Chemnitzer Uninetz: 61.000 Surfer täglich

Campus-Infosystem erfreut sich zunehmender Nachfrage

BILD

Gleich drei deutsche Rekorde hält die Chemnitzer Uni: Erstes Internet-Studium, die ersten Doktorarbeiten im Internet, die erste Uni in den neuen Bundesländern mit Anschluß der Wohnheime an's Internet. Hier die Homepage, über die täglich zehntausende Netzsurfer aus aller Welt die TU erreichen.

(HJG) Die Mitarbeiter des Rechenzentrums der TU Chemnitz-Zwickau rieben sich verwundert die Augen über das Interesse, das ihre Uni im Internet findet: Nicht weniger als einundsechzigtausendmal pro Tag klinkten sich allein im März 1996 andere Rechner in das Campus-Informationsnetz ein, darunter aus so exotischen Ländern wie Fiji, Panama und Trinidad. Aus mehr als 90 Nationen stammten die "Netzsurfer", die sich eine der Info-Seiten ansehen wollten. Aber das Uni-Rechenzentrum hat noch mehr zu bieten: Nur an der Chemnitzer Uni als erster und bisher einziger deutscher Hochschule kann man seit 1995 ein vollwertiges Fernstudium über das Internet absolvieren. 58 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet nehmen an dem Aufbaustudiengang "Informations- und Kommunikationssysteme" teil. Nach einer Einführungsveranstaltung in Chemnitz läuft alles weitere - die Betreuung, das Lösen von Aufgaben, die Anfragen - über den Computer. Jede Menge Fragen zum Internet-Studium mußten die Chemnitzer auch auf der CeBIT in Hannover beantworten, nachdem kurz zuvor sogar der "Spiegel" und "Focus" darüber berichtet hatten. Seitdem kommen laufend neue Anfragen. Fast 1.200 Interessierte - zwanzigmal mehr, als aufgenommen werden können - erkundigten sich schon nach dem nächsten Kurs.

Etwa 500.000 Mark läßt sich der Freistaat Sachsen den - ohnehin nötigen - Internet-Zugang der Hochschule pro Jahr kosten. Mehr als 30.000 Dokumente aus allen 43 Chemnitzer Studiengängen sind im Info-System der Uni vorhanden. Per Mausklick findet man Vorlesungsmitschriften, Forschungsberichte und Infos über Chemnitz. Sogar die Zeitschrift, die Sie gerade in der Hand halten, läßt sich über die Adresse http://www.tu-chemnitz.de/spektrum/

index.html auf den Bildschirm holen. Auch jeder der Anschlußpartner in der Uni kann seine eigenen Seiten eingeben - die Studenten lernen so vom ersten Semester an den aktiven Umgang mit diesem neuen Medium.

Dabei hatte es Anfang 1990 noch bescheiden mit dem Versand von elektronischer Post begonnen. Doch seit die Uni 1991 an das Deutsche Forschungsnetz (DFN) angeschlossen wurde, ging es steil aufwärts. Mittlerweile zählen die Chemnitzer mit ihrem Infosystem zur deutschen Spitzengruppe. Von den meisten Computerarbeitsplätzen aus ist es möglich, das Netz abzufragen. Und nicht nur das: Die sieben ersten Chemnitzer Studentenwohnheime sind ans Internet angeschlossen.

Etwa jeder zehnte Student nutzt den Dienst - praktisch kostenfrei. Lediglich eine Verwaltungsgebühr von fünf Mark pro Semester muß er dafür zahlen.

Selbstverständlich haben auch die Chemnitzer Studenten Zugang zu anderen Anbietern im Netz. Da ist es ein Leichtes, für seine Diplomarbeit mal eben eine weltweite Literaturrecherche zu machen oder fremde Software-Archive jenseits des Atlantiks zu durchforschen oder die NetNews anzusehen.

Natürlich muß das Campus-Informationssystem auch organisiert werden. Hierzu betreibt das Chemnitzer Uni-Rechenzentrum zentrale Rechner, sogenannte Server, in denen die Infos von der und über die TU gespeichert sind. Und damit ein Nutzer unter der Fülle von Informationen auch diejenigen findet, die er sucht, betreibt die Uni im Auftrag des DFN zentral für Deutschland eine Art Internet-Telefonbuch, den sogenannten X.500 Directory Service. Weltweit sind dort über eine Million Einträge enthalten. Weitere Informationen zum Chemnitzer Campus-Informationssystem erteilt Frank Richter, Tel. 03 71/ 5 31-13 61.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 27. Juni 1996