Deutscher Zukunftspreis sorgt für freudige Gesichter

Mikrospiegel für Laser-TV der Zukunft stammt aus dem Chemnitzer Zentrum für Mikrotechnologien

BILD

Christhard Deter, Geschäftsführer der Geraer Firma Laser-Dispay-Technologie (LDT), erhielt aus den Händen des Bundespräsidenten Roman Herzog den Zukunftspreis 1997

(HJG) Er soll mal so etwas wie ein deutscher Nobelpreis werden, der "Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation". Und weil so ein Name viel zu sperrig ist, haben findige Journalisten ihn flugs "Deutscher Zukunftspreis" genannt.

Vordenker des Laser-TV

Am 28. November 1997 wurde der mit 500.000 Mark dotierte Preis in Berlin erstmals verliehen: an Christhard Deter, Chef der Geraer Firma Laser-Display-Technologie (LDT) und Vordenker des Laserfernsehens. Es kommt ohne Bildschirm aus, die Bilder sind gestochen scharf und lassen sich in nahezu beliebiger Größe an die Wand projizieren. Die LDT arbeitet dabei mit mehr als 20 Hochschulen und Instituten zusammen. Und ein Teil vom Ruhm des Preises fällt dabei auch für die Chemnitzer Uni ab: Dort nämlich wird eine der wichtigsten Komponenten des Laser-TVs für den Fernsehzuschauer von morgen entwickelt, ein Mikrospiegel aus Silizium.

Vollbluterfinder ohne Titel

Vorgeschlagen werden die Preisträger von einer Reihe renommierter Wissenschaftsorganisationen, darunter der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Aus allen Vorschlägen wählt eine hochkarätige Jury - darunter Prof. Klaus von Klitzing, Physik-Nobelpreisträger des Jahres 1985 - insgesamt fünf Kandidaten für den Zukunfspreis aus. Neben Deter zählte ein weiterer "Ossie", Prof. Michael Strauss vom Berliner Max-Delbrück-Zentrum, dazu. Erst am Freitag vor der Verleihung einigte sich die Jury endgültig auf den Preisträger. Bundespräsident Roman Herzog bekam auch erst während der Verleihung, ganz wie beim Oscar in Hollywood, den Namen in einem verschlossenen Umschlag überreicht. Das besondere an Deter: als einziger der fünf nominierten Preisträger führt er weder einen Doktor- noch einen Professorentitel im Namen -Vollbluterfinder in der Tradition eines Siemens, Bosch, Zeiss oder von Ardenne brauchen so etwas nicht.

Wohnzimmer wird zum Kino

Und wie funktioniert das Laserfernsehen nun genau? Es besteht im wesentlichen aus einer Laser-Modulationseinheit und einer Ablenk- einheit. Das Bild selbst setzt sich, wie auch bei normalen Fernseh- geräten und Papierfotos, aus den Farben rot, grün und blau zusam-men. Durch Mischung dieser Grundfarben lassen sich alle Farben des Regenbogens darstellen. Die Modulationseinheit wandelt zunächst das ankommende Bildsignal in ein Farbsignal um und steuert außerdem die Intensität der einzelnen Farben. Daneben enthält sie auch noch einen Bildspeicher. Sodann werden die Farben über Lichtwellenleiter zur Ablenkeinheit weitergeleitet. Sie besteht aus einem Spiegel und einer Steuerelektronik. Der Spiegel wirft das zugeführte Licht dann wie bei einem Kinofilm, nur in besserer Qualität, an die Wand. Einziges Problem: Derzeit auf dem Markt erhältliche Scannersysteme sind sehr teuer.

Neuer Scanner aus Chemnitz

Preiswertere Spiegel haben nun Wissenschaftler um Prof. Dr. Thomas Geßner und Prof. Dr. Wolfram Dötzel vom Chemnitzer Sonderforschungsbereich "Mikromechanische Sensor- und Aktorarrays" entwickelt. Das "Scannerarray", so das Fachwort, besteht aus zahlreichen jeweils drei mal drei Millimeter großen, mit Metall bedampften Spiegeln aus Silizium, die quadratisch angeordnet sind. Diese Mikrospiegel sind an zwei Stellen beweglich gelagert und können durch das Anlegen einer Spannung ausgelenkt werden. Dabei ist jeder Spiegel einzeln ansteuerbar. Mit dem Array haben die Chemnitzer Wissenschaftler weltweit die Nase vorn. Marktreif ist das Laserfernsehen freilich erst, wenn es gelingt, die Spiegel noch weiter zu ver- kleinern. Hieran arbeiten die Chemnitzer Forscher zur Zeit mit Hochdruck.

Revolution des Laserlichts

Das Scannerarray läßt sich aber auch noch anders einsetzen, etwa als Hohlspiegel mit verstellbarer Brennweite. Auf diese Weise ließe sich ein optisches Radargerät verwirklichen. Auch an eine Materialbearbeitung mit Laserlicht ist gedacht. Da sich das Laserlicht in verschiedenen Ebenen bündeln läßt, wäre dies sogar dreidimensional möglich.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 25. März 1998