Beweis für ein gestörtes Verhältnis des Menschen zur Natur und zu sich selbst - und das gilt es wieder geradezubiegen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen." Prof. Hecht, der auf einem Bauernhof in Mecklenburg aufwuchs, weiß, wovon er spricht, denn dort bestimmte der Umgang mit der Natur sein tägliches Leben. Wurden Bäume zum Haus- und Stallbau gefällt, so pflanzte man im Hinblick auf künftige Generationen sofort neue Bäume an.

"Große Bäume hatten zudem eine soziale Funkion", erinnert sich der 62jährige Professor. Unter ihrer Krone trafen sich die Alten oder die Jugend des Dorfes zu einem Schwatz. Deshalb wünscht sich Prof. Hecht, dass sich eines Tages im Schatten seines Mammutbaumes Studenten und Wissenschaftler zum Gedankenaustausch treffen oder Grillpartys feiern. "Und sie sollten sich an Albert Schweitzer erinnern, dem bewusst war, dass Leben von Leben lebt. Schweitzer forderte gerade deshalb die Lebenserhaltung als Grundprinzip menschlichen Handelns."

Ob im Jahr 4500 der Mammutbaum an der TU Chemnitz immer noch existiert, steht in den Sternen. Bis dahin muss er in jedem Winter gegen den Frost ankämpfen und sich gegen manchen Schadstoff in der Luft abhärten. Und hoffentlich ergeht es ihm eines Tages nicht so wie dem 110 Jahre älteren Mammutbaum auf dem Gelände der Freiburger Uni: Der 26 Meter hohe Baum musste in diesem Jahr einem neuen Institutsgebäude weichen.

Prof. Hecht will auch weiterhin Bäume aus Samen und Setzlingen großziehen, auch wenn er sie meistens gegen das Versprechen einer guten Pflege verschenkt. Mag sein, dass bald ein weiterer seiner Bäume den Campus verschönert.

Stichwort: Mammutbäume

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Die Geburtsstunde der Mammutbäume liegt etwa 70 Millionen Jahre zurück. Die Giganten unter den Nadelbäumen besiedelten zahlreiche Plätze auf der Erde. Heutzutage ist ihr natürlicher Lebensraum jedoch begrenzt auf die westliche Sierra Nevada (USA), einen Streifen an der Küste Mittel- und Nordkaliforniens sowie auf ein kleines Gebiet in Zentral-China. Botaniker nannten die riesigen Bäume "Sequoien" und erinnern damit an den Irokesenhäuptling "Se-Quo-Yah" (1770-1843), der das erste indianische Alphabet - bestehend aus 86 Zeichen - entwickelte. Die Mammutbäume beeindrucken durch ihr Alter und ihre Massigkeit. Beispielsweise haben die im Sequoia-Kings-Canyon-Nationalpark (Kalifornien) vorkommenden Riesenmammutbäume (siehe Foto) gigantische Ausmaße. Der größte hier lebende Baum ist der 84 Meter hohe General- Sherman-Tree mit einem Stammdurchmesser von zehn Metern. Er hat damit genug Raummeter an Holz, um daraus etwa 40 Häuser mit je fünf Zimmern bauen zu können. Diese Riesen sind jedoch noch lange nicht am Ende ihres Wachstums angelangt. Der General-Sherman- Tree wird auf mehr als 2300 Jahre geschätzt. Noch immer wird sein Stamm pro Jahr einen Millimeter dicker. Der älteste momentan lebende Baum dürfte der "Grizzly Giant" im Mariposa Grove (USA) mit etwa 2700 Jahren sein. Aber auch im Chemnitzer Botanischen Garten wachsen fünf Mammutbäume.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999