Was man mit Linearer Algebra alles anfangen kann

Chemnitzer Mathematiker neuer Herausgeber von internationaler Fachzeitschrift

BILDWurde Herausgeber der führenden internationalen Fachzeitschrift für Lineare Algebra: der Chemnitzer Mathematiker Prof. Dr. Volker Mehrmann, hier während einer Vorlesung. Die Lineare Algebra eignet sich besonders für Simulations- und Steuerungsaufgaben, wie sie für die Industrie immer wichtiger werden. Um die ungemein komplizierten Aufgaben zu lösen, sind freilich immer schnellere Rechner nötig.

(HJG) Sie ist eines der angesehensten Fachblätter der Mathematik und führend auf ihrem Gebiet, die Zeitschrift "Linear Algebra and its Applications" (LAA, Lineare Algebra und ihre Anwendungen). Jedes Jahr erscheinen 18 Bände von je 300 Seiten, randvoll mit den neuesten Er-kenntnissen und Entwicklungen aus diesem Spezialgebiet der Mathematik. Gedruckt wird die Zeitschrift von dem niederländischen Verlag Elsevier, einem der größten, ältesten und renommiertesten wissenschaftlichen Verlage der Welt.

Jetzt hat die führende Zeitschrift für Lineare Algebra einen neuen Chefherausgeber bekommen: den Chemnitzer Mathematiker Prof. Dr. Volker Mehrmann. Für das neue Amt war Prof. Mehrmann von namhaften Kollegen vorgeschlagen worden. Er wird das Blatt gemeinsam mit Richard A. Brualdi und Hans Schneider von der Universität des amerikanischen Bundesstaates Wisconsin leiten.

Alle Artikel, die in LAA veröffentlicht werden, unterliegen strengen Qualitätskontrollen. Ähnlich wie in der Schule Arbeiten von Lehrern benotet werden, so werden auch die Fachaufsätze der Wissenschaftler von bekannten Mathematikern anonym begutachtet, ein Verfahren, das in der wissenschaftlichen Welt als "peer review" bekannt ist. Nur etwa 40 Prozent der Aufsätze werden angenommen und gedruckt; nicht selten müssen deren Autoren die Texte auch nachbessern, bis sie den hohen An-sprüchen der Herausgeber genügen. Dies sichert das hohe Niveau der Zeitschrift. Wissenschaftler, die dort veröffentlicht haben, genießen unter ihresgleichen ein besonders hohes Ansehen.

Prof. Mehrmann ist ein weltweit anerkannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Numerischen Linearen Algebra. An der Chemnitzer Uni hatte er vor zwei Jahren die 6. Konferenz der Internationalen Gesellschaft für Lineare Algebra organisiert, an der Wissenschaftler aus mehr als zwei Dutzend Ländern teilnahmen. Auch den internationalen Studiengang "Mathematik", den die Chemnitzer Uni ab diesem Wintersemester für besonders hochqualifizierte ausländische Wissenschaftler anbietet, hat er auf den Weg gebracht. Er leitet ferner ein Forschungsprojekt mit internationaler Beteiligung, in dem besonders zuverlässige Software für die Steuerung industrieller Fertigungsprozesse entwickelt wird. 1,5 Millionen Mark an Fördergeldern war dies der Europäischen Union (EU) wert.

Stichwort: Lineare Algebra

Lineare Algebra, was ist das überhaupt? Was machen die Forscher, die sich mit solchen Themen beschäftigen, eigentlich? Sie ist ein besonderes Teilgebiet der Mathematik, das sich mit komplizierten mathematischen Strukturen befasst. Was sich so theoretisch anhört, ist handfest praktisch. Man kann sagen, dass die Lineare Algebra die Grundsprache aller Natur- und Ingenieurwissenschaften, die Sprache der Informatik, ist. Ohne Lineare Algebra lässt sich weder das Wetter langfristig vorhersagen noch eine Fabrik automatisieren noch ein Roboter steuern. Ganz besonders zeigt sie ihre Stärke bei Simulationsrechnungen. Mit ihrer Hilfe kann man berechnen, wie sich Brände ausbreiten oder wie sich Schadstoffe im Boden verteilen. Die angeblich trockene Mathematik hilft so, Menschenleben zu retten oder die Umwelt zu schützen.

An der Chemnitzer Uni arbeiten zahlreiche Experten auf dem Gebiet der Linearen Algebra, die weltweit zu den Topleuten zählen. Hier ist auch der Sonderforschungsbereich "Numerische Simulation auf massiv parallelen Rechnern" zu Hause, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft an der Uni eingerichtet hat.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999