Was man aus alten Reifen noch machen kannChemnitzer Wissenschaftler entwickeln neues Recyclingverfahren für Gummi(HJG) Die Maya in Mittelamerika hatten es noch einfach. Zwar stellten sie bereits gegen Nässe imprägnierte Schuhe und Mäntel her - aus Latex, dem Saft des Gummibaums. Und ihre Nachbarn, die Azteken, spielten sogar schon mit Gummibällen. Aber damals war der Gummi noch nicht haltbar, wurde rasch brüchig, verrottete mit der Zeit. Das änderte sich erst, als man im vergangenen Jahrhundert lernte, den Gummi zu vulkanisieren. Dabei werden die langen Kettenmoleküle des Rohkautschuks miteinander vernetzt. Erst jetzt war es möglich, so elastische, haltbare und nützliche Dinge wie Autoreifen oder Kondome herzustellen.Doch damit begannen auch die Probleme. Einmal vernetzter Kautschuk nämlich läßt sich nicht wieder durch Zufuhr von Wärme formbar machen und deshalb nicht mehr zu neuen Produkten verarbeiten - Reifen wie Kondome lassen sich nur einmal verwenden. Allein in Deutschland fallen deshalb Jahr für Jahr rund 600.000 Tonnen Altreifen an, dazu kommen noch einmal 420.000 Tonnen sonstige Gummiabfälle. Und die landeten in der Vergangenheit oft genug auf der nächsten Deponie oder wurden einfach verbrannt. Das freilich gefällt der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr, und so sucht man seit langem nach Möglichkeiten der Wiederverwertung. Bisher mußte man sich damit zufriedengeben, den Gummi zu zerkleinern und dann das entstandene Gummimehl als Füllstoff anderen Materialien, etwa beim Straßenbau, unterzumischen. Jetzt haben Kunststofftechniker der Chemnitzer Uni um Prof. Dr. Günter Mennig und Dr. Hannes Michael ein neues Verfahren entwickelt, um aus Gummiabfällen wieder einen brauchbaren Kunststoff, ein sogenanntes thermoplastisches Elastomer (TPE), zu machen. Die Chemnitzer Wissenschaftler wurden dafür kürzlich mit dem "Silbernen Umwelttaler" der Stadtwerke Chemnitz und der Chemnitzer Freien Presse ausgezeichnet. Im März 1998 stellten die Forscher ihr Verfahren auf der Umweltmesse ENVITEC in Düsseldorf mit großem Erfolg vor. Die Idee der Chemnitzer Forscher bestand darin, das Gummimehl mit einem Netzmittel oberflächlich so zu aktivieren, daß es sich mit einem zugesetzten Kunststoff, einem Polypropylen, wieder verbinden kann. Gerade diese Eigenschaft geht nämlich bei einer Vulkanisation verloren. Das sogenannte "Schmelzemischen mit dynamischer Stabilisation" führt zu einem völlig neuen Werkstoff. Er läßt sich immer wieder aufschmelzen und wiederverwenden, gehört also zu den Thermoplasten. Besonders überrascht waren die Wissenschaftler über die hohe Zugfestigkeit und das gute Dehnungsverhalten des neuen Materials: Es läßt sich um mehr als das Doppelte in die Länge ziehen, bevor es reißt - normalerweise ist dies schon bei einer Dehnung von mehr als 40 Prozent der Fall. Zudem lassen sich diese Werte durch Zuschlagstoffe, je nach Einsatzgebiet, in einem weiten Bereich variieren. Der neuartige Kunststoff aus Altreifen läßt sich spritzgießen. |
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