Zwei starke Partner wollen sich zusammentun

TU Chemnitz plant Austauschprogramm mit der Elite-Uni Meidai im japanischen Nagoya

BILDEines der Wahrzeichen der Stadt Nagoya: das Schloss. Vor 400 Jahren erbaut, wurde es im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber detailgetreu wieder aufgebaut. Neben Häusern, die im traditionellen japanischen Stil erbaut wurden, findet man aber zumeist Gebäude, die sich nicht von denen in Europa unterscheiden.

Wissenschaft lebt vom Austausch und von der Zusammenarbeit der Wissenschaftler untereinander. Deshalb unterhält die Chemnitzer Universität mal mehr, mal weniger enge Kontakte zu rund 150 Hochschulen rund um den Erdball. Klar, dass dabei besonders die Kontakte zu den Elite-Unis weiter ausgebaut werden sollen, wie etwa zur Meidai-Universität im japanischen Nagoya, die von ihrer Struktur und ihren Schwerpunkten her der Chemnitzer ähnelt. Bereits im Februar besuchte Prof. Dr. Josef Schmied, Prorektor für Internationale Entwicklung, die japanische Industriestadt (siehe Spektrum 2/1999, S. 30) - übrigens im Gefolge von Landesvater Kurt Biedenkopf, der damals ebenfalls in die Region reiste. Diesmal stellt uns Prof. Tsutomu Nomizu, der Leiter des Akademischen Austauschdienstes (NUPACE), seine Uni vor.
Nagoya liegt auf der Insel Honshu und ist mit 2,25 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Japans und eines der führenden Industriezentren. Die Stadt ist der Hauptort der Präfektur Aichi mit etwa fünf Millionen Einwohnern und das Zentrum der Region Chubu. Zwei von drei Fahrzeugen, die in Japan gebaut werden, stammen aus dieser traditionsreichen Fahrzeug- und Maschinenbauregion. Die Stadt Toyota wo die gleichnamigen Autos gebaut werden liegt nur etwa 20 Kilometer entfernt. Die Region ist auch geschichtlich wichtig. Von hier aus wurde Japan vor rund 400 Jahren vereinigt. Zuvor bestand es ähnlich wie Deutschland aus vielen kleinen Staaten, die einander bekriegten. Das berühmte und weithin sichtbare Schloss "Nagoya-jo" mit seinen goldenen Delfinen auf dem Dach wurde damals als Symbol des wirtschaftlichen Erstarkens errichtet. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es wie fast die ganze Stadt ein Opfer amerikanischer Bombenangriffe, aber inzwischen wieder aufgebaut. Heute fällt Nagoya durch einen weiträumigen und verkehrsgerechten Städtebau auf.

Die Meidai-Uni in Nagoya wurde 1939 als siebte kaiserliche Universität gegründet, doch reichen ihre Ur-sprünge bis 1871 zurück, als hier eine medizinische Schule mit angeschlossenem Krankenhaus gegründet wurde. Seit der Reform des japanischen Bildungssystems im Jahre 1949 hat sich die Meidai-Uni zu einer der führenden Hochschulen Japans entwickelt. Einige Fachbereiche, wie etwa die organische Chemie, zählen unangefochten zur Weltspitze. So erhielt Prof. Ryoji Noyori, zur Zeit auch Dekan der Chemie-Fakultät, kürzlich gemeinsam mit Prof. Dieter Seebach von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich den renommierten und hoch dotierten Internationalen König-Feisal-Preis für die Wissenschaft.

Meidai ist heute nach angelsächsischem Vorbild organisiert und verfügt über neun Undergraduate Schools, zwölf Graduate Schools, drei separate Institute und fünfzehn Forschungszentren. Von den 16.000 Studenten kommen mittlerweile etwa tausend aus dem Ausland. Die Uni hat rund 3.500 fest angestellte Mit-arbeiter in Lehre, Forschung und Verwaltung. Etwa zehn Prozent des Jahreshaushalts stammen aus Drittmitteln.

Auf die Zusammenarbeit mit der Industrie wird großer Wert gelegt. Viele moderne Großgeräte werden mit Industriepartnern gemeinsam betrieben. Toyota stiftete sogar ein eigenes Hörsaalgebäude, das Toyota-Auditorium.

Die Organisation der Uni wird fortlaufend verbessert. Dabei ist Kreativität das oberste Ziel. In den vergangenen Jahren wurden fachübergreifende Forschungs- und Ausbildungszentren geschaffen. Immer mehr internationale Studenten interessieren sich für Leistung und Ausbildung der Uni. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.

Auch als Partner in der internationalen Forschung wird Meidai mehr und mehr geschätzt. Seit 1996 gibt es das Nagoya University Program for Academic Exchange (NUPACE, etwa: Akademischer Austauschdienst der Uni Nagoya). Es unterstützt ausländische Studenten bei der Studienplanung und der Anerkennung von Studienleistungen, hilft beim Erlernen der Sprache und beim Kennenlernen der japanischen Kultur und greift den Studenten auch unbürokratisch finanziell unter die Arme. Über 150 Studenten wurden bisher betreut. Die Fachvorlesungen werden dabei auf Englisch gehalten. Das Programm steht in Zukunft auch Chemnitzer Studenten offen.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999