Großer Bahnhof zum 90. GeburtstagBergstadt Schneeberg und Chemnitzer Uni ehren Prof. Dr. Gerhard Heilfurth
(MSt) Am 11. Juli 1999 feierte der in Neustädtel bei Schneeberg geborene Prof. Dr. Gerhard Heilfurth, der mit seinen Forschungsarbeiten über die Tradition des Bergbaus in Sachsen weltberühmt wurde, seinen 90. Geburtstag. Und für ihren Ehrenbürger hatten sich die Stadtväter der Bergstadt Schneeberg gemeinsam mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Chemnitz etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Festveranstaltung im Stadtverordnetensaal des Schneeberger Rathauses. Dr. Götz Altmann von der Sächsischen Landesstelle für Volkskultur stellte das Leben und Werk des Jubilars vor. Prof. Dr. Josef Krems, Dekan der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz, hielt eine Laudatio für Prof. Heilfurth, der übrigens seit 1991 Ehrendoktor dieser Fakultät ist. Und der Bundesvorsitzende des Erzgebirgsvereins, Wolfgang Kraus, stellte Prof. Heilfurth als Heimatfreund und Ehrenmitglied seines Vereins vor. Umrahmt wurde die Veranstaltung von zahlreichen Gratulationsworten renommierter Wissenschaftler und bekannter Heimatkundler sowie durch das Männerquartett "Bergsänger Geyer". Da Prof. Heilfurth aus gesundheitlichen Gründen an der Veranstaltung selbst nicht teilnehmen konnte, wird ihm wenige Tage später eine Videoaufzeichnung von der Veranstaltung übergeben.
Zur Person: Prof. Dr. Gerhard Heilfurth Am 11. Juli 1909 wurde Gerhard Heilfurth in Neustädtel bei Schneeberg geboren. Es stammt aus einer alten erzgebirgischen Bergmanns-, Handwerker- und Pfarrersfamilie. Ab 1920 besuchte Gerhard Heilfurth das Schneeberger Gymnasium. Danach führte ihn sein weiterer Bildungsweg nach Leipzig, Heidelberg und Palermo. Von vornherein wandte sich der junge Student einem breiten Spektrum von Wissensgebieten zu: Germanistik, Soziologie, Volkskunde, Geschichte und Religionswissenschaft. 1935 promovierte Gerhard Heilfurth. Seine Dissertation "Das erzgebirgische Bergmannslied" ist seither ein Standardwerk. In vieljähriger Arbeit ordnete er "die erzgebirgische Liedüberlieferung der Bergleute in die großen Zusammenhänge sämtlicher deutschsprachiger Montangebiete in Mitteleuropa unter Einbeziehung des Melodiengutes ein", später dann "in die erste länder- und völkerübergreifende Gesamtdarstellung der Bergbaukultur". 1936 war Gerhard Heilfurth als Assistent am Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau tätig, 1937 wechselte er an die volkskundlichen Abteilung des Germanistischen Instituts in Leipzig. 1938 erhielt er vom Ruhrbergbau einen weitreichenden Forschungsauftrag zur volkskundlichen Gesamtdarstellung des Bergbaus. 1937 erschien die erste Gesamtausgabe der Liedertexte, Gedichte, Sprüche und Erzählungen des erzgebirgischen Volksdichters Anton Günther. 1949 folgte Heilfurths Berufung als Dozent an die Sozialakademie Friedewald. 1952 wurde er dort zum Studiendirektor, 1954 zum Akademiedirektor ernannt. 1959 verlieh ihm Bundespräsident Professor Theodor Heuß das "Große Bundesverdienstkreuz". Im gleichen Jahr wurde er zum Professor auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Volkskunde an die Universität Marburg berufen, nachdem er bereits einige Jahre an der Universität Gießen als Professor für deutsche Philologie, Volkskunde und Soziologie gelehrt hatte. 1960 gründete er in Marburg das "Institut für mitteleuropäische Volksforschung". 500 Titel umfasst Prof. Heilfurths Publikationsverzeichnis. Die umfangreichen Veröffentlichungen aus über 60 Jahren Forschungsarbeit beweisen, welche große Tradition und Bedeutung der Bergbau in Sachsen und für Sachsen hat. Gegenwärtig dürfte Prof. Heilfurths Buch "Weihnachtsland Erzgebirge", erschienen 1988 im Husum-Verlag, dies am eindrucksvollsten belegen. Die ganze Breite bergmännischen Brauchtums, vom Liedgut über das Schnitzen und Klöppeln bis hin zu längst vergessen geglaubten Sitten und Bräuchen, ist dort eingegangen und für die Nachwelt bewahrt. |
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