Die Aktualität eines Unzeitgemäßen

1999: Johann Wolfgang von Goethe's 250. Geburtstag

Die Chemnitzer Goethe-Vorträge sind eine Reihe, entstanden aus der Kooperation der Chemnitzer Universität und des Chemnitzer Theaters, die nicht im üblichen Jubiläumsaktivismus verharren möchte, sondern den Blick freigeben will für Themen von weitergreifendem Belang und Interesse, die unsere geschichtliche und somit unsere gesellschaftliche, soziale, kulturelle Existenz wesentlich betreffen. Dabei konnten als Vortragende Wissenschaftler, Schriftsteller, Theaterleute von Rang gewonnen werden: Ekkehart Krippendorff, der namhafte Berliner Politikwissenschaftler, Friedrich Dieckmann, Adolf Dresen, Volker Braun, der "Faust"-Experte Thomas Zabka, der Experte in Sachen Goethe-Rezeption Karl Robert Mandelkow ...

Goethe-Vorträge im Chemnitzer Schauspielhaus (jeweils 19.30 Uhr)

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25. Januar 1999

Prof. Dr. Karl Otto Conrady
(Universität Köln; Präsident des P.E.N.-Zentrums)
"Warum eigentlich noch (Goethe) lesen?"

22. Februar 1999

Prof. Dr. Ekkehart Krippendorff
(Freie Universität Berlin/ John F. Kennedy-Institut)
"Der politische Goethe"

26. April 1999

Friedrich Dieckmann
(freischaffender Autor, Berlin)
"Goethe in der Zeitenwende"

17. Mai 1999

Adolf Dresen
(freischaffender Regisseur, Berlin)
"Überschreitungen - der Faust-Skandal 1968 in Berlin"

28. Juni 1999

Volker Braun
(freischaffender Autor, Berlin)
Goethe: "schöne widersprüchliche Einheit"

27. September 1999

Dr. Thomas Zabka
(FU Berlin/Zentralinstitut für Fachdidaktiken)
"Komik und Zeitkritik in Goethes Faust II"

25. Oktober 1999

Prof. Dr. Karl Robert Mandelkow
(Universität Hamburg)
"Stationen und Wandlungen des Goethebildes und des Goetheverständnisses im 20. Jahrhundert"

22. November 1999

Prof. Dr. Bernd Leistner
(TU Chemnitz - Deutsche Literatur der Neuzeit)
"Goethe im Xenienkampf. Ein deutscher Literaturstreit"


Sie zu dritt unter einem Apfelbaum

von Lothar Trolle

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Uraufführung
am 15. Januar, 20.00 Uhr,
im KAF/Schauspielhaus
Eine Frau findet sich im verlassenen Garten ihrer Mutter, am Ort ihrer Kindheit, wieder. Die Frau ist Schauspielerin und auf der Flucht vor sich selbst. Es ist Herbst, Erntezeit.

Lothar Trolles Monologstück beschreibt einen Moment des Innehaltens mit geschärften Sinnen - einen jener hellseherischen Momente, die Sehnsucht und Kraft zur Veränderung in sich tragen.

Ein heiterer Alptraum unterm Baum der Erkenntnis.

König Lear

Tragödie von William Shakespeare

BILD

Premiere
am 16. Januar, 19.30 Uhr,
im Schauspielhaus

"König Lear" behandelt den Fall von Menschen in einer Umbruchssituation. Aber Shakespeare schrieb keine Chronik, sondern ein visionäres Endspiel. Die Tragödie besteht aus der Verzahnung von zwei ähnlichen Geschichten. Familienkrieg im Hause Lear. Familienkrieg im Hause Gloster.

Der Vater verstößt seine Tochter. Ein Bruder verleumdet den Bruder, verrät den Vater und läßt ihn verstümmeln. Kinder verjagen den Vater. Eine Frau trachtet nach dem Leben ihres Mannes und belohnt den Mörder. Die Schwester vergiftet die Schwester. Der verratene Bruder erschlägt den Verräter.

Aus zwei Übertretungen entwickelt sich ein Amoklauf in den Untergang, der alle in den Wahnsinn treibt. "Die Menschheit frißt sich selbst, wie es die Tiefseeungeheuer tun."


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HTML-Version von Ralph Meyer, 22. Dezember 1998