Knete, Heu, Kies, Mücken, Zaster, Moos, Kohle, ZunderOder: Wie komme ich an ein Stipendium? - Engagement außerhalb der Uni wichtig(Fortsetzung des Artikels aus TU-Spektrum, Heft 2/1999, S. 14)
Liberal ist nicht egal
(HJG) Auch die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) - benannt nach einem Theologen und Politiker, der 1918 den FDP-Vorläufer Deutsche Demokratische Partei mitgründete, ist an der Uni vertreten. Um gefördert zu werden, muss man neben den üblichen Kriterien - na was wohl? - "ein gesellschaftliches und politisches Engagement aus liberaler Grundhaltung" zeigen. Erwünscht sind dabei unter anderem "Aktivitäten ... in einer liberalen Partei". Auch hier ist die Teilnahme an mindestens drei Seminaren pro Jahr Pflicht. Die Themen legen nahe, dass die Verbindung zur Mutterpartei bei der FNS stärker zu sein scheint als bei den anderen parteinahen Stiftungen. Das mag daran liegen, dass die FNS deutlich kleiner ist als die KAS und die FES. Gefördert werden nur rund 850 Stipendiaten. Ansonsten unterscheidet sie sich recht wenig von den anderen Organisationen.
Joschka Fischer hätte keine Chance
Noch relativ jung ist die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS), die den Grünen nahe steht. Wohl deshalb und weil es hier erst seit kurzem einen Vertrauensdozenten gibt, hat sie beispielsweise in Chemnitz bisher nicht einen einzigen Stipendiaten oder genauer: keine einzige Stipendiatin. Denn darin unterscheidet sich die HBS von den anderen Stiftungen: Sie fördert ganz gezielt Frauen, und zwar besonders in den naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen. Eine große Chance also gerade für eine technische Uni wie in Chemnitz. Ausländische Studierende haben ebenfalls eine größere Chance als bei anderen Stiftungen - vorausgesetzt, sie erfüllen die allgemeinen Richtlinien, die aber ohnehin einheitlich vom Bundesbildungsministerium vorgegeben werden. Das trifft in erster Linien für "Bildungsinländer" zu - Leute, die in Deutschland ihr Abi gemacht haben und deren Eltern hier steuerpflichtig sind. Doch auch deutsche Männer werden gefördert, wenn sie sich zu den Zielen der HBS, nämlich Demokratie, Ökologie, Solidarität und Gewaltfreiheit bekennen. Der Außenminister und Ober-Grüne Joschka Fischer würde also wegen des Kosovo-Krieges vermutlich keine allzu großen Chancen haben.
Nicht nur für Lederhosenträger
Natürlich gibt es auch eine Stiftung, die der CSU verbunden ist, die Hanns-Seidel-Stiftung. Und die fördert nicht nur bayerische Studenten, wie man annehmen könnte. Sie ist allerdings an der Chemnitzer Uni nicht vertreten. Aber nicht nur die großen Parteien haben ihre Stiftungen. Die Gewerkschaften, die Kirchen und die Wirtschaft sind ebenfalls mit von der Partie. Die Hans-Böckler-Stiftung steht dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nahe, der Namensgeber war ihr erster Vorsitzender. Neben der persönlichen und fachlichen Qualifikation verlangen die Gewerkschafter von ihren Stipendiaten, "konkret geleistete gewerkschaftliche Arbeit", nur wenn "am Arbeitsort ... keine Möglichkeit" dazu bestanden hat, reicht auch eine gesellschaftspolitische Tätigkeit aus. Die Hans-Böckler-Stiftung hätte gern mehr Stipendiaten - zumindest wirbt sie mehr und direkter als die anderen Stiftungen für ihre Studienförderung.
Nichts für Atheisten
Bedingungen ganz anderer Art muss man bei den beiden kirchlichen Stiftungen, dem Evangelischen Studienwerk Villigst (an der Chemnitzer Uni bisher nicht vertreten) und der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk erfüllen: Man muss evangelischer beziehungsweise katholischer Christ sein. In Sachsen gehört nur jeder Vierte einer evangelischen Kirche an, nicht einmal jeder 25. ist Katholik. Das mehrt die Chancen für Studenten aus den alten Bundesländern, die hier studieren. Kein Wunder, dass es an der Uni nur einen Cusanus-Stipendiaten gibt, den 29jährigen Physiker Josef Burzler, und der ist gerade mit seiner Doktorarbeit fertig geworden. Aber Vorsicht: Von den Bewerbern verlangt das Cusanuswerk neben der obligatorischen besonderen Begabung und den durchweg üblichen Gutachten zweier Hochschullehrer auch noch ein Gutachten der jeweiligen Hochschulgemeinde - wer nur getauft ist und sonst mit der Kirche nichts am Hut hat, hat wenig Chancen. Nichtchristen würden sich vermutlich bei den Cusanern auch nicht wohl fühlen. Zum Seminarprogramm gehören nämlich außer den üblichen Ferien- und Auslandsakademien auch noch Exerzitien, und vierzehn Tage schweigend und betend in einem Kloster zu verbringen (so ein Angebot für den März nächsten Jahres), ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Pflicht sind diese Exerzitien jedoch nicht. Burzler etwa hat nie daran teilgenommen. "Am meisten gebracht hat mir der Austausch mit Studenten aus anderen Fachgebieten, der Blick über den Tellerrand", urteilt er. "Dadurch habe ich unzählige wertvolle und interessante Kontakte knüpfen können." Übrigens, hätten Sie das gedacht? Zu den ehemaligen Cusanern zählt nicht nur der als gläubig bekannte Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmayer, sondern auch das enfant terrible der SPD, der zurückgetretene Finanzminister Oskar Lafontaine.
Für Leute mit Mut zum Handeln Bei so vielen Stiftungen kann die deutsche Wirtschaft nicht hintanstehen. Von ihren Bewerbern verlangt das erst 1995 gegründete Studienförderwerk Klaus Murmann (benannt nach einem Ex-Arbeitgeberpräsidenten) neben dem schon Üblichen "Eigeninitiative, unternehmerisches Denken und Mut zum Handeln". Gefördert werden sollen "potentielle Führungskräfte". Wohl auch deshalb lehnt sich das Auswahlverfahren stark an die Assessment Center an, mit denen viele große Firmen ihr Personal rekrutieren. Immerhin die Hälfte der Eingeladenen schafft diese Hürde, wozu sicher auch die Vorauswahl durch den jeweiligen Vertrauens-dozenten beiträgt. Anschließend steht noch ein Intelligenztest an, der aber für die Auswahl selbst keine Rolle spielt. Zur Zeit werden erst 300 Studenten gefördert, doch soll ihre Zahl bis 2002 auf 600 wachsen. Wie die anderen Stiftungen auch, lassen sich die Arbeitgeber ihre Stipendien vom Bundesbildungsministerium finanzieren. Zu den sechs Geförderten aus Chemnitz zählt der Maschinenbauer Marco Klemm (23), der gerade an seiner Diplomarbeit über die Wiederverwertung von Industrieschlämmen sitzt und danach noch promovieren will. Das Stipendium, so ist er sich sicher, wird ihm "was für die Karriere" bringen. Die anderen Mitglieder der Stipendiatengruppe sind allesamt Wiwis, bezo-gen auf die Bundesrepublik liegt ihr Anteil bei etwa 40 Prozent. Mehr Bewerber aus anderen Fächern sind allerdings erwünscht. Trotz der In-dustrienähe der Stiftung seien die Seminare aber ausgewogen, findet Klemm. So komme bei Themen wie Arbeitsrecht, Grundwerte oder Sozialpartnerschaft regelmäßig ein Teil der Referenten auch aus den Gewerkschaften. Daneben führen die Stipendiaten größere Projekte in Eigenregie durch, so in Chemnitz etwa die eingangs erwähnte Absolventen-befragung.
Neben diesen großen Stiftungen gibt es noch eine große Zahl kleinerer, die oft auf ein bestimmtes Fachgebiet oder einen Hochschulort beschränkt sind und manchmal auch nur einen oder zwei Studenten fördern. Rund 20 solcher kleineren Studentenstiftungen werden vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft betreut (Adresse: Barkhovenallee 1, 45239 Essen, Telefon (02 01)84 01-0, oder im Internet unter http://www.stifterverband.de/stiftungen stipendien frame.html ). Wer noch mehr Informationen benötigt, sei auf das Buch "Fördermöglichkeiten für Studierende", herausgegeben vom Deutschen Studentenwerk, Verlag Karl Heinrich Bock, Bad Honnef, verwiesen. |
| Inhalt
|