Alle Wege aus der neuen TU-Forschungsstelle in Lichtenstein sollen in gesunde Regionen führen
Die Region Lichtenstein hat seit März ein arbeitsfähiges Technologieorientiertes Dienstleistungszentrum (TDL). In diesem Zentrum etablierte sich auch die Forschungsstelle für Regionale Gesundheitsförderung der TU Chemnitz-Zwickau unter Leitung von Prof. Dr. Alfred Rütten.
Im Mittelpunkt der Tätigkeit der Forschungsstelle steht die Verbesserung der Lebensbedingungen durch sektorübergreifende Ansätze. Die Umsetzung erfolgt mittels Modellvorhaben im Rahmen des "Gesunde Regionen"-Projektes. Dabei handelt es sich derzeit um Projekte in Lichtenstein, Mosel und Mittweida, weitere Modellvorhaben in Chemnitz, Glauchau und Crimmitschau beginnen im Mai.
Das Projekt Lichtenstein beschäftigt sich mit der Gestaltung eines Stadtteils, in dem es darum geht, Veränderungen in Richtung Lebensqualitätsverbesserung und somit Gesundheitsförderung zu erreichen. Durch eine kooperative Planungsgruppe, bestehend aus Politikern, Bürgern sowie Experten der Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Gesundheit soll ein "Vitales Stadtzentrum" entstehen, in dessen Planungsprozeß von Anfang an die Betroffenen mit einbezogen werden. Es soll dem Bürger nichts fertiges vorgelegt werden, sondern die betroffenen Bürger sind aufgerufen, ihre Ideen, Vorstellungen und Gedanken in die Erarbeitung mit einzubringen. Von den Mitgliedern der Planungsgruppe wurde betont, daß man mit bisherigen Methoden keine Lösung finden konnte. Mit dieser neuen Herangehensweise bietet sich die Chance, ein Konzept zu entwickeln, das von allen Beteiligten mitgetragen und realisiert werden kann.
Nicht überall fand diese neue Methode sofort Zustimmung. Bei dem Projekt "Mittweida", wo es darum geht, einen Maßnahmekatalog für "Intelligenten Tourismus" zu erarbeiten, stieß die Herangehensweise bei einigen Partnern zunächst auf Skepsis. In persönlichen Gesprächen überzeugten sich die Mitglieder der kooperativen Planungsgruppe jedoch von der großen Chance für Mittweida und Umgebung, beispielgebend für andere Regionen zu sein und selbst eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu gewinnen.
Ein weiteres Modellvorhaben ist die "Betrieblich-überbetriebliche Gesundheitsförderung bei der VW Sachsen GmbH". Ziel und Zweck dieses Vorhabens ist es, über Programme zur gesundheitlichen Aufklärung und Verhaltensprävention hinaus, im neuen Gesundheitszentrum der Volkswagen Betriebskrankenkasse ein umfassendes Konzept von Gesundheitsförderung umzusetzen. Wichtiges Anliegen der kooperativen Planungsgruppe ist die Einbeziehung der Arbeitnehmer in den Planungsprozeß und damit ihre unmittelbare Beteiligung an der Ausgestaltung des Gesundheitszentrums. Gerade die Arbeitnehmer können durch ihre tägliche Arbeit in der Praxis wichtige Anregungen geben und ihren Erfahrungsschatz einbringen, der basisnah und daher unverzichtbar ist.
Die Methode der Problemlösung mittels kooperativer Planung findet bei den Entscheidungsträgern großes Interesse. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind neue Projekte für 1996 in Vorbereitung und weitere Modellvorhaben perspektivisch vorgesehen.
Die Resonanz auf dieses "Gesunde Regionen"-Projekt in den Kommunen verdeutlicht den enormen Handlungsbedarf auf diesem Gebiet. Mit ihrer Tätigkeit leistet die Forschungsstelle die Voraussetzungen, daß der Raum Chemnitz-Zwickau als einzige Region im deutschsprachigen Raum in das Modell für das Programm "Investment in Health" der Weltgesundheitsorganisation WHO integriert werden soll.
Rosi Pätzold, Dr. Gisela Prohatzky, Jacqueline Seidel
Philosophische Fakultät