Das Buch wird nicht verschwinden

Neues Institut für Print- und Medientechnik setzt auf die Zukunft der Drucktechnik

(HR) In Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Druckmaschinen und -verfahren hat die Technische Universität Chemnitz eine über 40jährige Tradition. Bis heute sind aus dieser Ausbildung 880 Diplomingenieure, 75 Doktoranden und 18 Professoren hervorgegangen. Jedoch zeigte die Entwicklung der Kommunikations- und Medienindustrie der letzten Jahre deutlich, daß in der Ingenieurausbildung und natürlich auch in Forschung und Entwicklung neue Wege zu gehen sind.

Die Chemnitzer Universität nahm 1996 eine grundlegende Neuausrichtung des Fachgebietes vor. Mit der Berufung von Prof. Dr. Arved Carl Hübler auf die Professur Printmedientechnik am 1. April 1997 wurden die Grundlagen geschaffen, die High-techfelder der zukünftigen Medientechnologie abzudecken. Hierbei liegt der Schwerpunkt zuerst bei neuen Ausgabeverfahren im Digitaldruck sowie deren Integration in den weltweit vernetzten Informationsfluß (Internet-Printing). Mit der offiziellen Eröffnung des "pm-Institut für Print- und Medientechnik" am 1. Juli 1998 wurde die Neuausrichtung des Fachgebietes abgeschlossen.

In Ingenieurausbildung und Forschung arbeitet das Institut eng mit den Disziplinen Maschinenbau, Elektronik und Informationstechnik sowie auch den Geisteswissenschaften zusammen. Zum einen, so Prof. Hübler, arbeitet das Institut an der Weiterentwicklung konventioneller Drucktechnologien, denn das Buch wird nicht verschwinden. Zum anderen werden modernste Konzepte digitaler Druckverfahren, neue Multi-mediaprodukte und geänderte Fertigungsabläufe durch die elektronische Informationsverarbeitung abgedeckt. Dementsprechend wurden in der Forschung Schwerpunkte gesetzt, wie beispielsweise die Entwicklung neuer Ideen für digitale Verfahren bis zur Prototypenreife und vernetzte Druckprozesse. Oder auch im klassischen Maschinenbau, wo sich die Wissenschaftler mit der Verwendung geschäumter Metalle bei der Druckmaschinenkonstruktion beschäftigen. "Hierzu sind wir bereits mit dem Plau-ener Zeitungs- und Spezialdruckmaschinenhersteller MAN-Plamag AG im Gespräch", erklärt Prof. Hübler.

Das Institut bietet die Ausbildung in einem Magister- und zwei Diplomstudiengängen an. Neu geschaffen wurde dabei das interdisziplinäre Studium Mikrotechnik/Mechatronik in der Fachrichtung Print- und Medientechnik. "Die zweite Diplom-Richtung, der Maschinenbau im Hauptfach Maschinen und Verfahren der Druckereitechnik, ist ein zukunftssicherer Klassiker", so Prof. Hübler. Der Magisterstudiengang dagegen verknüpft ein Hauptfach aus dem Bereich der Philosophischen Fakultät mit dem Hauptfach Grafische Technik.

Gleichzeitig wurde ein 2,3 Millionen Mark teures "Digital-Imaging-Labor" (DILab) eingeweiht. Dessen Kernstück ist eine Labordruckmaschine zur Erforschung digitaler Druck- und Bebilderungsprinzipien. Dieses Labor ist weltweit die ein- zige Einrichtung an einer Universität, wo derartige Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden, so daß hier auch internationale Forschungsko-operationen initiiert werden können. Auch für die sächsischen Druckmaschinenhersteller ist das DILab eine wichtige Ergänzung für Entwicklungs- und Forschungsarbeiten. Aber auch den Studenten steht diese Anlage für Praktika- sowie Studien- und Diplomarbeiten zur Verfügung, so daß sie bestens für die technischen Herausforderungen der zukünftigen Print- und Medienindustrie gerüstet sind. Finanziert wurde die Einrichtung mit Mitteln der Europäischen Union und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 22. Oktober 1998