TU Spektrum 4/1994
* Magazin der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau *

THEATER


Theaternachrichten

Im Schauspielhaus

KNOCK OUT DEUTSCHLAND!

Musical von Philipp Stölzl, Armin Petras und Rio Reiser nach Ödön von Horvath

[IMAGE] Das Musical über einen großen Mythos: Boxen. Boxen als Sport. Boxen als Metapher. Ein Championkampf der Boxelite findet in einer Riesenhalle statt. Deutschland feiert seinen Boxhelden. Vier junge Leute erleben einen unglaublichen Abend vor der Halle, denn hinein kommen sie nicht. Lucky, Striker, Barby und Lula geraten in einen Reigen von Lügen, Illusionen, Gewalt, Träumen und Enttäuschungen. Und mit wem sie auch immer zusammentreffen zwischen Freßbude und Garderobe - es geht jeder gegen jeden, alle gegen alle. Nach diesem Abend haben sich die vier, die noch vor Stunden alles zusammen taten, getrennt.

Reigen von Arthur Schnitzler

Ein anderer Schnitzler als in "Mahagonny", ein anderer "Reigen" als in "Knock out Deutschland!", ein Stück ohne Boxkampf, aber mit "k.o.~Ps" und wieder ein Drama der Skandale und Verbote - so knüpfen sich die Fäden in dieser Theatersaison. Es passiert das ganz Alltägliche. Der Zuschauer wird in das Vorher und Nachher des Liebesaktes eingeblendet, in Verführung und Ernüchterung, und das "Pikante" an der Sache ist nicht nur die Sache selbst, sondern daß die Partner gewechselt werden. Eine oder einer geht, quasi noch "erwärmt", zum nächsten über, so entsteht ein "Reigen", ein "Karussell der Triebe", eine "Kette von Berührungen". Etwas geschieht mit den Figuren, und sie selbst lassen und machen es geschehen. In allem "Willkommen und Abschied", in aller Vorläufigkeit, in aller Flucht und Sucht nach Wiederholung, in allem Zwang, in aller "Untreue" und Trauer walten Würde, Freiheit und ungescheute Erlebnisfähigkeit.


Im Opernhaus

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
Oper von Bertolt Brecht und Kurt Weill

[IMAGE] Aufregend und spektakulär inszeniert von Steffen Piontek Drei polizeilich gesuchte Verbrecher gründen eine Stadt, in der die Wünsche der Männer erfüllt werden: Gin und Whisky, Mädchen und Knaben, sieben Tage ohne Arbeit. Doch der Aufschwung bleibt aus. Paul Ackermann, der in die Stadt Mahagonny kam, um sich zu amüsieren, langweilt sich. Als ein Hurrikan ihren Untergang heraufbeschwört, gibt Paul Ackermann der Stadt ein neues Gesetz: Er verkündet schrankenlose Subjektivität als erlösende Ordnung. Alles ist erlaubt, solange man es nur bezahlen kann. Doch den Erlöser vernichtet die eigene Idee. Ihm geht das Geld aus. Wo aber alles käuflich ist, wird der Mangel an Geld zum Kapitalverbrechen. In einer Gerichtsverhandlung, bei welcher der Staats- anwalt als eigener Portier Eintrittskarten verkauft, wird Paul Ackermann zum Tode verurteilt.

La Traviata
Oper von Giuseppe Verdi

Gegen ihren Willen verliebt sich die Pariser Kurtisane Violetta Valäry in Alfred Germont, einen jungen Mann aus der Provinz. Als einziger aus dem Kreis der Gäste des Salons ist er auch in den Tagen ihrer Krankheit nicht von ihr gewichen. Mit ihm flieht sie in einen bescheidenen Vorort im Grünen, hoffend, daß das Lungenleiden ihr die Zeit zu einer glücklichen Beziehung gewährt. Doch in der Gestalt seines Vaters zerbricht die Idylle: Niemals wird die gutbürgerliche Welt eine "vom Wege abgekommene" (La Traviata) in ihrer Mitte aufnehmen. Um das vermeintliche Glück Alfreds und seiner Schwester zu sichern, zwingt er Violetta zur Verleugnung ihrer Liebe. Zurückgekehrt in die alten Verhältnisse, beschleunigt sich der Krankheitsprozeß Violettas. Zu spät begreift Alfred die Größe ihres Opfers ...

Übrigens: Ein Einstieg ins Jugendabo ist immer möglich und lohnt sich - jede Karte kostet nur 6 Mark!


Information und Kartenverkauf: Theater-Service

Käthe-Kollwitz-Straße 7
09111 Chemnitz
Telefon (0371) 488-4665,-4666
Telefax (0371) 488-4697

Ulla Voigt, Dramaturgin für Öffentlichkeitsarbeit Telefon (0371) 488-4817


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HTML-Version von Frank Richter, 12. Januar 1995