Edgar Sitzmann, Bezirkstagspräsident von Oberfranken, Stefan Altensleben, Regierungspräsident von Chemnitz, und Prof. Dr. Dr. E.h. Helmut Ruppert, Geographieprofessor an der Universität Bayreuth, (v.l.n.r.) verfolgten aufmerksam die Vorl
esung über raumwissenschaftliche Konzeptionen von Städtenetzen.
Vielen bekannt sind die ockerfarbigen Einladungen und Plakate der Philosophischen Fakultät, die in den letzten drei Semestern zu Antrittsvorlesungen einzelner Hochschullehrer der Philosophischen Fakultät eingeladen haben. Insgesamt 16 Professore
n stellten sich der Öffentlichkeit vor und repräsentierten damit gleichzeitig die Vielfalt der geisteswissenschaftlichen Fachgebiete, die unter der Philosophischen Fakultät zusammengefaßt sind.
Dabei wurde schnell klar, daß an der TU Chemnitz-Zwickau neuerdings auch Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Germanistik,
Romanistik, Anglistik, Musik, Geschichte, Sport, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Erwachsenenbildung und betriebliche Weiterbildung sowie Geographie präsent sind.
Dem entspricht auch die Themenvielfalt der Antrittsvorlesungen: Soziologische Betrachtungen zu modernen Lebensstilen und Weltgesellschaft, philosophische Reflexionen zum Realitätsprinzip, aktuell-politische Themen wie "Totalitarismus in der DDR&
quot; und "Asylpolitik und Fremdenfeindlichkeit", Ausführungen zur literarischen Tradition der deutschen Vaterlandsromantik, und zur Bedeutung des Schulbuches, sprachrelevante Themen wie "Die Deutschen und das Italienische" und &q
uot;Sprache und Computer", "Goethes Faust in der Musik", "Schulsport in Deutschland", Fragen der betrieblichen Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zu raumwissenschaftlichen Konzeptionen von Städtenetzen
aus geographischer Sicht und historischen Themen wie "Fremde in griechischen Poleis der klassischen Zeit" und "Determinanten und Perspektiven deutscher Nachkriegspolitik".
Obwohl die gesamte Fakultät neben den 16 vorstellig gewordenen Professoren noch weitere neuberufene Hochschullehrer hat, werden die Antrittsvorlesungen im nächsten Semester nicht mehr fortgesetzt.
Vielmehr will die Fakultät ab Sommersemester 1995 neue Wege hinsichtlich Vorstellung interessanter Themen für die Öffentlichkeit gehen. Semestermäßig sollen Vorlesungsreihen unter verschiedenen Rahmenthemen angeboten werden, in d
enen sich Hochschullehrer der Philosophischen Fakultät, aber auch der gesamten Universität sowie aus anderen Einrichtungen präsentieren können.
Dr. Renate Wißuwa
Philosophische Fakultät

Reger Andrang herrschte vor den Tischen der Schulbuchverlage, wo sich Interessierte über die Neuerscheinungen in englischer Sprache informieren konnten.
Zu den Referenten gehörten nicht nur die Professorinnen und Professoren der Anglistik/Amerikanistik, sondern auch viele renommierte Gäste aus dem In- und Ausland: Henry Korn, Rat der kanadischen Botschaft in Bonn, gab einen sehr persönliche n Einblick in die kulturelle und politische Situation des heutigen Kanada, wobei - er ganz Kosmopolit - vom Englischen ins Französische und Deutsche wechselte. Sprachkenntnisse, das führte er den faszinierten Schülerinnen und Schülern souverän vor, sind ein entscheidender Schlüssel zum Kulturaustausch und zur Völkerverständigung überhaupt. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien waren durch zwei Frauen vertreten. Marian Price, die als Fulbright-Professorin an der Universität Erfurt tätig ist und ab Sommersemester 1995 auch an der TU lehren wird, stellte Frauenliteratur au s dem Süden der USA vor. Dank Unterstützung des British Council (Leipzig) flog die englische Bühnenautorin Charlotte Keatley aus Manchester ein. Unter Mitwirkung des Chefdramaturgen der Städtischen Theater, Dr. Karl-Hans Möller, f ührte sie kurze Szenen aus ihren jüngsten Stücken Our Father und My Mother Said, I Never Should vor. Für Keatley ist Theater in erster Linie praktische Bühnenarbeit, das Arbeiten an der eigenen Körpersprache. Mimik und Gesten der Schauspieler entfalten im Laufe ihrer Stücke eine subtile Eigendynamik. Auch den Englischlehrern des Regierungsbezirkes wurde, dank der Initiative von Dr. Joachim Seifert (TU Chemnitz-Zwickau), ein vielseitiges Programm im Bereich der Fachdidaktik geboten. Prof. Konrad Schröder (Universität Augsburg) sprach übe r "Neue Tendenzen in der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts" und kritisierte, es werde experimentellen Projekten zu wenig Spielraum gegeben. Falsche Bewertungsmaßstäbe und Vorschriften von Ministerien verhinderten in vielen Fä llen eine Erweiterung der Lehrinhalte. Ähnliche Bedenken äußerten auch Dr. Seifert für die Lesedidaktik in der Mittelschule sowie Prof. Hellmut Schwarz (Mannheim/Heidelberg) für das weite Feld der Literaturdidaktik. Gerade in die sen Fächern bestehe ein "spezifischer Nachholebedarf" da sie zu DDR-Zeiten kaum eine Bedeutung hatten, so Dr. Seifert. Die Resonanz bei den Lehrern war dementsprechend groß. Mit einer Fülle von praxisnahen Beispielen verwickelte Prof. Hans-Eberhard Piepho (Universität Gießen) seine Zuhörergruppe in einen intensiven Dialog zur "Begegnungssprache Englisch in der Grundschule." Interaktiv tätig werden konnten die Schülerinnen und Schüler bei einem Projekt der Englischen Sprachwissenschaft, kurz "Englisch in Sachsen" genannt, das sich mit dem Stellenwert des Englischen in der Schule und im Alltag besch&au ml;ftigt. Immerhin ein Drittel aller Anwesenden nutzte das Angebot und beantwortete den ausgeteilten Fragebogen der Fachgruppe. Wer sich den Tag nicht mit "English Cream Tea" und selbstgebackenen "Scones" in der Cafeteria des "English Club" versüßte, übte sich wahrscheinlich ein paar Türen weiter am Computer-Sprachlernprogramm COLTEC. Das eigenständige Arbeiten am Computer begeisterte viele der 17- bis 19jährigen. Kaum einer hatte Schwellenängste, meinte Dr. Matthias Melich, Autor von COLTEC und früherer Mitarbeiter der Anglist ik/Amerikanistik. Im Gegenteil, der Spieltrieb war sofort geweckt gewesen. Nur die Lehrer, so Dr. Melich, brauchten eine Einführung. Die Anglistik/ Amerikanistik hofft, mit diesem Tag viele zukünftige Studierende für ihr Fach gewonnen zu haben.
Brenda Hollweg
Philosophische Fakulät