Zum Testen freigegeben: Das Fernlern-Programm "ReLaTeD"

Wie (Hochschul-)Lehrer lernen können, die neuen Medien für die Ausbildung zu nutzen

BILDRegelmäßig treffen sich die Experten des ReLaTeD-Programms zum Erfahrungsaustausch, hier an der Kemi-Tornio Polytechnic im finnischen Kemi Anfang Juni. 2. v. l. (mit Brille) Projektleiter Peter van Cleef aus Belgien, ganz rechts Dr. Rainer D. Kittig von der TU Chemnitz.

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" - das alte deutsche Sprichwort stimmt schon lange nicht mehr. Was Hänschen heute lernt, ist im Zeitalter des rapiden Wandels vielleicht morgen schon veraltet. Hans bleibt nichts anderes übrig, als sein Leben lang immer neu und immer wieder dazuzulernen, wenn er auf dem Arbeitsmarkt mithalten will.

Aber auch die Lehrer, von denen Hans und Hänschen lernen, müssen mit ihren Methoden immer auf der Höhe der Zeit sein. Deshalb hat die Europäische Union (EU) im Rahmen ihres "Leonardo"-Programms das Verbundvorhaben "Remote Learning and Teacher Development" (ReLaTeD, etwa: Fernlernen und Entwicklung der Lehrer) aus der Taufe gehoben. Das Vorhaben ist eine Reaktion auf den länderübergreifenden Bedarf an einer Verbesserung der Kenntnisse und Fähigkeiten der Lehrenden bei der Nutzung der neuen Medien zur Gestaltung des Unterrichts. Hauptziel dabei ist es, das "lebenslange Lernen" zu unterstützen, also die Lernenden dazu anzuregen, ihre eigenen Fähigkeiten ständig an den sich ändernden Bedarf und an neue Aufgaben anzupassen, um so einen wirkungsvollen Beitrag zur Personalentwicklung zu leisten und dadurch die Arbeitslosigkeit zu verringern. Die vorliegenden Analysen und Erfahrungen der beteiligten europäischen Regionen spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Um diese Ziele zu verwirklichen, arbeiten zwölf Partner aus vier europäischen Ländern (Belgien, Finnland, Spanien und Deutschland) zusammen. Geleitet wird das Projekt von Strategisch Plan Kempen in Belgien. Das ReLaTeD-Projekt startete im November 1997, im Oktober 2000 wird es abgeschlossen sein. Dem Projektteam gehören Fachleute aus den Bereichen "Pädagogik/Didaktik", "Technik" und "Transfer" an. Aus Deutschland sind mit dabei das Technologie Centrum Chemnitz, die Firma PROREC und das Zentrum für Weiterbildung und Technologietransfer - CIMTT sowie der Bereich Wissenschaftliche Dienste der Chemnitzer Universität.

Beabsichtigt sind im Einzelnen ?

  • die Gestaltung, Entwicklung und Einführung erprobter Lernbausteine für die Weiterbildung von Lehrern und Hochschullehrern ?
  • eine Einführung in die Nutzung der neuen Medien ?
  • der Einsatz von CD-ROMs und anderen Mitteln in der Aus- und Weiterbildung ?
  • die Nutzung des im Internet verfügbaren Wissens, um die Aus- und Weiterbildung vor Ort zu ergänzen ?
  • der Aufbau eines Organisationsmodells, das die neuen Formen des gemeinsamen Lernens und die Wechselwirkungen zwischen Lehrenden und Lernenden zusammenfasst ?
  • die Schulung der Lehrer mit dem Ziel, alles notwendige Wissen, alle erforderlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten bei der Nutzung der neuen Medien in der Aus- und Weiterbildung einzusetzen ?
  • die Verbreitung der Ergebnisse und Produkte des Projektes über das Internet und auf anderen Wegen ?
  • die Begleitung und Organisation von beispielhaften Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen (Pilotvorhaben).

    Das Projekt richtet sich an Lehrende und Lernende von weiterführenden Schulen, wie etwa Gymnasien, aber auch an berufsbildende Schulen, Fachhochschulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen.

    Das europäischen Projekt wird schrittweise umgesetzt. Bisher wurden bereits ? eine leistungsfähige technische Lernumgebung entwickelt ? Schulungs-, Trainings- und Hilfe-bausteine entwickelt ? Schulungsteilnehmer in den beteiligten Ländern ausgesucht und trainiert ? Transferaktivitäten eingeleitet

    (So wurde etwa der Zugang zu den Bausteinen für alle Internet-Nutzer sichergestellt und die Vermarktung der Produkte vorbereitet).

    Die deutschen Partner sehen ihre Aufgabe besonders darin, Modelle für eine leistungsfähige technische Lernumgebung in der Universitätsausbildung und der berufsbegleitenden Weiterbildung zu entwickeln. Dabei bereiten sie den Lernstoff so auf, dass er unabhängig von Zeit und Ort genutzt und leicht auf die eigenen Bildungsbedürfnisse angepasst werden kann. Dazu erstellen sie Bausteine für die informations- und kommunikationstechnische Plattform. Sie hoffen so, die Hemmungen gegenüber neuen Lernformen wie dem Telelearning zu verringern.

    Ab November steht nun eine Lehr- und Lernumgebung im Internet zum Testen zur Verfügung. Der Bereich Wissenschaftliche Dienste der TU Chemnitz und PROREC stellen diese Umgebung als Pilotvorhaben zur Verfügung. Es kann dann von allen Hochschullehrern, wissenschaftlichen Assistenten und Mitarbeitern der Uni zur Ausbildung der Studenten und zur universitären Weiterbildung, aber auch zur Information genutzt werden. Interessenten sollten schon jetzt Kontakt mit dem Bereich Wissenschaftliche Dienste unter der Telefonnummer (03 71) 5 31-17 06 aufnehmen.

    Die Auftaktveranstaltung wird am 7. Dezember 1999 an der Technischen Universität Chemnitz stattfinden.

    Dr. Rainer D. Kittig
    Bereichsleiter Wissenschaftliche Dienste


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    HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999