Die mit den Milliarden jonglieren

Neu in Deutschland: Studienrichtung "Investment Banking"

BILDInvestment Banking wird die Bankenlandschaft verändern. Es ist gut, daß sich die Zusammenarbeit zwischen Universität und Praxis vertieft, so Prof. Dr. Friedrich Thießen (r.), Initiator der neuen Studienrichtung. Hier im Gespräch mit Dr. Martin Kohlhaussen, Vorstandssprecher der Commerzbank AG, und Prof. Dr. Joachim Käschel, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

(HJG) Seit dem 21. Januar gibt es an der TU Chemnitz eine neue und in Deutschland bisher einmalige Studienrichtung: "Investment Banking". Unterstützt wird sie von der Commerzbank, die auch einen Großteil der Dozenten stellt - lauter hochkarätige Manager aus der Zentrale in Frankfurt am Main, darunter der oberste Vermögensstratege der Bank, Dr. Heinz J. Hockmann, und der Chefdevisenhändler, Alfred Schorno. Daneben sind noch der Wirtschaftsmathematiker Prof. Dr. Bernd Luderer und der Spezialist für Bank-betriebslehre, Prof. Dr. Friedrich Thießen, beide von der Chemnitzer Uni, mit von der Partie. Prof. Thießen hat die neue Studienrichtung auch initiiert. Zum Start reisten eigens Dietrich-Kurt Frowein vom Commerzbank-Vorstand und Wilhelm von Carlowitz von der Dresdner Geschäftsleitung an. Ebenfalls dabei: Hans-Peter Neuhaus, Vorstandsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters, die den Chemnitzern kostenlos ihren Finanznachrichtendienst zur Verfügung stellt.

Gute Investmentbanker sind bei den Banken gefragt. Sie verwalten große Vermögen von Versicherungen und Pensionsfonds, handeln mit ausländischen Währungen, fädeln Firmenzusammenschlüsse ein. Auch für die Commerzbank wird dieses Geschäftsfeld in den Zeiten internationaler wirtschaftlicher Verflechtungen immer wichtiger. Daß die Großbank sich ausgerechnet in Chemnitz engagiert, hat mehrere Gründe. Zum einen liegt hier eine der historischen Wurzeln der Bank - sie ging unter anderem aus dem Chemnitzer Bankverein von 1871 hervor. Der war noch in den zwanziger Jahren mit 37 Filialen und fast 1.000 Beschäftigten größte sächsische Regionalbank und rangierte unter den deutschen Regionalbanken immerhin auf Rang fünf. Darüber hinaus hat man in der Frankfurter Zentrale erkannt, welch ein offenes Klima gerade in Chemnitz herrscht. Bereits im Oktober 1995 hatte die Commerzbank hier eine Stiftungs- professur eingerichtet, die sich dem internationalen Finanzmanagement widmet und im Wechsel internationale Kapazitäten einlädt.

"Die besondere Stärke der neuen Studienrichtung liegt im Bezug zur Praxis", erläutert Prof. Thießen. "Das Investment Banking entwickelt sich stürmisch weiter. Eine gute Zusammenarbeit mit den Banken kann dem Fach und der Ausbildung da nur nützen." Die neue Studienrichtung stelle sicher, daß die Chemnitzer Studenten der Betriebswirtschaft die Universität mit topaktuellen und direkt anwendbaren Kenntnissen verlassen.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 27. April 1999