(St) Zuschauer reden beim Fernsehen und nach dem Fernsehen nicht selten über den "Fernsehtext". In unterschiedlichen alltäglichen Situationen werden die Fernsehereignisse kommentiert, erzählt und auf vielfache Weise gedeutet. Dabei kann es auch zu Fehlinterpretationen kommen. Der Fernsehtext wird nach den Bedürfnissen und Mustern der Zuschauer im wesentlichen kommunikativ angeeignet, berichtet Prof. Dr. Werner Holly vom Lehrstuhl Germanistische Sprachwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau. Laut Holly soll dieser, in der bisherigen Forschung vernachlässigte, sprachlich-kommunikative Prozeß näher untersucht werden. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 300.000 Mark finanzierten Projektes werden in den kommenden zwei Jahren die Chemnitzer Sprachwissenschaftler gemeinsam mit Kollegen in Trier und Gießen Gespräche von Zuschauerhörern während des Fernsehens und über das Fernsehen mit Mitteln der linguistischen Gesprächsanalysen untersuchen. "Zuschauerhörer" ist dabei keine neuartige Wortkreation der Sprachwissenschaftler. Wer vor dem Fernseher sitzt, nimmt schließlich nicht nur das Bild sondern auch den Ton wahr. Prof. Holly ist überzeugt, daß das Fernsehen zunehmend im Hintergrund wahrgenommen wird, beispielsweise beim Bügeln, beim Lösen von Kreuzworträtseln oder beim Essen. Die Sprachwissenschaftler wollen nun untersuchen, was genau "in deutschen Wohnzimmern" beim Fernsehen passiert. Beispielsweise werden Studenten in die Forschungsarbeiten integriert, die bei ihren Eltern per Videokamera und Tonbandgerät die "Familien-Kommunikation" beim Fernsehen aufzeichnen. Bei dieser gewählten Form der mikro-soziologischen, teilnehmenden Beobachtung werden winzige "Schnipsel der Wirklichkeit" für eine intensive Datenauswertung vorbereitet. Die Analyse aller Daten an der Uni erfolgt jedoch nicht quantitativ im Sinne von Einschaltquotenermittlung. Es geht vielmehr um die Kommunikationsuntersuchung. Gerade in Anbetracht sehr gängiger, meist falscher Thesen über die Wirkung von Fernsehen, die in der Öffentlichkeit laut Holly "mit viel Getöse" diskutiert werden, werden die Untersuchungen im Sinne einer sinnvollen Rezeptionsforschung durchgeführt. Prof. Holly ist zum Beispiel der Meinung, daß viele Menschen mit Vergnügen die Fernsehwerbung ansehen, aber nicht im Traum daran denken, anschließend das Produkt zu kaufen. Auch "Gewalt auf dem Bildschirm" sei nicht die Ursache für eine zunehmende Gewalt zwischen Jugendlichen.
Als Ergebnis der Untersuchungen erhofft sich Prof. Holly Rückschlüsse auf die Gestaltung zukünftiger Fernsehtexte. Damit könnten Sprachwissenschaftler aktiver als bisher als "Fernsehmacher" auftreten. Falls Fernsehstationen zukünftig die Bedeutung der Sprachwissenschaft für ihr Medium entdecken, werden vielleicht schon morgen Studenten und Wissenschaftler der Chemnitzer Philosophischen Fakultät an der Gestaltung des "Fernsehens der Zukunft" mitwirken.
Dr. Dietrich Drews bei der Montage einer Ultra-Hochvakuumkammer, die ausschließlich Ramanspektroskopisch untersucht wird.(St) Die von dem Nobelpreisträger Sir C.V. Raman in den zwanziger Jahren entwickelte Methode der inelastischen Lichtstreuung oder auch Ramanstreuung ist in der heutigen Zeit noch attraktiv. In der Chemnitzer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Dietrich Zahn wurde sie seit 1993 weiterentwickelt, um das Wachstum von dünnsten Halbleiterschichten mit Dicken im Bereich von einem Milliardstel Millimeter zu verfolgen. Dies lieferte neue Erkenntnisse im Hinblick auf die technologische Anwendung derartiger Schichten, wie sie z. B. in Laserdioden eines CD-Players vorkommen. Jüngst wurde Prof. Zahn auf internationale Tagungen eingeladen, um die Fortschritte vorzustellen. Auf einem Expertenworkshop in Japan, einer europäischen Halbleitertagung in Linz und auf dem US-europäischen Workshop zur optischen Charakterisierung elektronischer Materialien in Halle wurden die Ergebnisse mit größtem Interesse aufgenommen. Nachahmer wird es jedoch sobald nicht geben, da nach Aussage von Prof. Dietrich Zahn zur Zeit nur die TU Chemnitz-Zwickau als weltweit einzige Einrichtung über die experimentellen Voraussetzungen für diese spezielle Anwendung verfügt.