Zukunftschancen der Unis in internationaler Perspektive

HRK-Präsident Prof. Landfried diskutierte über den Entwurf eines neuen Besoldungsgesetzes

Prof. Dr. Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), folgte am 20. Juli 1999 einer Einladung der Mitgliedergruppe Chemnitz/Zwickau des Deutschen Hochschulverbandes zur Diskussion über den Entwurf einer möglichen neuen Besoldungsordnung für Hochschullehrer und Professoren, der wesentlich von der HRK erarbeitet und getragen wird. Eine sehr kritische Stellungnahme unserer Mitgliedergruppe dazu wurde hier bereits veröffentlicht (TU-Spektrum 1/1999, Seiten 4 bis 5).

Prof. Landfried wählte als Einstieg ein Referat zu den Zukunftschancen der (deutschen) Universitäten in internationaler Perspektive. Dieses liegt schriftlich vor und kann bei den Professoren Michael Schreiber (Physik) und Joachim Käschel (Wirtschaftswissenschaften) jederzeit eingesehen werden.

Nach einer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung der deutschen Universitäten kam er schließlich zum Kern der geplanten Diskussion, zur Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen und Universitäten. Im Weiteren sollen einige wesentliche Aussagen insbesondere zur Leistungsorientierung genannt und hinterfragt werden. Auf ein Bündel von Maßnahmen zur Förderung des dringend benötigten wissenschaftlichen Nachwuchses, einen weiteren Schwerpunkt in der Diskussion, soll hier nicht näher eingegangen werden. Hier zeigte sich Prof. Landfried sehr souverän.

Prof. Landfried plädiert für eine "einigermaßen auskömmliche Grundsicherung oder Grundausstattung der jeweiligen Fächer" nach den Kriterien des Wissenschaftsrates aus den siebziger Jahren und eine zusätzliche, auf Leistungsindikatoren (ein Wort, das nicht unbedingt gute Erinnerungen weckt) gestützte wettbewerbsfördernde Mittelzuweisung. In der Diskussion musste er zur Kenntnis nehmen, dass die Gesamtausstattung unserer Universität finanziell und personell in vielen Bereichen bereits unter den Empfehlungen des Wissenschaftsrates liegt. Natürlich fragt man sich dann, auf welchem Kenntnisstand der tatsächlichen Situation die Vorschläge der HRK aufbauen!

Globalisierte Budgets sind die Voraussetzung, das Dienstrecht an der Leistung der jeweiligen Personen zu orientieren. Damit ist man dann endlich in der Lage, hervorragende Wissenschaftler aus der Industrie durch Zahlung von Gehältern, wie sie in der Wirtschaft üblich sind, und durch besondere Ausstattung der Professuren für die Universität zu gewinnen. Das klingt gut - nur, welche Berufungskommission wird denn solche Rufe erteilen, wenn dies zu Lasten des eigenen Budgets geht? Provoziert man damit nicht sogar Mittelmäßigkeit?

Ein Auftritt in den neuen Bundesländern, begleitet von der Forderung nach gleicher Bezahlung für gleiche Leistung in den alten und neuen Bundesländern, sichert natürlich Sympathie. Bedenken soll man dabei aber auch die Aussage des sächsischen Finanzministers seinerzeit im Rahmen einer Veranstaltung unserer Verbandsgruppe, dass eine Angleichung ja nicht unbedingt nach oben erfolgen müsse, sondern auch nach unten erfolgen könne. Geht es also wirklich um eine leistungsgerechte Umverteilung oder eher um Ein-sparung? Das Misstrauen den Finanzministern gegenüber ist groß!

Prof. Landfried bescheinigt der überwiegenden Mehrheit der Professoren großes Engagement. Wie will er deren Leistung nun über das übliche Maß hinaus belohnen, wenn er doch bei den "wenigen tauben Nüssen" auch nur wenig einsparen kann und insgesamt nicht aufgestockt werden wird?

Zusammenfassend kann man sicher zustimmen: Das Ziel ist erkannt, aber der vorgeschlagene Weg dorthin bleibt unter den Bedingungen immer knapper werdender Mittel weiterhin fragwürdig.

Prof. Dr. Joachim Käschel
Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999