Wissensmanagement als Wettbewerbsvorteil

Wirtschaftswissenschaftler erkunden, wie das Unternehmen der Zukunft aussieht

(HJG) Lee Iacocca muß es wissen: "Management ist nichts anderes als die Kunst, andere Menschen zu motivieren". Denn der Ex-Chrysler-Manager führte sein fast bankrottes Unternehmen vor rund zehn Jahren aus der Krise. Erst das hat die kürzlich geschlossene Ehe des drittgrößten US-Autobauers mit Daimler-Benz ermöglicht. Tatsächlich ist jedes Unternehmen nur so gut wie seine Mitarbeiter. Dies gilt besonders in einer sich rapide wandelnden Geschäftswelt, in der die herkömmlichen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Statt dessen steue rn wir auf eine Gesellschaft zu, in der Informationen und Wissen eine immer größere Rolle spielen werden.

Lebenslanges Lernen ist mehr als ein Schlagwort

Und Wissen hat einen entscheidenden Vorteil: Es nutzt sich nicht ab. Andererseits veraltet es sehr schnell. Um so wichtiger ist es für ein Unternehmen, das Wissen der Mitarbeiter bestmöglich zu nutzen und auch dafür zu sorgen, daß dieses Wissen erwo rben und innerhalb der Firma an andere weitergegeben wird. Denn nur so werden neue Ideen geboren und in neue Produkte umgesetzt. Eine Firma, die in diesem Punkt versagt, wird bald im Wettbewerb nicht mehr mithalten können. Lebenslanges Lernen ist deshalb angesagt, und dieser Begriff ist längst mehr als ein bloßes Schlagwort.

Wie gut geführte Firmen diese Herausforderung meistern, untersuchen zur Zeit die Wissenschaftlerinnen Antje Buschmann und Katja Meinicke von der Chemnitzer Professur Personal und Führung unter Leitung von Prof. Dr. Peter Pawlowsky und Dr. Rüdiger Reinh ardt. Die beiden Diplom-Kauffrauen konzentrieren sich dabei auf solche Unternehmen, die das Lernen auf allen Ebenen in den Mittelpunkt ihrer Personalförderung stellen. Dazu werden in einer ersten Stufe bei dem Haushaltsgerätehersteller Bosch-Siemens, dem Gentechnik-Unternehmen AgrEvo, der für Entwicklungshilfe zuständigen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und der deutschen Niederlassung des japanischen Elektronikkonzerns Sony umfangreiche Interviews mit dem jeweiligen Personalleiter, mit Führungs kräften und "normalen" Mitarbeitern geführt.

Diese Gespräche dienen dann dazu, detaillierte Fragebögen auszuarbeiten, die an etwa 20 weitere Unternehmen verschickt werden. Man will so herausfinden, wie Informationen in einer Firma gesammelt, verteilt und ausgetauscht werden und wie das so neugewonnene Wissen in Produkte oder auch in ein geändertes Verhalten umgesetzt wird. Außerdem soll erkundet werden, wie die Firmen die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter langfristig planen, welche Mittel sie dabe i anwenden und welche Probleme sie dabei bewältigen müssen.

Erfahren möchte man auch, wie Personalchefs und Führungskräfte neue Gedanken in die tägliche Arbeit einbringen. Letzten Endes geht es um die Frage, wie eine Firma aussehen muß, die auch in Zukunft noch erfolgreich ist.

Was macht Firmen erfolgreich?

Das auf zwei Jahre angelegte Projekt ist Teil einer europaweiten Untersuchung unter Führung der Universität im niederländischen Twente und wird von der Europäischen Union (EU) finanziert. Es gehört zu einem Programm, das besonders die zielgerichtete Forsc hung auf dem Überschneidungsgebiet von Gesellschaft und Wirtschaft fördert. Außer der TU Chemnitz sind daran noch Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und Finnland beteiligt. Gemeinsam will man herausfinden, wie sich die einzelnen europäischen Staaten in ihrer Personalführung unterscheiden und worin sie sich gleichen. Ebenso interessieren die Unterschiede zu den USA oder Japan. Am Ende der Untersuchung wird dann ein Handbuch stehen, das Anl eitungen für die Praxis gibt und so auch anderen Firmen den Weg zum Erfolg ebnen soll.


| Inhalt |

Impressum


HTML-Version von Ralph Meyer, 25. Juni 1998