Blick in das Cockpit eines Airbus A320- Flugsimulators; Prof. Faber ( r.) mit DLH- Ausbildungskaptitän Reinhard Kösterke
(St) Die Ausbildung von Piloten in Deutschland erhitzt gegenwärtig vielerorts die Gemüter. Grund: In der Bundesrepublik werden Piloten ausschließlich, wie mehrheitlich in Westeuropa, in privaten Fachschulen ausgebildet. Piloten erwerben eine Lizenz , haben aber keinen staatlich anerkannten Berufsabschluß. In der ehemaligen DDR hingegen gab es für Piloten bereits in den 70er Jahren ein Hochschulstudium - wenn auch nur für drei Semester. Danach wurde dieser Studiengang jedoch wieder eingestellt. Hinzu kommt, daß nach statistischen Analysen zunehmend Flugzeugunfälle auf Ausbildungs- und Qualifikationsmängel zurückzuführen sind. Wegen dieser Sachlage hat die Vereinigung Cockpit, der Verband der Berufspiloten und Flugingenieure, eine Studie in Auftrag gegeben, die zu dem Schluß kommt, daß eine zusätzliche Ausbildung der Piloten an einer Hochschule notwendig sei. Autor der mittlerw eile publizierten Studie ist Prof. Gerhard Faber, Inhaber der Professur Didaktik Elektrotechnik, Automatisierungstechnik und Angewandte Informatik, der sich schon seit über 20 Jahren mit dieser Thematik befaßt. Bereits seine Dissertation hatte die Ausbild ung mit Flugsimulatoren zum Schwerpunkt. Der Chemnitzer Universitätsprofessor ist der Auffassung, daß für Verkehrsflugzeugführer, die für hunderte von Menschenleben verantwortlich sind und über Millionenwerte verfügen, der Erwerb eines Berufes auch in Deu tschland möglich sein muß. Prof. Fabers "Gutachten zur Einrichtung einer Pilotenausbildung an einer Hochschule" kommt zu dem eindeutigem Schluß, daß nur eine akademische Verkehrsflugzeugführerausbildung die dringend notwendige Reform der Lerninhalte ebenso wie die Höherqualifizieru ng ermögliche. Ein Blick über die deutschen Landesgrenzen hinaus zeigt, daß einige Nationen in der Pilotenausbildung andere Positionen einnehmen: In den USA findet man Mischformen. Neben privaten Flugschulen bieten auch zahlreiche Universitäten und Colleg es eine Berufspilotenausbildung an. Die universitäre Pilotenausbildung hat laut Prof. Faber auch in verschiedenen osteuropäischen Ländern eine lange Tradition. In seiner Studie wird deutlich, daß sich seit 1983 mit der Einführung der dritten Jet-Generation - der hochautomatisierten Verkehrsflugzeuge mit sogenannten Glas-Cockpits und Fly-by-wire-Systemen - die Zahl der "H3-Unfälle" vervierfacht haben. Diese Unfäl le, die der Kategorie "menschliches Versagen" zugeordnet werden, sind in den letzten zehn Jahren von 13 auf 54 Prozent angestiegen. Sie sind laut Prof. Faber eindeutig auf Ausbildungs- und Qualifizierungsmängel zurückzuführen. Jürgen Dörrie, Präsident der Vereinigung Cockpit, umschreibt diese Problematik mit wenigen Sätzen: "Künstliche Intelligenz im Cockpit kann menschliche Intelligenz nicht ersetzen. Im Gegenteil: Die Anforderungen an die Piloten steigen! Zusätzlich zu den kl assischen fliegerischen Lerninhalten und Fähigkeiten wird eine umfassende Kenntnis der hochkomplexen Flugsysteme benötigt. Weiterhin kommen Qualifikationen in Ökonomie, Arbeitsorganisation, Luftfahrtpsychologie und Ökologie hinzu. Die fast 20 Jahre alten Ausbildungsrichtlinien sind nicht mehr hinreichend am Anforderungsprofil von hochkomplexen, automatisierten Cockpit-Arbeitsplätzen orientiert.
Boeing B 757/ 767 in der Basis der Deutschen Lufthansa Frankfurt/ Main
Deshalb fordern wir die Hochschulausbildung sowie einen anerkannten Berufsabschluß für Verkehrsflugzeugführer." Prof. Faber setzt sich deshalb auch für die Einführung einer bisher fehlenden Wissenschaftsdisziplin für die Bediener automatisierter hochkomplexer Hybridsysteme ein - der sogenannten Operatorwissenschaft. Digitale Fly-by-wire-Flugzeuge mit Sidestick und Glascockpit sind im Normalbetrieb wegen des geringen Datenanfalls an der Schnittstelle in der Bedienung sehr komfortabel. Bei Störanfällen hingegen sei in hochautomatisierten Flugzeugen auf Grund hoher Informationsflüsse eine große Qualifikationstiefe, al so ein spezielles Operatorwissen notwendig - entgegen der ursprünglichen Werbeaussagen von Herstellern, die Ausbildung reduzieren zu können. Am Beispiel "Verkehrsflugzeug" werden in Prof. Fabers Studie auch die beiden Entwicklungspfade der Automatisierungstechnik untersucht. Der Autor bekennt sich eindeutig zum menschzentrierten Weg, bei dem der Pilot im Zentrum des Mensch-Maschine-Systems ble ibt, ihm die letzte Entscheidung, die "emergency authority", bleibt. Das alternative Konzept, eine Automatisierung mit dem Ziel, den Menschen zu verdrängen, ihm nur noch Restfunktionen in Automatisierungslücken zuzugestehen, der technikzentrierte Weg, wir d abgelehnt. Er führt zur Dequalifizierung der Operatoren und zu wachsenden Gefahren bei Systemstörungen. Zentraler Aspekt ist laut Prof. Faber die Systembeherrschbarkeit durch Qualifikation. Das Human-Factor-Training gewinne bei allen komplexen Mensch-Maschine-Systemen zunehmend an Bedeutung, von den Operatoren in den Leitwarten der Kernkraftwerke über die F ührungsstände großer Schiffe, den Produktionsanlagen der Großindustrie bis zum Glascockpit der Verkehrsflugzeuge. Darüber hinaus spricht er sich für die Durchsetzung des "Regelkreises" zwischen Entwicklern, Herstellern, Ausbildern und Piloten aus. Eine Mi tgestaltung der Flugtechnik, insbesondere der Mensch-Maschine-Schnittstelle Cockpit durch die Bediener, ist laut Prof. Faber dringend geboten. Gegenwärtig wird laut Prof. Faber angestrebt, an zwei Hochschulstandorten der Bundesrepublik einen integrierten Studiengang für die Pilotenausbildung einzurichten. Auf der Grundlage der Bezugsdisziplinen (Ingenieurwissenschaften, Informatik, Automatisieru ngstechnik, Kybernetik, Ergonomie/Anthropotechnik, Ökonomie, Psychologie u. a.) sollte dort die Operatorwissenschaft als neue Forschungsdisziplin entstehen. Aus Sicht des Chemnitzer Universitätsprofessors biete selbst die TU Chemnitz-Zwickau ideale Beding ungen.
Umweltmanagement für Unternehmen
Bildungsverhalten in Migrantenfamilien
Sie legen großen Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder und haben gute Kenntnisse des deutschen Schulsystems. Diese guten Voraussetzungen und der Blick auf die zeitliche Entwicklung der Bildungsbeteiligung zeigen, daß Migrantenkinder eine bisher ungenutzte Begabungsreserve sind. Der Grund, warum Ausländerkinder bisher hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, ist die Unfähigkeit des Schulsystems, sie optimal zu fördern. Daneben sind ausländische Familien auch durch ihren unsicheren Aufenthaltsstatus dazu ge zwungen, Bildungswege zu wählen, die auch in ihrem Herkunftsland einen Aufstieg ermöglichen. Das Projekt an der TU Chemnitz-Zwickau konzentriert sich auf drei Aspekte der Bildung von Migranten: die Auswirkung der Bildung auf die Eingliederung, den Zusammenhang zwischen der Bildung der Eltern und der Bildung der Kinder und den Verlauf der Schulkar riere von Migrantenkindern. Zunächst soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle Bildung bei der Eingliederung von Arbeitsmigranten spielt. Dimensionen von Eingliederung sind beispielsweise die Kenntnis der Sprache des Aufnahmelandes, private Kontakte zu Einheimischen und eine dauerhafte berufliche Eingliederung. Bisher lassen sich folgende Arbeitsthesen aufstellen: Die Geschwindigkeit der Eingliederung von Arbeitsmigranten hängt vor allem von ihrem Bildungsniveau ab. Unterschiede im Grad der Eingliederung zwischen einzelnen Nationalitäten beruhen fast ausschließlich auf Unterschieden im Bildungsniveau. Kulturelle Unterschiede sind dagegen eher unbedeutend. Die zweite Frage ist die nach der Auswirkung der Bildung der Eltern auf die Bildung der Kinder: Haben Kinder gut ausgebildeter Eltern mehr Erfolg in der Schule als solche von weniger gut gebildeten, und wenn ja, wie funktioniert diese "Vererbung" des Bild ungserfolgs. Der dritte Aspekt betrifft den Verlauf der Schulkarriere von Ausländerkindern. Hier soll der Frage nachgegangen werden, wer wann und warum aus dem Bildungsprozeß ausscheidet. In diesem Zusammenhang wird untersucht, ob sich die folgenden Thesen aufrechterh alten lassen: Die frühe Einreise von Ausländerkindern und eine möglichst ununterbrochene Schulkarriere sind wesentliche Voraussetzung ihres Schulerfolgs. Neben dem familiären Hintergrund haben institutionelle Faktoren wie die Form der schulischen Versorgung und rechtliche Rahmenbedingungen großen Einfluß auf das Bildungsverhalten von Ausländerkindern. Die Untersuchung der Forschungsfragen wird mit den Daten des Sozioökonomischen Panels durchgeführt, einer jährlich stattfindenden Wiederholungsbefragung, die seit zehn Jahren in den alten und seit 1990 auch in den neuen Bundesländern durchgeführt wird. Di eser Datensatz ist für das Projekt besonders geeignet, weil auch die Mitglieder von 1.400 Haushalten mit ausländischem Haushaltsvorstand befragt wurden. Darüber hinaus stellt er detaillierte Informationen über den Schulbesuch auch von minderjährigen Kinde rn zur Verfügung.
Prof. Dr. Bernhard Nauck, Heike Diefenbach M.A.,
Dipl.-Päd. Kornelia Petri
Philosophische Fakultät