"Numerus clausus" im Seniorenkolleg

Eine der erfolgreichsten Veranstaltungen feiert ihr fünfjähriges Jubiläum

BILDDer Chemnitzer Regierungspräsident Georg Brüggen freute sich auch über den großen Zuspruch desSeniorenkollegs an der TU

(HJG) Normalerweise geht es an der Chemnitzer Uni eher beschaulich zu: Drangvolle Enge in den Hörsälen, überfüllte Seminarräume sind hier unbekannt - und das ist einer der Gründe, warum die Uni auch bei Weststudenten immer beliebter wird. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Mindestens eine Lehrveranstaltung ist regelmäßig überfüllt: das Seniorenkolleg. Seit dem Wintersemester 1993/94, also seit nunmehr genau fünf Jahren, gibt es diese erfolgreiche Veranstaltung der Uni nun schon.

Klar, daß dies ein Grund zum Feiern ist. Am 20. Oktober 1998 fand deshalb im Uni-Hauptgebäude eine Festveranstaltung mit erlesenen Gästen statt, unter ihnen der Chemnitzer Regierungspräsident Georg Brüggen, der die Festansprache hielt. Umrahmt wurde die Veranstaltung von klassischer Musik, dargeboten von Studentinnen der Philosophischen Fakultät. Danach wurde es spannend: Zahlreiche Senioren erhielten aus der Hand von Kolleg-Leiter Prof. Dr. Roland Schöne ihr Seniorendiplom überreicht. Insgesamt sind es 100, die schon sieben oder mehr Semester dabei sind. Und alle 100 haben bisher kaum eine der interessanten Vorlesungen versäumt, haben bei Wind und Wetter, teilweise von weither, ihren Weg nach Chemnitz gefunden.

Der große Erfolg freilich macht den Organisatoren inzwischen Sorge: Sie können schon seit einigen Semestern kaum neue Interessenten aufnehmen. Auch hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bereits am zweiten Tag der Anmeldefrist mußten in diesem Herbst alle weiteren Bewerber abgewiesen werden - mehr als 350 Menschen passen in den Hörsaal 316 im Uni-Hauptgebäude beim besten Willen nicht hinein. Und auch das neue Hörsaalgebäude an der Reichenhainer Straße wird an der Misere wenig ändern: Dort gibt es zwar einen neuen großen Hörsaal mit 714 Plätzen - doch der liegt zu weit weg, um für die Senioren gut erreichbar zu sein. Einer der Vorteile des Uni-Hauptgebäudes ist es nämlich, daß es verkehrsgünstig direkt neben dem Hauptbahnhof liegt.

Dabei wäre es jedem älteren Menschen zu gönnen, sein Gehirn in den Vorträgen fit zu halten. Auch in diesem Winter ist wieder für jede Menge hochinteressanter Themen gesorgt: Ob es nun um Englisch als Weltsprache geht, um die Erdölvorräte, den Herzinfarkt, die Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus, die Grundlagen des Erbrechts oder ausländische Autoren, die in deutsch schreiben - für jeden ist etwas dabei.

Wie leistungsfähig das Gehirntraining die Senioren hält, kann man daran sehen, daß einige von ihnen sich mittlerweile zu Internet-Experten entwickelt haben: Sie gestalten in Eigenregie den "Chemnitzer Weiterbildungskalender für Ältere" (zu finden unter http://www.tu-chemnitz.de/phil/ebbw/bildung/kalender.htm ) mit einer Zusammenstellung von Weiterbildungsangeboten für ältere Menschen. Gleich zehn regionale Weiterbildungseinrichtungen sind dort vertreten. Bei der Weiterentwicklung "ihres" Kollegs arbeiten die Chemnitzer Senioren zudem mit der Fachhochschule Mittweida und der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main zusammen. An beiden Orten gibt es ähnliche Einrichtungen wie das Seniorenkolleg.

Ohne tatkräftige Unterstützung wäre das alles allerdings nicht zu organisieren. Besonders die Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz, das Chemnitzer Sozialamt und das Institut für Weiterbildung und Organisationsentwicklung IWO e.V. halfen in der Vergangenheit immer wieder, wenn Not am Mann war. Und nicht zuletzt sind es auch die hochkarätigen Referenten aus der TU Chemnitz und von außerhalb, die das Seniorenkolleg zu einem derart durchschlagenden Erfolg werden ließen.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 22. Dezember 1998