Esel, Narren und SymboleFaschingsclub der Uni übernahm Patenschaft über einen Esel im Tierpark Chemnitz
(MSt) Der 1. Akademische Faschingsclub Chemnitz (1. AFCC) hatte sich für den Start in seine 40. Saison etwas tierisch Gutes ausgedacht: Am 11.11. um 11.11 Uhr nämlich haben die Narren des ältesten Faschingsclubs der Stadt im Chemnitzer Tierpark die Patenschaft über ihr Wappentier, den Esel, übernommen. Konkret bedeutet dies: Der Verein sponsert ein Jahr lang das Futter seines Esels, den er auf den Namen "Otto" taufte - getreu der gleichnamigen legendären Faschingsleitfigur. Wie kam es überhaupt zu diesem Vereinssymbol? Es geschah in der Zeit des tiefsten Konservatismus, in der Fasching zu den politischen Provokationen zählte. Der Elferrat der damaligen TH Karl-Marx-Stadt ließ in aller Heimlichkeit an mindestens acht Tagen im Jahr eine kleine "rosarote Sau" raus. Da ergab es sich, daß die Narren nach einem Symbol verlangten, unter dem sie sich, ohne Kompromisse eingehen zu müssen, vereinigen konnten. Doch alle Symbole dieser Welt schienen bereits vergeben: Der Hammer, die Sichel, der Ehrenkranz ... Lange dachten die Stammväter des Mensafaschings nach, bis einer plötzlich schrie: "Heur-I-A! Ich hab' es!". Im Glitzern vorbeirauschender Sternhaufen hatte er ein neues Sternzeichen entdeckt - den Esel! Dieses Grautier wurde fortan das Symbol des 1. AFCC. Am 14. November 1998 lud der 11er-Rat wieder in den ausverkauften "Futtertempel zu Reichenhain". Etwa 1.500 Narren erlebten Seitenhiebe auf Themen, die die Welt erregen: Viagra-Ballettt, feucht-frivole Praktikantinnen-Tests und Verona Feldbusch's Liebesleben strapazierten die Lachmuskeln. Erstmals im Duett waren auch Gudrun Lange und Ecke Bauer zu hören - freilich mit einer Hymne auf den Mensafasching. Zum Saisonabschluß am 30. Januar 1999 wird der 1. AFCC in der Tat zur "letzten Schlacht im Schacht" aufrufen, denn die Mensa auf dem Campus wird voraussichtlich ab Sommer saniert. Wohin es die Uni-Narren dann verschlägt, kann noch nicht einmal der Esel "Otto" sagen. Fans des Uni-Faschingsclubs werden dann natürlich im "Netz der Netze" über alle Vereinsneuigkeiten informiert. Unter
http://www.tu-chemnitz.de/1.AFCC
gibt es aber auch Liedtexte der bekanntesten Chemnitzer Faschingsschlager, eine "Jung und heiß im Gletschereiß"-Bilderstory und vieles mehr. Wer mehr auf "Karneval weltweit" steht, der findet unter
http://www.infotech.tu-chemnitz.de/~hsc/karneval/karneval.html
viele interessante Links.
Der Esel im Vereinssymbol (MSt) Sechs Gründe sprechen für den Esel im Vereinssymbol des 1. AFCC. Erstens: Der Esel trägt eine zeitgemäße liberale Farbe. Das Eselsgrau ist eine echte Farbe der Mitte - irgendwo zwischen rot und grün. Da außerdem alle Theorie grau ist, kann es an einer Uni keine praktischere Farbe geben. Zweitens: Der Esel ist ein Lastentier. Damit verlangt er geradezu nach Altlast, von der sich noch heute so mancher Zeitgenosse liebend gerne befreien will. Drittens: Der Esel blickt nicht durch. Seine treudoofen Augen verbirgt er hinter einer Brille zum Nulltarif, was ihm die notwendige Volkszugehörigkeit verleiht. Viertens: Der Esel ist nicht schlau. Einen Widerspruch zwischen der Eselsdummheit und dem 1. AFCC gibt es nicht, denn bekanntlich ist Dummheit ein häufiger Sonderfall der Intelligenz. Fünftens: Der Esel hat ein großes Maul, das ihm beim Schreien unverhofft zuklappt. Mit heraushängender Zunge steht er in Pose zur stummen Kommentierung vieler Ereignisse in Chemnitz und an der höheren universitären Leeranstalt. Über die Farbe des Mundlappens wird im Sinne der Erneuerung nach jeder Landtagswahl entschieden. Sextens: Der Esel hat einen langen Schwanz. (Anmerkung: Die nächsten zwei Sätze sind der Zensur durch den Herausgeber zum Opfer gefallen...) Und darum will der 1. AFCC auf der blühenden Wiese der sächsisch-frei(staatlich)en Marktwirtschaft statt der lila Milka-Kuh einen grauen Faschings-Esel sehen, der auf den Ruf an all' seine Narren "Seid Ihr zur nächsten Fete bereit!?!" in sattem bayerischen Dialekt antwortet: "I.A.!" |
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