Ein Symbol für Uni und Stadt: Der "Halbleiter von Chemnitz"Skulptur des Künstlers Stephan von Huene im Hörsaal- und Seminargebäude enthüllt
(HJG) Er war schon auf den wichtigsten Kunstausstellungen der Welt vertreten, auf der "documenta" in Kassel und sogar zweimal auf der Biennale in Venedig. Seine Skulpturen stehen in zahlreichen amerikanischen und europäischen Museen, von Los Angeles, Washington und New York bis Berlin, Karlsruhe, Köln, Hamburg und Duisburg. Er war Professor am California Institute of the Arts in Los Angeles und zuletzt an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Der in Hamburg lebende amerikanische Künstler Stephan von Huene ist kein Unbekannter in der internationalen Kunstszene. Jetzt kann man ein Werk Stephan von Huenes auch in Chemnitz besichtigen: Das Staatshochbauamt hat für das neue Hörsaalgebäude der Universität in der Reichenhainer Straße eine Skulptur mit dem Titel "Der Halbleiter von Chemnitz" erworben, die kürzlich vom Künstler selbst feierlich enthüllt wurde. Von Huene, aus einer baltendeutschen Familie stammend, wurde im kalifornischen Los Angeles geboren. Über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes kam er 1976 nach Berlin, lernte dort seine Frau, eine Journalistin, kennen. 1981 zog er ganz nach Deutschland um. Stephan von Huene war gemeinsam mit dem Dresdner Künstler Stefan Nestler als Sieger aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangen. Nestlers Installation wurde schon zur Eröffnung des Gebäudes im vergangenen November aufgestellt. Von Huene brauchte für seine komplizierte bewegliche Figur etwas länger. Der "Halbleiter" von Huenes ist eine übermannshohe Figur, die auf einem Treppenabsatz im Foyer des neuen Gebäudes aufgestellt ist. Sie ist nur "halb", vom Rumpf bis zum Kopf, ausgebildet und thront auf einem Sockel. Kopf und Rumpf sind verkleidet, die Arme dagegen "nackt", man kann ihre Mechanik, ihre metallenen Gelenke, ihre strenge Geometrie unverhüllt sehen. Zusammen führt dies dazu, dass sich viele verschiedene Stilebenen in der Figur mischen.
Besonders ausdrucksstark sind die Hände - nicht ohne Grund: Studenten, Professoren und andere Gäste, die sich dem "Halbleiter" nähern, werden von ihm begrüßt, die Hände gestikulieren, Kopf und Rumpf drehen sich. Es wirkt, als trete der Mensch mit der Figur in einen rätselhaften Dialog, als kommuniziere er mit einer Maschine. Das Geheimnis liegt in einem Sensor, der im Sockel verborgen und zudem noch mit einer Zeitschaltuhr gekoppelt ist. Er reagiert auf Vorbeigehende - das Kunstwerk als Person, Maschine und Signal zugleich. Etwa alle 15 Minuten tritt die Skulptur in Aktion. Neun verschiedene Tänze hat der Künstler einprogrammiert. Um sie alle zu sehen, sind etwa zwei Stunden nötig. Nicht umsonst wirkt die Figur des "Halbleiters" geschlechts- und zeitlos, gefangen zwischen Stillstand und Bewegung. Den Studenten soll so deutlich werden, dass es Fragen hinter dem Lehrstoff gibt, Fragen, die nicht endgültig und für alle Zeiten beantwortet werden können. Sie sollen sich Gedanken darüber machen, dass die moderne Technologie unser Leben von Grund auf verändert hat, dass sie aber sowohl positiv als auch negativ wirken kann. Sie kann unsere Arbeit beschleunigen und erleichtern und uns gefährliche Arbeiten abnehmen, sie kann uns aber auch arbeitslos machen. In einzigartiger Weise veranschaulicht von Huenes Figur zudem die Möglichkeiten der modernen Mikroelektronik, für die die Chemnitzer Uni ja über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist, und nimmt gleichzeitig Elemente von mechanischen Figuren aus früheren Zeiten auf, weist damit auch auf die lange Tradition des Chemnitzer Maschinenbaus hin. Ein besseres Symbol für die Chemnitzer Universität hätte sich wohl schwerlich finden lassen. |
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