Nachwuchs für die Chemnitzer Uni-Bibliothek

3.300 Bücher des Göttinger Historikers Alfred Heuß in Buchbestand übernommen

BILD Prof. Dr. Hartwin Brandt (l.) und Dr. Hans-Joachim Hermes, Direktor der Universitätsbibliothek, sichten die neuen Bände, die z. Zt. für die Benutzung erschlossen werden

(MSt) Der Buchbestand der Chemnitzer Universitätsbibliothek wurde Anfang März 1996 um 3.300 neue Bände erweitert. Hintergrund: Die Bibliothek des Göttinger Historikers und Gelehrten Alfred Heuß wechselte den Besitzer. Nun verfügt die TU Chemnitz-Zwickau über einen soliden Grundbestand an klassischer Literatur, versichert Prof. Dr. Hartwin Brandt.

Der Professor für Alte Geschichte freut sich über 1.000 Bände griechischer und lateinischer Dichtung, Rhetorik, Philosophie und Geschichtsschreibung. Auch die wichtigsten Werke der Kirchenväter stehen nun in der Chemnitzer Unibibliothek. Ebenso ein Fundus zur gesamten griechischen und römischen Geschichte: Alle Teildisziplinen der Althistorie seien "prominent" in der Heuß-Bibliothek vertreten. Für Prof. Brandt gehört der am 7. Februar 1995 verstorbene Alfred Heuß zu den "großen Köpfen in den Humanwissenschaften dieses Jahrhunderts".

Ermöglicht wurde die Neuerwerbung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die aus einem Sonderfonds des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft 100.000 Mark bewilligt hat.

Alfred Heuß, 1909 in Gautzsch bei Leipzig geboren, verkörperte in seinem wissenschaftlichen Wirken die inzwischen nahezu ausgestorbene Spezies des Universalhistorikers, ergänzt der Chemnitzer Professor. Der Blick von Heuß reichte weit über das von ihm eher abschätzig betrachtete "Spezialistentum" hinaus. In den ihm eigenen, markigen Worten formulierte Heuß noch vor wenigen Jahren: "Ich fühlte mich auf die Geschichte im allgemeinen vergattert und betrachtete meine Vertrautheit mit der Geschichte des Altertums als die eigentliche Spezialisierung meines Berufes." In Leipzig sowohl zum Dr. jur. als auch zum Dr. phil. promoviert, habilitierte sich Heuß bereits 1936 ebendort für Alte Geschichte mit einer bahnbrechenden Arbeit zum hellenistischen Völkerrecht. Nach Stationen in Königsberg, Breslau, Kiel und Köln wirkte Heuß von 1954 bis 1977 als Ordinarius für Alte Geschichte in Göttingen.

1983 erhielt er für sein Lebenswerk den Preis des Historischen Kollegs

in München, seine gerade erst erschienenen "kleinen Schriften" (im Umfang von nahezu 3.000 Seiten) dokumentieren eindrucksvoll das breite Spektrum seines Gesamtwerks.

Prof. Brandt verbindet mit den neuen Büchern auch einen Wunsch: "Der Name Heuß möge daran gemahnen, daß die Wurzeln europäischer Identität und Zivilisation und die Grundlagen von Demokratie, Rechtsstaat und Bürgergesellschaft, von denen heutzutage allerorten die Rede ist, in der griechisch-römischen Antike liegen." Dieser Tatsache wird sich der Leser der neuen Bücher bestimmt bewußt.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 27. Juni 1996