TU Spektrum 1/1995
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

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La Germania in Italia

BILD Deutsche Wendungen dienen inzwischen als Überschriften in italienischen Zeitungen.

Auf Einladung von Prof. Dr. Harro Stammerjohann und Prof. Dr. Joachim Leeker vom Fachgebiet Romanistik hielt Herr Prof. Dr. Fabio Marri von der Universität Bologna im Januar 1995 an der TU Chemnitz-Zwickau einen Vortrag über das Thema "La Germania in Italia". In diesem in italienischer Sprache gehaltenen Vortrag untersuchte Prof. Marri zum einen das Deutschland-Bild, wie es sich heute und vor etwa 40 Jahren in der Presse und in anderen Publikationen Italiens darstellt. Übernahmen ins Italienische wie die des Begriffs "große Koalition" oder sogar übertragene Verwendungen von Begriffen wie "il Muro" (die Mauer) etwa im Sinne von "unüberwindbarer Grenze" die die heutige italienische Presse aufweist, zeigen, in welchem Maße die Wirklichkeit und Geschichte Deutschlands in das Bewußtsein auch des italienischen Durchschnittslesers eingedrungen sind, so daß das in Comics wie den in Italien recht verbreiteten "Sturmtruppen" immer noch zu findende Klischee vom Deutschen als Säbelraßler, der von einer "soluzione finale" (Endlösung) träumt, doch sehr stark relativiert wird. Eine zunehmende Kenntnis von Deutschland und seiner Kultur konnte in der italienischen Presse auch auf einem anderen Gebiet festgestellt werden: So sind Filmtitel wie Margarethe von Trottas "Die bleierne Zeit" als Wendung in die italienische Sprache eingegangen ("anni di piombo"), und zwar vor allem in der Bedeutung: Zeit des Terrorismus; und seit etwa 1993 ist die Wendung "tempo dei muri crollati" (Zeit der gefallenen Mauern) im Sinne von Zeit, in der es keine Grenzen mehr gibt, belegt. Ein Vergleich zweier italienischer Reiseführer über Deutschland, die in den Jahren 1991 und 1994 erschienen, belegt ebenfalls eine zunehmende Öffnung gegenüber Deutschland. Verwendeten Reiseführer des 18. Jahrhunderts teilweise sogar noch Antikisierungen der deutschen Städtenamen, die selbst ein Bewohner der genannten Stadt nicht hätte identifizieren können (wie "Erbipoli" für Würzburg), so hat bei neu ins italienische Bewußtsein gerückten Ortsnamen inzwischen selbst die lange Zeit übliche Italianisierung der Endungen (wie"Lipsia" für Leipzig) aufgehört, wie Prof. Marri etwa an Reiseführern über Sachsen zeigte. Ähnliches gilt auch für die bei diesen Städteporträts verwendeten architektonischen Begriffe: Während etwa der Reiseführer von 1991 noch den traditionellen italienischen Begriff "stile liberty" benutzt, spricht der von 1994 bereits im italienischen Text von "Jugendstil". Im letzten Teil seines Vortrags verglich Prof. Marri zwei Selbstdarstellungen der DDR in italienischer Sprache: Während der Text von 1964 ein eher aggressives Vokabular zeigte (die Mauer etwa wurde als "vallo di protezione antifascista" [antifaschistischer Schutzwall] bezeichnet) und viele Adjektive enthielt, die wie "indistruttibile" (unzerstörbar) eine Vorstellung von Ewigkeit implizierten, wies der Text von 1981 eher einen defensiven Charakter auf. Die gleiche Entwicklung ließ sich, wie der Vortragende am Schluß seiner Darlegungen aufzeigte, zur selben Zeit in der Presse der italienischen Linken ausmachen, wo man im Laufe der Zeit eine leichte Distanzierung gegenüber manchen kommunistischen Ideen feststellen kann. Der Vortrag von Prof. Marri fand nicht nur bei Italianisten, sondern auch bei innerhalb und außerhalb der Hochschule an der Italianistik Interessierten regen Zuspruch und ein positives Echo.

Prof. Dr. Joachim Leeker
Philosophische Fakultät


Britische Studenten loben Chemnitz

(St) Anscheinend spricht es sich in England herum, daß man in Chemnitz gut leben und studieren kann. Wie sonst kämen nun schon in dritter Runde Studentinnen und Studenten der Humberside University in Hull an die Technische Universität nach Chemnitz. Eingeschrieben haben sich zum Wintersemester 1994/95 in das vom Zentrum für Fremdsprachen und Interkulturelle Kommunikation angebotene Teilstudium "Germanistik/ Europakunde" zwölf Studierende, fünf davon bleiben für zwei Semester. Die Kombination Sprache-Fach ermöglicht es den Studenten, ihr Fachstudium regulär in Chemnitz fortzusetzen bei gleichzeitig verstärkter Ausbildung in der deutschen Sprache, versichert Dr. Angela Minogue vom Zentrum für Fremdsprachen und Interkulturelle Kommunikation der TU Chemnitz-Zwickau. Daß diese Studenten jede Gelegenheit nutzen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, sei wohl selbstverständlich. Nach ihren ersten Eindrücken befragt, sagte eine Studentin Dr. Minogue: "Ich habe eine altmodische und schmutzige Industriestadt erwartet; und vielleicht, daß die Deutschen unfreundlich sind. Aber es ist gar nicht so. Chemnitz sieht aus wie jede Industriestadt in England oder sonstwo in Europa. Die nähere Umgebung ist sehr schön: Es gibt viel Grün hier." Nach den Studienbedingungen befragt, sind sich die Studenten einig: "Die Zimmer im Wohnheim sind in Ordnung und nicht so teuer. Es ist bequem, hier zu studieren." Die freie Zeit nutzen die Briten zu Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung. Prag steht ganz oben auf dem Programm. Natürlich profitieren auch die Studenten der Chemnitz-Zwickauer Universität von diesem Unterfangen, nicht nur sprachlich. Für jeden englischen Studenten, der nach Chemnitz kommt, kann ein Chemnitzer Student nach Hull gehen. Die Nachfrage sei groß, ergänzt Dr. Minogue.


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HTML-Version von Ralph Meyer, 7. April 1995