Pfiffige Dolmetscher retten Tausende von ProgrammierstundenAus alt wird neu: Chemnitzer Firma pro et con übersetzt seit fünf Jahren Computerprogramme
(MSt) Wenn man den Begriff "Migration" hört, denken die meisten Menschen normalerweise an Völker-wanderungen. Dr. Uwe Kaiser und Dr. Wolfgang Bormann, beide Geschäftsführer der Chemnitzer Firma pro et con Innovative Informatik- anwendungen GmbH, verstehen - wie viele Computer-Experten auch - etwas anderes darunter, nämlich die Übersetzung einer Programmiersprache in eine andere und die Einbindung der "neuen" Programme in moderne Informationstechnik-Architekturen. Und genau damit verdient sich die im Technologie Centrum Chemnitz ansässige Firma seit fünf Jahren ihr Geld. "Wir haben genug zu tun und es wird in den nächsten Jahren nicht weniger werden", ist Dr. Kaiser überzeugt. Grund: In der Informationstechnik bestimmen pausenlos neue Produkte, Verfahren und Technologien den Markt. Zur Zeit setzen viele Unternehmen auf Netzwerk-Lösungen via Internet und Intranet, auf neue Programmiersprachen - wie C, C++ oder JAVA - oder auf sogenannte Client/Server-Technologien. Da jedoch weltweit in vielen Unternehmen noch Software genutzt wird, die fünf bis zehn Jahre und älter ist und zum großen Teil in Programmiersprachen wie COBOL, PL/I und Assembler entwickelt wurde, ist heute für Unternehmen, die mit den modernen Programmiertechniken mithalten wollen, ein Technologiesprung unausweichlich. Zur Lösung dieses Problems gibt es laut Dr. Kaiser drei Alternativen: "Entweder führt das Unternehmen moderne Standardsoftware ein oder es entwickelt völlig neue unternehmenseigene Computerprogramme oder es lässt die älteren Programme in neue übersetzen." Der 45-jährige Geschäftsführer favorisiert die dritte Variante. Denn damit lassen sich nicht nur Zeit und Kosten beim Kunden einsparen, auch den "älteren" Computerprogrammen innewohnendes Know-how bleibe erhalten. Die sieben Mitarbeiter von pro et con, die übrigens fast alle Absolventen der TU Chemnitz sind und dort auf dem Gebiet "Programmiersprachen und Compiler" forschten, entwickelten in den letzten fünf Jahren einen universell einsetzbaren "Werkzeugkasten" für derartige Konvertierungen von Computerprogrammen. Dieser Werkzeugkasten mit dem Namen Toolset "Software Conversion Architecture" enthält ausgeklügelte Translatoren, die Programme aus einer traditionellen in eine moderne Programmiersprache übersetzen können. Die Heidelberger Druckmaschinen AG und die COSMOS Lebensversicherungs-AG sind nur zwei Kunden, die sich von pro et con ihre Computerprogramme übersetzen ließen. Der "Werkzeugkasten" der Chemnitzer Firma kann aber noch mehr, etwa eine Umstellung auf den EURO vornehmen oder eine "Datum 2000 - Analyse" durchführen. "Letztere bereitet gegenwärtig vielen Firmen Kopfzerbrechen", berichtet Dr. Bormann. Dabei ist das Problem schnell eingekreist: Viele Programmierer verschlüsselten in der Vergangenheit die Jahreszahl in Programmen nur zweistellig, um Speicherplatz zu sparen. So erscheint der 31. Dezember 1999 in vielen Programmsystemen als 31.12.99. Einen Tag später - also am 1. Januar 2000 - erscheint dann der 01.01.00. Das Jahrhundert bleibt außen vor. Und damit aus dieser "unfreiwilligen Zeitreise in die Vergangenheit" kein Chaos erwächst, müssen überall auf der Welt Millionen von Programmen analysiert und angepasst werden. Die Mitarbeiter von pro et con halfen beispielsweise der Flughafen Frankfurt/Main AG, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Auch für die GZS Gesellschaft für Zahlungssysteme analysierten die Chemnitzer umfangreiche Softwarepakete. Christopher Cullinane, Projektleiter "Jahr 2000" der GZS, lobt nicht nur die gute Kooperation: "Die von pro et con entwickelten Programmanalyse-Tools arbeiten so genau, dass selbst hoch komplizierte Programmabhängigkeiten in Bezug auf das Jahr-2000-Problem lokalisiert werden konnten." Doch auch auf dem Gebiet der Software-Migration bleibt die Zeit nicht stehen. Deshalb trafen sich im September in Chemnitz über 100 Informatikexperten aus ganz Europa, um über neue Migrationskonzepte zu sprechen. Pro et con Chemnitz war nicht nur Gastgeber der hochkarätigen Tagung, die Firma suchte auch den Kontakt zur Chemnitzer Universität. Gemeinsam mit Vertretern der Fakultät für Informatik diskutierten die Tagungsteilnehmer deshalb über Forschungsergebnisse der TU Chemnitz und die Anforderungen der Praxis an die universitäre Ausbildung. Weitere Infos zur Firma siehe http://www.tcc-chemnitz.de/firmen/proetcon . |
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