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Warum immer mehr Wessies in Chemnitz studieren - Thomas Lampke ist seit 1995 an der Uni

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Weststudent Thomas Lampke am Rasterelektonenmikroskop der Professur Verbundwerkstoffe. Seine Entscheidung für Chemnitz hat er noch nie bereut.

(HJG) Auch im Westen Deutschlands spricht es sich langsam herum, daß in Chemnitz eine High-Tech-Uni steht, die keinen Vergleich zu scheuen braucht. Kein Wunder, daß immer mehr West-Studenten hier studieren. Sie haben gemerkt, daß man hier auf der Höhe der Zeit ausgebildet und zudem optimal betreut wird. Einer davon: der 29jährige Thomas Lampke aus dem niedersächsischen Brake. Im vergangenen Jahr schloß er hier sein Diplom über naturfaserverstärkte Verbundwerkstoffe mit Auszeichnung ab, bekam dafür sogar einen der begehrten VDI-Studentenpreise. Seitdem arbeitet er bei Prof. Dr. Bernhard Wielage an seiner Promotion. TU-Spektrum sprach mit dem jungen Wissenschaftler.

Chemnitz gilt vielerorts als grau und langweilig. Trotzdem hat es Dich zum Studium hierher gezogen. Warum?

Thomas Lampke: Ich hatte bereits ein Maschinenbau-Studium abgeschlossen, an der Hochschule Bremen. Danach wollte ich mich gern weiter qualifizieren. Aber mir grauste vor dem Hochschulchaos im Westen, vor den überfüllten Hörsälen und Seminaren, vor der Anonymität dort. Dann habe ich zufällig im Fernsehen eine Sendung über Ost-Unis gesehen. Von niedrigen Studentenzahlen war da die Rede, von guter Betreuung. Ich dachte mir: Versuchs doch mal dort, vielleicht stimmt das ja alles. Und Chemnitz kam in Frage, weil hier Werkstoffwissenschaften angeboten werden.

Und wie ging's dann weiter?

Thomas Lampke: Ich hab' dann bei der Studienberatung angerufen. Von dort bekam ich sehr schnell eine Kontaktadresse im Maschinenbau. Als ich dort anrief, war ich zunächst einmal baff: Ich wurde direkt zum Dekan durchgestellt, und dann zu Prof. Wielage. Beide hatten Zeit für mich, ließen mich reden. Sowas macht natürlich einen ungeheuer positiven Eindruck. Da merkt man gleich, daß man ernst genommen wird; die Entscheidung für Chemnitz fiel mir da leicht. Völlig von den Socken war ich aber, als ich hier sofort ein Zimmer in einem Wohnheim bekam - ohne Wartefrist.

Das war ja alles noch am Telefon. Dann bist Du nach Chemnitz gefahren, um Dich vorab schon mal umzusehen. Wie war das, als Du das erste Mal hierher kamst?

Thomas Lampke: Naja, der erste Eindruck, der war schon irgendwie bedrückend. Die vielen unbewohnten Häuser, alles sah trist aus. Ich bin dann in die Scheffelstraße gefahren, und das Unigebäude dort war wirklich das letzte, einfach katastrophal. Aber der Prof hatte anderthalb Stunden Zeit für mich. Ich glaube, solange habe ich insgesamt im Erststudium nicht mit einem Professor gespro- chen - in fast acht Semestern. Und alle waren unglaublich freundlich und hilfsbereit. Den Ausschlag für Chemnitz gab dann die Ausstattung, die konnte sich wirklich sehen las- sen, und ganz besonders natürlich auch die Aussicht, schneller fertig zu werden als anderswo. Die "Welt" hat mal über die Chemnitzer Uni geschrieben: "Silicon Valley im Plattenbau". Ich glaube, genau das ist es - hier steckt man das Geld lieber in die Ausrüstung und nicht in repräsentative Gebäude wie anderswo. Noch am gleichen Tag habe ich mich für den Oktober 1995 eingeschrieben. Mir ist es einfach wichtig, wenn eine Uni nicht so überlaufen ist. Hier wurde ich wirklich intensiv betreut und konnte jederzeit mit meinen Fragen direkt zum Professor gehen. In Chemnitz weiß man eben noch, was Lehre bedeutet. Und auch die Forschung kommt nicht zu kurz, im Gegenteil: Noch während des Studiums wurde ich in anspruchsvolle Vorhaben eingespannt.

Ein anderes Thema: Wie kommst Du mit den Menschen hier zurecht?

Thomas Lampke: Natürlich hatte ich anfangs Schwierigkeiten mit dem sächsischen Dialekt. Vom Gegensatz Ossi/Wessi habe ich wenig gespürt, jedenfalls habe ich nie Spannungen erlebt. Bei den Mitstudenten fiel mir auf, daß sie zum Teil sehr jung waren, hier in Sachsen macht man ja schon nach zwölf Jahren sein Abi. Kontakte zu knüpfen, fiel mir auch deshalb nicht schwer, weil ich in der Neuapostolischen Kirche bin. Dort habe ich von Anfang an aktiv am Gemeindeleben teilgenommen. Auch die Umgebung hier, das Erzgebirge, ist sehr schön, und bis Prag ist es auch nur ein Katzensprung. Deswegen und auch wegen meiner Freundin Regina kommt Langeweile erst gar nicht auf. Also, ich kann nur jedem empfehlen, sich hier mal selbst umzusehen, an der Universität und in der Stadt - das wird ihn dann schon von selbst über- zeugen


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HTML-Version von Ralph Meyer, 25. März 1998