TU Spektrum 1/1995
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

KONTAKTE


Der Sonne ein Stück näher

BILD Dr. Ulrich Schirmer, Prof. Dr. Jiri Plichta und Prof. Dr. Heinz Herwig diskutieren mit Dr. Radwan A-Masri über dessen Forschungsergebnisse (v.l.n.r.) (St) Dr. Radwan Al-Masri von der Aleppo-Universität in Syrien absolvierte vom 23. Juli 1994 einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik im Bereich der Professuren Technische Thermodynamik und Wärmelehre. Während seines Aufenthaltes, der von der Aleppo-Universität finanziert wurde, beschäftigte sich Dr. Radwan Al-Masri mit der Problematik der thermischen Nutzung der Solarenergie. Seine Arbeiten umfaßten neben einem Literaturstudium vor allem die Besuche von solartechnischen Anlagen sowie vielseitige Erfahrungsaustausche mit Wissenschaftlern und Fachleuten. Darüber hinaus wurde Dr. Radwan Al-Masri in das Forschungsprogramm "Solarthermie 2000" integriert, das seit September 1994 an der Professur Technische Thermodynamik der TU Chemnitz-Zwickau in der Projektgruppe von Dr. Ulrich Schirmer und Dipl.-Ing. Jens Göring bearbeitet wird. Das Ergebnis seines Forschungsaufenthaltes präsentierte Dr. Al-Masri am 04. Januar 1995 in einem Mitarbeiterseminar. Dabei zeigte er, welche Bedeutung die aktive Nutzung der Solarenergie mittlerweile einnimmt. Besonders setzte er sich mit Einzelkomponenten von Solaranlagen und deren Zusammenwirken auseinander. Fragen der Wirtschaftlichkeit von solarthermischen Anlagen und mögliche Forschungsschwerpunkte wurden ebenfalls aufgezeigt und diskutiert. Während seines Aufenthaltes übergab Dr. Al-Masri einen persönlichen Brief des Rektors der Aleppo-Universität Prof. Dr. Hourieh an den Rektor der TU Chemnitz-Zwickau, Prof. Dr. Günther Hecht. In diesem Brief bekräftigt Prof. Dr. Hourieh, daß seine Unversität am Aufbau und der Fortsetzung einer langfristigen Partnerschaft auf der Basis von Wissenschaftleraustauschen interessiert ist. Al-Masri über dessen Forschungsergebnisse (v.l.n.r.).


Rußland zwischen arm und reich

Kürzlich weilte Prof. Dr. Anatolij Pawlow von der Staatlichen Textil-Akademie Moskau als Gast an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der hiesigen Technischen Universität. In seinem Referat vermittelte er einen Einblick in die gegenwärtige wirtschaftliche und soziale Situation Rußlands aus der Sicht eines Moskauer Wissenschaftlers: Die Wirtschaft Rußlands unterliegt seit 1992 einer tiefgreifenden Reform. Die Politik der ehemaligen Regierung Gaidar wird auch heute noch fortgesetzt. Eine erste Etappe von Privatisierungen ehemaliger Staatsbetriebe mittels Coupon-System oder durch Übergabe an die Belegschaft - konnte bereits abgeschlossen werden; beispielsweise sind bereits 99 Prozent der Betriebe der Textilindustrie privatisiert. Die innere Situation in vielen Unternehmen ist heute dennoch unverändert. Die meisten Arbeitnehmer haben ihre Anteile an ihrem Betrieb verkauft, die alten Direktoren kontrollieren bereits wieder größere Teile des Kapitals, die Bereicherung seitens leitender Angestellten nimmt - mangels griffiger Kontrollmechanismen - ständig zu. Die Freigabe der Preise hat bei der breiten Bevölkerung verheerende Folgen gezeitigt: Mit dem starken Preisanstieg ging ein wertmäßiger Verfall der Spareinlagen und damit ein weitverbreiteter Vertrauensverlust einher. Arm und Reich driften mehr und mehr auseinander. Die durchschnittliche Kaufkraft hat sich wohl erhöht, aber einseitig für die reicheren Bevölkerungsteile. Inländische Produkte finden vielerorts keine Käufer mehr, die reiche Oberschicht deckt sich hingegen mit teuren Import-Produkten ein. So ist es nicht verwunderlich, daß die Industrieproduktion auf 51 Prozent des Niveaus von 1991 gesunken ist, die Investitionen gar auf 37 Prozent! Weit verbreitet ist - so Prof. Pawlow - auch eine Unzufriedenheit mit der politischen Führung. Die Umgestaltung bringt für den einfachen Bürger keine positiven Resultate, das Existenzminimum kann vom Staat nicht mehr garantiert werden, die latente Arbeitslosigkeit ist hoch. Trotzdem, eine Rückkehr zum Kommunismus wünscht sich kaum jemand. Die Parteien und ihre Führer - egal welcher Farbe - genießen kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Die Wahlkämpfe werden sehr populistisch geführt, doch alternative Zukunftskonzepte fehlen weitgehend, auch bei staatlichen Stellen. Wie aber sieht nun die Zukunft aus? In diesem Punkt plädiert Prof. Pawlow für eine bessere soziale Abfederung des Gaidar-Konzepts. Der Kurs ist richtig, doch es muß der Garantie eines minimalen Lebensniveaus (speziell bei der Altenversorgung und den medizinischen Einrichtungen) mehr Beachtung geschenkt werden. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Schaffung neuer Arbeitsplätze und damit die Hebung (und Umverteilung) des Volkseinkommens.

lic. rer. pol. Thomas Steger
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften


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HTML-Version von Ralph Meyer, 7. April 1995