Andreas Ittner bei seinem Vortrag auf der Internationalen Konferenz im Maschinellen Lernen
Die Nummer "13" erwies sich für den Chemnitzer Promotionsstudent Andreas Ittner als absolute Glückszahl. Auf eben jener Internationalen Konferenz im Maschinellen Lernen, (ICML) die im Juli in der italienischen Hafenstadt Bari abgehalten wurde, konnte der 25jährige Altenburger die Ergebnisse seiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit vorstellen. Ittner, der der TU-Professur Künstliche Intelligenz angehört, war nicht nur einer von über 200 Teilnehmern aus aller Welt - hauptsächlich aber aus den USA und Westeuropa -, sondern ein vortragender ICML-Gast.
Immerhin wurden bei dem größten jährlichen Forum der das menschliche Lernen auf dem Computer nachbildenden Wissenschaftler nur 63 von insgesamt 257 eingereichten Beiträgen in den Konferenzablauf aufgenommen. Damit befand sich der junge Chemnitzer Doktorand in prominenter Gesellschaft - zum Beispiel mit Absolventen der kalifornischen Eliteuniversität in Stanford.
Andreas Ittner, dessen gemeinsamer Artikel mit Michael Schlosser zu dem einen Viertel der vom Programmkomitee ausgewählten gehörte, konnte 25 Minuten zum Thema "Nichtlineare Entscheidungsbäume" vortragen. Anschließend diskutierten die 60 Interessenten mit ihm über den Inhalt der Präsentation.
"Etwas Lampenfieber hatte ich schon, vor so einer Zuhörerschaft zu sprechen. Jedoch die Nervosität war während des Vortrages schnell verflogen", sagte der junge Wissenschaftler über diese Bewährungsprobe. "Sowohl die anschließende Diskussion als auch das persönliche Gespräch mit den ICML-Teilnehmern brachten den einen oder anderen Hinweis für weitere Untersuchungen zu meinem Forschungsgebiet", fügte Ittner hinzu. Inzwischen sind auch dank eines weiteren Vortrages in den USA neue Kontakte entstanden.
Bis zu dieser wichtigen Zwischenstation in Bari verlief der akademische Weg des Promotionsstudenten hauptsächlich an der Chemnitzer Universität. Er wechselte nach dem Vordiplom von der damaligen Technischen Hochschule in Leipzig an die TU Chemnitz-Zwickau. Hier fühlte sich Ittner mit seinen studentischen Arbeiten in der Künstlichen Intelligenz (KI) und speziell im Maschinellen Lernen heimisch. Im Mai 1995 verteidigte er seine Diplomarbeit, die als bester wissenschaftlicher Beitrag des Studienjahres in der Fakultät für Informatik ausgezeichnet wurde. Seit Beginn seines Forschungsstudiums im darauffolgenden Sommer ist Andreas Ittner eine feste Größe in der Forschungslandschaft der Professur Künstliche Intelligenz.
Dipl.-Inf. Jens Zeidler
Fakultät für Informatik
Mit Fliege und Ballkleid ab ins Berufsleben
Stimmungsbarometer: Wie fanden Sie das Studium in Chemnitz? Die meisten der Wiwi-Absolventen
halten den Daumen nach oben. Auch der Studiendekan Prof. Dr. Ludwig Gramlich (5.v.l.)
(MSt) Auch in diesem Jahr waren es nur die Wirtschaftswissenschaftler, die ihre Absolventen feierlich mit einem Ball ins Berufsleben verabschiedeten. Die Organisatoren des Balls hatten eine glückliche Hand: Von allen Beteiligten hörte man nur Lob über die würdige Form der Verabschiedung der "Wiwis" im Kreise ihrer Freunde und Familien. Zurückblickend auf ihr Studium bestätigten viele Absolventen den guten Ruf der Ausbildung, nur die Benotung sei recht streng gewesen. Den Standort Chemnitz wollen jedenfalls viele weiterempfehlen. Schade, daß sich nur zwei Wiwi-Professoren im Garten des Hotels "Rabenstein" eingefunden hatten.
Wo Hopfen und Malz nicht verloren gingen
Thomas Bär bearbeitete zur vollen Zufriedenheit der Freiberger Brauhaus AG sein Diplomarbeitsthema
(MSt) Wer kann sich nicht an seinen letzten Umzug erinnern: Hunderte Beutel und Kisten mußten gepackt, Transporte koordiniert und viele Helfer bestellt werden. Und irgend etwas geht dabei meistens schief.
Wenn aber eine ganze Brauerei umzieht, kann man sich nicht auf den Zufall verlassen. Das wußte auch Dr. Michael Eßlinger, Vorstandssprecher der Freiberger Brauhaus AG. Im Mai 1995 holte er sich für die Planung des Umzuges seiner Brauerei den Chemnitzer Studenten Thomas Bär ins Haus. Und der gebürtige Plauener enttäuschte ihn nicht. Für seine Spitzen-Diplomarbeit erhielt Thomas Bär das Prädikat "sehr gut".
Doch wie kam es eigentlich zu diesem "feuchtfröhlichen" Thema für einen Studenten der Betriebswirtschaftslehre? Der 27jährige hatte 1995 sein Studium an der TU Chemnitz-Zwickau fast geschafft. Nur noch die Diplomarbeit mußte geschrieben werden. Das Thema seiner Arbeit sollte im Bereich Logistik angesiedelt sein. Da es Thomas Bär praxisnah umsetzen wollte, suchte er ein Unternehmen als Partner. Zahlreiche Bewerbungsschreiben steckte er in den Briefkasten, darunter zehn Briefe an Brauereien in Sachsen. Brauereien deshalb, weil Thomas Bär 1991 bis 1993 jeweils in den Semesterferien bei der Sternquell Brauerei GmbH Plauen arbeitete und auch deren logistische Probleme kannte. Es war aber nicht die Brauerei aus der Heimat sondern die Freiberger Brauhaus AG, die dem jungen Mann antwortete und ihn sogar beauftragte, den Brauerei-Umzug zu planen. Thomas Bär nahm diese Herausforderung an. Gemeinsam mit Fachleuten der Freiberger Brauerei und seinem Betreuer Prof. Dr. Joachim Käschel von der Chemnitzer Universität wurden die Schwerpunkte des Einsatzes festgelegt - nämlich die "Sicherung der Lieferbereitschaft der Freiberger Brauhaus AG während der Umsetzung der Abfüllanlage unter mengen- und kostenoptimalen Gesichtspunkten".
Dann kniete sich Thomas Bär in die Aufgabe, analysierte den Ist- und Sollzustand und entwarf die Umzugsplanung bis hin zu ihrem terminlichen Ablauf. Die ganze Thematik ging nicht nur auf dem Papier vonstatten: Im November 1995 zog die Brauerei ins Industriegebiet Freiberg Nord-West um. Hautnah erlebte der Student mit, wie seine Pläne sowohl in der alten als auch der neuen Braustätte Gestalt annahmen. Das neue Freiberger Brauhaus - übrigens einhundertprozentige Tochter der Eichbaum Brauereien AG Mannheim - gilt als eines der modernsten in Europa. Täglich werden 200.000 Liter Bier abgefüllt. Das entspricht 20.000 Kästen "Freiberger Pils".
Wenn Dr. Eßlinger heute zurückblickt, ist er begeistert: "Thomas Bär's Ideen gingen auf. Der Umzug verlief reibungslos, es kam an keinem Tag zu Engpässen in der Bierversorgung. Wir hatten auf Halde produziert. Nur 2.000 Kästen waren nach dem Umzug übriggeblieben. Das nenne ich gut geplant." Prof. Käschel blieb deshalb nichts weiter übrig, als die 120 Seiten starke Diplomarbeit mit "sehr gut" zu bewerten.
Beruflich schwenkte Thomas Bär unterdessen vom Bier zum Mineralwasser um. Seit Dezember 1995 ist er als kaufmännischer Angestellter in der Bad Brambacher Mineralquellen GmbH & Co. KG tätig.
In die Bergstadt Freiberg zieht es ihn auch künftig - und das nicht nur in die Brauhaus AG. Auch seine Freundin Jana, die er während seines Studiums in Chemnitz kennengelernt hat, stammt aus Freiberg. Und gemeinsam gönnen sie sich in der Freizeit oft ein kühles Blondes - dann aber neben dem Freiberger Gerstensaft auch mal ein "Plauener Sternquell" aus der Heimat von Thomas Bär.