30 Drahtesel in vier Monaten spurlos verschwunden

Projekt "Blaues Fahrrad - kostenlos durch Chemnitz radeln"

BILDDie Fahrradausleihstation direkt vor dem Weinhold-Bau der Universität an der Reichenhainer Straße wird rege genutzt. Im Bild: Dipl.-Ing. Gerald Kolbe leiht sich einen Drahtesel für die Fahrt in den Universitätsteil Erfenschlager Straße aus.

(PES) Seit gut vier Monaten gibt es in Chemnitz das System "Blaues Fahrrad", ein Projekt, das als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von der Phönix GmbH gefördert wird. Das Prinzip ist einfach: Gegen eine Leihgebühr von 20 Mark erhält man eine Keycard, mit der man ein Jahr lang an den sieben Ausleihstationen (Philosophische Fakultät, Reichenhainer Straße, Hauptbahnhof, Moritzhof, Kreuzung Brücken-/Bahnhofstraße und am Umweltzentrum) einen der derzeit 60 blaugelben Drahtesel ausleihen kann und innerhalb eines Tages wieder dort abstellen muss.

Eigentlich das perfekte Ding für den Gelegenheitsradfahrer. Doch das Motto der Aktion "Leihfahrrad - ein kostenloses Bike für jedermann" hat wohl so mancher Pedalritter etwas missverstanden. Schon über 30 Räder sind seit Anfang Mai spurlos verschwunden. "Viele bringen nicht, wie es im Vertrag geregelt ist, das Fahrrad spätestens nach 24 Stunden an eine der Stationen zurück, sondern stellen es irgendwo ab. Es wurde sogar schon eines unserer Räder aus der Chemnitz gefischt", beklagt sich Peter Wolf, Leiter der ABM. "Hin und wieder bekommen wir Hinweise aus der Bevölkerung, wenn ein blau-gelbes Rad irgendwo wochenlang herumsteht", so Wolf, der mit seinen Helfern schon demolierte Drahtesel aus Gebüschen, Gräben und dunklen Kellern herausgeholt hat.

Dreimal wöchentlich gehen zwei ABM-Kräfte auf Kontrollgang, um die technischen Mängel zu beseitigen. Es stehen nicht nur gewöhnliche Reparaturen an, wie Löcher in den Schläuchen zu flicken oder eine heruntergesprungene Kette wieder aufzufädeln. "Oft sind die Lampen weg oder Achten in die Räder getreten. Dann müssen wir die Fahrräder zwangsläufig aus dem Verkehr ziehen und in der Werkstatt wieder auf Vordermann bringen", erzählt Peter Wolf von der aufwendigen Wartung der Zweiräder.

Trotz des Frusts, der sich aufgrund des unsachgemäßen Umgangs mit den Bikes manchmal auftut, ist Wolf mit der Aktion zufrieden: Über 250 Keycards seien schon an den Mann bzw. die Frau gegangen, Tendenz ständig steigend. Auch Studenten machen vom kostenlosen Transportmittel rege Gebrauch. Besonders beliebt sind bei den angehenden Akademikern die beiden Stationen in Uninähe.

Die Phönix GmbH plant, das System noch weiter auszubauen. Vorstellbar wären Leihstellen unter anderem am Südbahnhof, an der AOK-Geschäftsstelle, am Technischen Rathaus und am Schlossteich.

Wer eines der herrenlosen blaugelben Räder aufspürt, wird gebeten, sich unter Telefon (0371)583406 zu melden.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 09. November 1999