TU Spektrum 1/1995
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

HISTORIE


Julius Lothar Meyer - einer der Väter des Periodensystems

BILD "Meinen kleinen Atomschwindel werden Sie erhalten haben." - so das auf die Entdeckung des Periodensystems der Elemente anspielende Postskriptum eines Briefes, den Julius Lothar Meyer am 27. März 1870 an seinen Schwager Adolf Ferdinand Weinhold*, Professor für Physik an der Königlichen Gewerbschule zu Chemnitz, adressierte. Julius Lothar Meyer, dessen Todestag sich am 11. April 1995 zum hundertsten Male jährt, wurde am 19. August 1830 in Varel (Oldenburg) geboren. Nach dem Medizinstudium an der Universität Zürich und der Promotion zum Doktor der Medizin 1854 in Würzburg ging er zwei Jahre nach Heidelberg, wo er sich auf Anregung von R. W. Bunsen mit Fragen der Chemie und Physik, insonderheit mit gasanalytischen Methoden befaßte, und schließlich nach Königsberg, wo er Studien über theoretische Physik bei F. E. Neumann sowie physiologische Untersuchungen betrieb. 1858 schloß er seine Ausbildung mit einer Dissertation über die Einwirkung von Kohlenmonoxid auf Blut ab, mit der er an der Universität Breslau zum Dr. phil. promovierte. Im darauffolgenden Jahr habilitierte er sich, wurde Privatdozent und Leiter des chemischen Laboratoriums der Universität Breslau. In seinen Lehrveranstaltungen behandelte er Fragen der Biochemie, Fotochemie, Gasanalyse und Maßanalyse. Bereits in diesen Jahren untersuchte Meyer Gruppen von chemisch ähnlichen Elementen und Zahlenbeziehungen zwischen den Atomgewichten dieser Elemente, auf die er in seinem ersten wisenschaftlichen Werk "Die modernen Theorien der Chemie und ihre Bedeutung für die Chemische Statik" 1864 hinwies. 1866 ging er als Dozent an die Forstakademie Neustadt-Eberswalde. Im gleichen Jahr heiratete er Johanna Volkmann, Tochter des Chemnitzer Advokaten Dr. phil. Dr. jur. Julius Volkmann und Schwester der späteren Frau Weinholds. Der Berufung zum Professor "für das Gebiet der gesamten anorganischen Naturwissenschaften" an der Forstakademie Neustadt-Eberswalde 1867 folgte 1868 der Ruf als Ordinarius für Chemie an das Polytechnikum Karlsruhe.

BILD

Brief J. L. Meyers an seinen Schwager A. F. Weinhold (Auszug)

Aus dieser Zeit stammen die ersten Briefe an Schwager Weinhold. Neben familiären Ereignissen enthalten sie fachlichen Gedankenaustausch z. B. zur Überarbeitung des oben genannten Werkes 1868 mit dem Entwurf eines Periodensystems mit 52 Elementen bzw. die Herausgabe der Abhandlung "Die Natur der Chemischen Elemente als Funktion ihrer Atomgewichte" die 1870 als Reaktion auf Mendelejews Arbeit "Über die Beziehungen der Eigenschaften zu den Atomgewichten der Elemente" in den "Annalen der Chemie und Pharmacie" erschien und auf die der eingangs zitierte Brief anspielt. Aber auch praktische Fragen der täglichen Arbeit wurden erörtert; während der erfahrene Meyer seinen zehn Jahre jüngeren Schwager bezüglich der Taktik bei Verhandlungen mit Verlegern oder bei Berufungen beriet, unterstützte ihn der handwerklich versierte Weinhold bei der Konstruktion und Beschaffung von Laborgeräten. 1876 folgte Meyer dem Ruf an die Universität Tübingen, deren Rektor er 1894/95 war. Die Resultate seiner Forschungen in den darauffolgenden Jahren spiegeln sich in seinen Veröffentlichungen wieder: 1883 "Die Grundlagen der Thermochemie" 1883 "Die Atomgewichte der Elemente aus den Originalzahlen neu berechnet" 1885 "Die neuere Entwicklung der chemischen Atomlehre" 1887 "Die bisherige Entwicklung der Affinitätslehre" 1890 "Grundzüge der theoretischen Chemie". Dr. Dagmar Szöllösi Universitätsarchiv Fußnote: * Der Nachlaß A. F. Weinholds befindet sich seit 1990 als Depositum im Archiv der TU Chemnitz-Zwickau.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 7. April 1995