Uni stellt sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts"Kompetenz in Technik, Management und Kommunikation" - Neues Entwicklungskonzept
(HJG) Der Wettbewerb zwischen den Hochschulen nimmt immer mehr zu. Keine einzelne Uni kann heute noch in allen Fächern führend sein. Um Forschung und Lehre weiterzuentwickeln, müssen deshalb die einzelnen Bereiche einer Uni fachübergreifend zusammenarbeiten. Universitäten, die auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb mithalten und den Ton angeben wollen, müssen sich auf bestimmte Ziele konzentrieren, ihr Profil schärfen und Schwerpunkte setzen. Deshalb hat das Rektorat in Zusammenarbeit mit den Fakultäten, den zentralen Einrichtungen und dem Kuratorium für die nächsten Jahre erstmals ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Es legt in groben Zügen die Richtung fest, in die sich die Uni in den nächsten Jahren entwickeln soll. Gleichzeitig lässt es genügend Freiraum und ermöglicht daher, sich auch veränderten Sachverhalten anzupassen. Das Konzept steht unter dem Leitmotiv "Kompetenz in Technik, Management und Kommunikation". Es fasst die Ideen und Vorschläge aus allen Bereichen der Uni schwerpunktmäßig zusammen. Dazu wurden die Stärken und Schwächen analysiert. Einflüsse von außen, die in nächster Zeit zu erwarten sind, wurden, soweit möglich, bereits berücksichtigt. Auf dieser Grundlage verabschiedete der Senat die langfristigen Ziele und die zur Umsetzung nötigen Maßnahmen. Der Leitgedanke hinter dem neuen Konzept ist, die Leistungsfähigkeit, die Qualität und die Finanzierung der Chemnitzer Uni auf Dauer zu sichern. Das Entwicklungskonzept ist künftig die Grundlage für alle internen Entscheidungen an der Uni. Dies gilt besonders für die Ausschreibung neuer Professuren und für die Vergabe der Ressourcen. Das Konzept soll nach drei Jahren fortgeschrieben werden. Die Fakultäten und Senatskommissionen wurden aufgefordert bis zum Ende des Wintersemesters Umsetzungsvorschläge zu unterbreiten. Das Entwicklungskonzept betrachtet die Technische Universität Chemnitz als eine Einheit, deren Möglichkeiten weit über die technischen Fächer hinausgehen. Die wirtschaftswissenschaftliche und die philosophische Fakultät beziehen sich dabei in besonderer Weise auf die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer, ohne ihre jeweilige Eigenart zu vernachlässigen. Ein wichtiges Ziel von Forschung und Lehre ist es deshalb, die Fakultäten als die Säulen der Uni miteinander zu vernetzen. Durch diese Vernetzung der verschiedenen Fachgebiete über die Fakultätsgrenzen hinweg entstehen bewegliche, anpassungsfähige Forschergruppen, die zeitlich befristet zusammen an einem Projekt arbeiten. Sie schaffen gemeinsam eine "Kompetenz in Technik, Management und Kommunikation" der Chemnitzer Uni. Die Leistungsfähigkeit dieser Forschergruppen drückt sich dabei in "Kollegs" oder "Exzellenzzentren" aus. Die Universität wird ferner verstärkt mit der Region, der Wirtschaft und anderen Institutionen zusammenarbeiten und trägt damit zur regionalen und überregionalen Entwicklung bei.
Welche langfristigen Ziele sich die Uni gesetzt hat Die Chemnitzer Uni will die Zahl der Studierenden nachhaltig steigern. Dazu muss sie für Studenten, Studien-interessierte und mögliche Arbeitgeber der Absolventen noch attraktiver werden. Deshalb baut die Uni die fach-übergreifenden Studiengänge weiter aus und richtet außerdem einzigartige neue Studienrichtungen ein. Auf diese Weise will die TU auch verstärkt Studenten von außerhalb der Region und aus dem Ausland gewinnen. Außerdem wird die Uni ihre Weiterbildungsangebote besonders für Berufstätige mit Hochschulabschluss ausweiten. In kompakter Form werden dort die neuesten Entwicklungen aus einzelnen Wissensgebieten vermittelt. Davon wird vor allem das lokale und regionale Umfeld profitieren. Durch ein Gesamtkonzept zur Qualitätskontrolle und -sicherung soll so ein Qualitätsstandard "Studium in Chemnitz" geschaffen werden. Dieses Konzept soll den Absolventen bestmögliche Bildungs- und Berufs-chancen garantieren und ist durch die Stichworte forschend lernen, interdisziplinär, international und regional charakterisiert. Die Studenten der Chemnitzer Universität sollen während ihres Studiums ihre Persönlichkeit entwickeln, berufsfähig werden und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Dies geschieht, indem die Hochschule ihnen Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz vermittelt. Dazu beziehen die Professuren die Studierenden frühzeitig in die Forschung ein und stellen Freiräume für ihre Kreativität bereit. Selbstverständlich geschieht dies alles fächer- und fakultätsübergreifend und auf ein internationales Umfeld ausgerichtet.
Wie die TU Chemnitz diese Ziele erreichen will Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird die Uni ein ganzes Bündel von Maßnahmen ergreifen. Die Studienwerbung wird zu einem professionellen Marketing ausgebaut, in das auch die Absolventen einbezogen werden. Daneben ist beabsichtigt, neue Studiengänge einzurichten, wie sie von den Studenten oder vom Arbeitsmarkt verlangt werden. Beispiele dafür sind etwa die Medientechnik, die Medienkommunikation und die Medienwirtschaft. Hierbei arbeitet die Uni mit der Berg-akademie in Freiberg und der Westsächischen Hochschule in Zwickau zusammen, eine Kooperation mit Mittweida ist geplant. Um die hohe Qualität der Lehre auch weiterhin zu sichern, soll die Uni von außen und innen bewertet werden. Hierzu werden Studenten und Absolventen, aber auch Unternehmen befragt. Auf diese Weise werden die Studienbedingungen und Arbeitsmöglichkeiten fortlaufend verbessert. Dabei soll die Uni bundesweit eine Vorreiterrolle bei neuen Formen des Lehrens und Lernens spielen und auch die neuen Medien konsequent nutzen. Wo immer es geht, sollen neue Studiengänge nach dem Baukastenprinzip (Modularisierung) eingerichtet werden. Eine Weiterbildung der Hochschullehrer strebt die Uni ebenfalls an. Weiterentwickelt und durch zusätzliche Bereiche aus den Ingenieurwissenschaften verstärkt wird auch das "Chemnitzer Modell". Es ermöglicht einen Magisterabschluss mit zwei Hauptfächern, wovon das eine aus den Ingenieur-, Natur- oder Wirtschaftswissenschaften kommt, das andere aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften. Daneben werden Angebote aus den Geisteswissenschaften im Programm der anderen Fakultäten zur Pflicht. Zusätzliche studienbegleitende Zertifikate sind ebenfalls geplant. Praktika außerhalb der Universität und Auslandssemester sollen verstärkt Bestandteil der Studienpläne werden. Außerdem bietet die Uni mehr fremdsprachige Veranstaltungen als bisher an und plant zweisprachige Studiengänge. Ebenfalls geplant: Bachelor- und Masterabschlüsse parallel zu den wichtigsten Diplom- und Magisterabschlüssen. Auch eine Kontaktstelle oder ein Weiterbildungszentrum wird die Chemnitzer Uni einrichten. Dort werden die Weiterbildungsangebote aufeinander abgestimmt und vermarktet.
Wie sich die Forschung an der Uni weiterentwickeln soll
Die Chemnitzer Uni wird fünf fakultätsübergreifende Forschungsprofile befristet besonders fördern. Diese Gebiete bilden schon jetzt einen besonderen Schwerpunkt, der weiter ausgebaut werden soll. Die Hochschullehrer und ihre Mitarbeiter werden aber auch in Zukunft eigenverantwortlich und in angemessener Breite auf ihren jeweiligen Gebieten forschen können.
Profil 1: Neue Materialien und neue Werkstoffe
Hier sollen unter anderem nichtkristalline Materialien, neue Methoden und Materialien für den Nanometerbereich, numerische Verfahren zur Simulation von Materialeigenschaften und Wachstumsbedingungen
sowie neue Werkstoffe für den Strukturleichtbau erforscht werden.
Profil 2: Prozessketten und Produktionsnetze
In diesem Profil werden Prozessketten und Produktionsnetze für neue Fabriksysteme entwickelt. Dabei spielen auch der mechatronische und der mikromechanische Maschinenbau sowie umweltschonende Energie- und Bioverfahrensanlagen eine Rolle.
Profil 3: Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik
Das Zeitalter der extremen Miniaturisierung hat gerade erst begonnen. Hier hat Chemnitz schon jetzt einen guten Stand. Dieser soll durch Forschungen bei den Metallisierungstechniken und der Anwendung von Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik, beim mechatronischen und mikromechanischen Maschinenbau, bei den Mikroreaktionstechniken, der Physik und Chemie dünner Schichten und der numerischen Mathematik und Analysis noch weiter ausgebaut werden.
Profil 4: Steuerung und Management vernetzter Systeme
Die Vernetzung komplexer Systeme wird immer wichtiger. Hier will die Chemnitzer Uni bei der Optimierung mit diskreter Mathematik, bei verteilten und intelligenten Rechnersystemen, bei der Steuerung von Markt- und Geschäftsprozessen und bei den Mensch-Technik-Schnittstellen die Entwicklung weitertreiben.
Profil 5: Medien, Kommunikation und Informationstechnologien Am Anfang stehen die Umwälzungen, die uns das Informationszeitalter gebracht hat. Auch auf den damit zusammenhängenden Feldern, wie der Printmedientechnik, der Informationstechnik und dem Einfluss der neuen Medien auf unsere Sprache und Kultur sowie auf die Art, wie wir lehren und lernen, wird die Uni ihre Forschung intensivieren. Zudem wird die Uni ihren wissenschaftlichen Nachwuchs noch mehr als bisher fördern. Die Professuren werden aufgefordert, verstärkt Drittmittel einzuwerben. Um dies zu erreichen, sollen die universitätsinternen Mittel auf zentraler und Fakultätsebene künftig gezielt nach Leistung verteilt werden.
Wie die TU Chemnitz diese Ziele verwirklichen will Um diese Ziele zu verwirklichen, muss die Uni zunächst die nötigen organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen. Die Finanzierung muss geklärt, Verantwortliche müssen benannt werden. Bei den Anträgen nach dem Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) will sich unsere Hochschule auf solche innovative Forschungsvorhaben konzentrieren, die ihren Profilen entsprechen. Die Profile werden fortlaufend neu bewertet, die Forschungsschwerpunkte von den Fakultäten ständig aktualisiert, um sie an neue Gegebenheiten anzupassen. Die Professuren sollen dabei fachübergreifend und zeitlich befristet mit anderen Institutionen der Uni, etwa den Sonderforschungsbereichen, Innovationskollegs oder An-Instituten, aber auch mit außeruniversitären Bereichen regional, national und international zusammenarbeiten. Schwerpunkte sollen mit anderen Universitäten abgestimmt werden. Die Kontakte zu ausländischen Universitäten, Institutionen und Firmen werden ebenfalls ausgebaut und dadurch die internationale Zusammenarbeit in der Forschung gestärkt.
Dies wird vor allem Aufgabe des Internationalen Hochschulkollegs und der Abteilung Wissenschaftliche Dienste sein. Eine gezielte Besetzung von C1/C2-Stellen sowie universitätsinterne Graduiertenkollegs und For-schungsstipendien sollen außerdem den erforderlichen Hochschullehrernachwuchs sichern.
Was außerdem noch geplant ist Um all diese Veränderungen verwirklichen zu können, sind Zielvereinbarungen zwischen der Universität und dem sächsischen Wissenschaftsministerium einerseits sowie zwischen der Uni-Leitung und den verschiedenen Organisationseinheiten andererseits nötig. Die vorhandenen Mittel sollen nach Leistung und Belastung verteilt werden. Für strategische Entscheidungen ist außerdem eine Rektoratsreserve nötig. Sie soll dazu dienen, Gelder flexibel und unbürokratisch einzelnen Wissenschaftlergruppen zuzuweisen. Um die Selbststeuerungsfähigkeit der Fakultäten zu stärken, wird ferner eine auf die Uni zugeschnittene Kosten- und Leistungsrechnung eingeführt. Die Chemnitzer Uni gründet außerdem ein Internationales Hochschulkolleg. Dort sollen alle mit der Internationalisierung des Studiums und der Betreuung ausländischer Studenten befassten Bereiche der Uni zusammengefasst werden und so ihre Wirkung gegenseitig verstärken. Das akademische Leben soll durch den "Dies academicus", durch Ringvorlesungen und Kulturveranstaltungen weiter angeregt werden. Bisher hat die Uni auch den Wert und die schöpferischen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen nicht genügend anerkannt. Der Anteil der Frauen an den Professuren (bisher nur 6 von 160) und auch in anderen Führungspositionen soll deshalb nachhaltig gesteigert werden. Uni-Mitglieder, die sich eine eigene Existenz aufbauen wollen, wird die Stiftungsprofessur "Unternehmensgründung" organisatorisch unterstützen. Uni und Studentenwerk werden außerdem die Anziehungskraft des Campus weiter steigern. Das Entwicklungskonzept gilt vorerst für die nächsten drei Jahre. Bereits während dieser Zeit werden jedoch alle Fortschritte analysiert und diskutiert, um alle Pläne neuen Einflüssen anpassen zu können. |
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