Der Karriere-Kick für Frauen: Informatik in Chemnitz... und warum Personalchefs Absolventen aus Chemnitz bevorzugen
(HJG) Schon wieder - und gleich zweimal - ist die Chemnitzer Uni in Ranglisten ganz vorn gelandet, diesmal in der Informatik. Die Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Akademikerinnen, "Neue Impulse" (Heft 6/1998), setzte sie auf Platz 1 unter den deutschen Informatik-Studien-gängen, "Computer-Bild" auf Platz 3. Die Liste der "Neuen Impulse" beruht auf der Freiburger Informatik-StudentInnenstudie der Mathematikerin Prof. Britta Schinzel und der Soziologin Christine Knecht. Die beiden Wissenschaftlerinnen befragten 1.585 Studierende an 15 deutschen Hochschulen - 25 weitere, die ebenfalls Informatik anbieten, mochten sich an der Untersuchung nicht beteiligen. Das dürfte aber auf das Ergebnis keinen großen Einfluss haben, da es nach aller Erfahrung die schwächeren Hochschulen sind, die sich einem Vergleich nicht stellen wollen. Ganz besonders interessierte die beiden, ob das Studium den besonderen Bedürfnissen von Frauen entgegenkommt. Dabei landete die Chemnitzer Uni in der Gesamtwertung souverän auf Platz 1 vor der Dortmunder Uni und der Humboldt-Uni in Berlin. Schinzel und Knecht wollten es aber noch genauer wissen. Es interessierte sie auch, ob im Studium gesellschaftliche Bezüge der Informatik angesprochen und der Bezug zur Praxis deutlich wurde, ob es genügend Programmierkurse gab, ob das Studium zu mathe- oder zu theorielastig war und ob es in einen allgemeinen Sinnzusammenhang gestellt wurde. Bei den insgesamt acht Merkmalen kam die Chemnitzer Uni zweimal auf Platz 1, dreimal auf Platz 2, einmal auf Platz 3 und zweimal auf Platz 4. Ganz zufrieden sind die beiden Forscherinnen aber weder mit der Chemnitzer Uni noch mit den anderen vorn platzierten Hochschulen. Es handle sich nicht um eine Rangliste der besten, sondern um eine der am wenigsten schlechten Hochschulen. Die Informatik-Studienpläne der deutschen Unis müssten dringend überarbeitet werden, urteilen Schinzel und Knecht. So sei es zum Beispiel nötig, die theoretische Informatik an das Ende des Vordiplomstudiums statt an den Anfang zu setzen. Wir freuen uns trotzdem über unseren ersten Platz. Und dass Frauen und Technik prima zusammenpassen und Frauen sich an der Chemnitzer Uni besonders wohl fühlen, haben wir ohnehin schon geahnt. Wer das von den Frauen selbst hören möchte, sollte bei unserer Zentralen Studienberatung, Telefon (0371) 5 31-18 40, E-Mail studienberatung@tu-chemnitz.de , die Broschüre "Frauen in der Technik" anfordern. Dort erzählen erfolgreiche Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen, wie viel Spaß ihnen ihr Beruf macht. Alle haben früher einmal in Chemnitz studiert. Ähnlich wie bei den "Neuen Impulsen" war auch das Ergebnis bei "Computer-Bild". Die Zeitschrift ließ durch das Meinungsforschungsin- stitut Infratest Dimap über 200 Personalchefs und Leiter von Computerabteilungen in Unternehmen mit mindestens 200 Beschäftigten befragen. Ergebnis: Die TU Chemnitz kam auf Platz 3 unter 40 Unis, nach der TU München und der RWTH Aachen. Besonders erfreulich daran: Das dicke Lob kommt diesmal von Personalchefs. Mittlerweile zeigen Chemnitzer Absolventen nämlich in vielen Firmen, was sie draufhaben. Und das ist eine ganze Menge. Kein Wunder, dass man Chemnitzer Computer-Fachleute rund um den Globus findet, so etwa bei Microsoft, Hewlett Packard, debis oder AMD. Aber auch in Chemnitz selbst haben sich im Dunstkreis der Uni eine ganze Reihe kleiner und mittlerer Hochtechnologiefirmen angesiedelt und alle profitieren von den erstklassigen Chemnitzer Absolventen. Ein weiteres Plus der Chemnitzer Uni: Hier ist man mit dem Studium der Informatik in nur 11,3 Semestern fertig - in vielen Unis der alten Bundesländer sind es dagegen fast siebzehn Semester, so der Studienführer "start" erst im vergangenen Juni. Damit liegt Chemnitz bundesweit immerhin auf Platz 3. Freilich: Die Regelstudienzeit beträgt nur neun Semester, und das bringt so manchen Studenten in Bedrängnis, dem Eltern oder Verwandte das Studium finanzieren. "Die Regelstudienzeit müsste dringend um mindestens ein Semester erhöht werden", so der Chemnitzer Informatikstudent Ralf Neubert, der gerade über seiner Diplomarbeit sitzt. "Die Profs unterschätzen einfach den Zeitaufwand, den man für eine Studien- oder Diplomarbeit braucht." Aber auch Neubert möchte seine Erfahrungen nicht missen, denn "anders sind Forschungsergebnisse nicht zu erzielen." Ansonsten freilich sind die Chemnitzer Informatikstudenten mit ihren Studienbedingungen überaus zufrieden, so das Karriere-Magazin "start" erst im Juni. Die Uni-Bibliothek zum Beispiel erhielt von den Studenten bronzene Lorbeeren, der Bestand an Computerliteratur wurde als sehr gut bewertet. Damit liegt die TU Chemnitz wieder einmal vorn. Erst Mitte April war sie in einer SPIEGEL-Rangliste auf Platz 2 gekommen, im letzten Jahr in "Online Today" unter den reinen Unis auf Platz 1, "Konr@d" bescheinigte ihr, von allen deutschen Unis die beste Computerausstattung zu haben, und vor zwei Jahren war die TU im "Focus" beim Studentenurteil auf Platz 1 gelandet. Ehrensache, dass wir alles tun werden, auch in Zukunft in der deutschen Hochschullandschaft ganz, ganz oben zu stehen. |
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