Lehren und Lernen an der Universität des 21. JahrhundertsErfahrungsaustausch von Hochschulexperten aus neun europäischen LändernZur Tagung "Lehren und Lernen an der Universität des 21. Jahrhunderts", die vom 1. bis 3. Dezember 1997 an der TU Chemnitz stattfand, kamen Hochschullehrer aus den Fakultäten Maschinenbau, Wirtschafts-, Natur- und Geisteswissenschaften von Universitäten aus neun europäischen Ländern. Schwerpunkte der Vorträge und Diskussionsrunden waren die Entwicklung der Hochschullandschaft in den 90iger Jahren, der Weg nach Europa, die Qualität in Lehre und Forschung sowie das Bild der Universität im 21. Jahrhundert.Es zeigte sich für West- wie Osteuropäer, daß die Autonomie der Universitäten von entscheidender Bedeutung ist. Universitäten leisten ihr Pensum in Lehre und Forschung auf qualitativ hohem Niveau. Sie brauchen Unterstützung - auch und gerade in finanzieller Hinsicht - , sie sind aber durchaus in der Lage, das Unternehmen "Universität" selbst zu managen. Zwischen Kreativität und Restriktion Viel Kreativität und Elan auf der einen Seite, viel Restriktion und Rückgang auf der anderen Seite: Kollegen aus Rußland und der Slowakai sprachen von einem Ausverkauf der Wissenschaft (Abwanderung ins Ausland, in besser bezahlte Tätigkeiten) und von einer enormen Zunahme an Bildungseinrichtungen im Land (Neugründung in privater und staatlicher Form). Auch in der Schweiz gibt es u.a. auf Grund regionaler Vielfalt manche Stagnationserscheinung, vielerorts fehlt es an der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Bemühungen um die Demokratisierung des universitären Alltags waren bei allen Diskussionsbeiträgen der Kollegen aus Mittel- und Osteuropa deutlich spürbar. In Westeuropa müht man sich eher mit starren Strukturen, Verkrustungen und geringer Flexibilität. Für die Kollegen der Technischen Universität Chemnitz war es interessant zu sehen, daß manche ihrer Partner schon weiter in der "Entwicklung" sind, was zum Beispiel die Einflußmöglichkeiten des Staates betrifft, manche aber auch dem "Markt" so ausgesetzt sind, daß sie dauernd ums Überleben kämpfen müssen. Das Ideal einer Basissicherheit mit Leistungsanreizen erschien allen Beteiligten sehr erstrebens- wert. Das gemeinsame Haus Einig war man sich auch in puncto Qualität des Lehrens und Lernens. Hier standen Fragen der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen - ein wesentliches Kriterium auf dem Weg zu einem gemeinsamen Haus Europa - im Vordergrund, was nicht der Vereinheitlichung das Wort redet, also neben Master- und Bachelor-Abschlüssen auch das Diplom und andere Grade als gleichwertig betrachtet. Einig war man sich auch im Hinblick auf die Einheit von Forschung und Lehre, von solider Grund- und breit gefächerter Spezialbildung. Die Notwendigkeit der Verbindung von technischen und humanistischen Fächern (in Polen nehmen die humanistischen Fächer gut zehn Prozent der Gesamtausbildung in den technischen Disziplinen ein) sowie der Notwendigkeit der Vermittlung von Methodenwissen wurde von allen Teilnehmern unterstrichen. Ein sehr strittiger Punkt war - neben den immer wieder diskutierten finanziellen Aspekten - auch die Evaluierung (Form, Ausmaß, Nutzen) von Lehre und Forschung und die Möglichkeiten des Universitätsmanagements, der Vermarktung des Produktes "Wissen" durch das Dienstleistungsunternehmen Universität. Die transparente Universität Insgesamt kann festgehalten werden: Das Bild der Universität des 21. Jahrhunderts sollte transparent bezogen auf Lehrinhalte und Abschlüsse, mannigfaltig bezogen auf Lehrformen (moderne Informations- und Kommunikationsformen) sein und Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten im Sinne des lebenslangen Lernens bieten. Die Universität von morgen sollte in gleichem Maße berufsqualifizierende Bildung wie reine Forschung ermöglichen, kann aber auch für den einen oder anderen Studenten eben nur "Erlebnisraum Universität" sein. Bei allen Bemühungen um Vereinheitlichung sollte jede Universität ihr eigenes Gesicht ausprägen, denn die Vielfalt universitärer Aus- und Fortbildung- auch in seiner kulturellen und sprachlichen Mannigfaltigkeit - ergibt erst das Bild der europäischen Bildungslandschaft des kommenden Jahrhunderts. Dr. Sabine Fiß |
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