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Heftnummer
  TU Spektrum  
   
125 Jahre gehen im Böttcher-Bau Studenten ein und aus
Das Hauptgebäude der Chemnitzer Universität wurde im Oktober 1877 eingeweiht
Der heutige Eduard-Theodor-Böttcher-Bau der TU Chemnitz gehört zu den wenigen Gebäuden auf der Straße der Nationen, die im Februar 1945 das anglo-amerikanische Bombardement einigermaßen glimpflich überstanden haben. Am 16. Oktober 1877, also vor genau 125 Jahren, erfolgte die feierliche Weihe dieses prachtvollen Historismusbaus, in dem sich zu jener Zeit die über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Technischen Staatslehranstalten befanden. Unter diesem Sammelnamen vereinigten sie die Höhere Gewerbschule, die Baugewerkenschule, die Werkmeisterschule und die Gewerbzeichenschule. Professor Eduard Theodor Böttcher, Direktor und Lehrer im Maschinenbau, der die Lehranstalt zu einer beispielhaften technischen Ausbildungsstätte profiliert hatte, ist es zu danken, dass am 2. September 1875 die Grundsteinlegung zu diesem repräsentativen Bau erfolgen und damit das bisherige Schulgebäude an der Dresdner Straße aufgegeben werden konnte. Entwurf und Vollendung lagen in den Händen von Professor Alwin Gottschaldt, Baumeister und erster Lehrer der Bauwissenschaft an der Baugewerkenschule. Gottschaldt hatte seine Ausbildung in der Dresdner Schule von Semper-Nicolai erlangt, das Gebäude trägt deshalb auch unverwechselbar die Handschrift dieser beiden berühmten Architekten.
Bereits 1876 konnte das dem Bahnhof zugewandte Gebäude des Laboratoriums übergeben werden. Aus dieser Zeit stammen auch die Büsten von Berzelius und Humboldt im Treppenaufgang. Die interessantes- ten architektonischen und künstlerischen Elemente wurden zweifelsohne an der Vorderfront gestaltet und folgten gleichermaßen dem Diktum, das Haus als Hort moderner Wissenschaft zu präsentieren. Dementsprechend finden sich an der 74 Meter langen und 21 Meter hohen Front verschiedene allegorische Figuren, Mathematik und Physik, Textilindustrie und chemische Technik sowie Maschinen- und Bautechnik darstellend. Portraitköpfe im Hochrelief ergänzen den sorgfältig ausgearbeiteten Komplex; sie zeigen berühmte Vertreter der vermittelten Wissenschaften: K. Karmarsch, theoretischer

Chemiker und Technologe, den Universalgelehrten G. W. Leibniz, den italienischen Naturforscher G. Galilei, J. J. Berzelius, Chemiker und Pharmazeut in Stockholm, den Schweizer Mathematiker und Physiker L. Euler, den Dampfmaschinenpionier J. Watt, K. F. Schinkel, Baumeister und Maler, sowie den französischen Mathematiker G. Monge, Gründer der berühmten Ecole Polytechnique. Das nach modernsten Gesichtspunkten ausgestattete Gebäude, in dem zu jener Zeit 612 Schüler unterrichtet wurden, verfügte über 105 Räume mit insgesamt 6.613 Quadratmetern Fläche.
Unter diesen Bedingungen ist es nur zu verständlich, dass in den Weihereden zum Jubiläum der Wunsch geäußert wurde, dass „die Blüthe der hiesigen Schule
sich mehr und mehr entfalte, und daß noch viele Tausende ... hier einen guten Grund zu ihrer künftigen Laufbahn als Gewerbetreibende, als Staatsbürger, als Männer in der edelsten Bedeutung des Wortes zu legen Gelegenheit suchen oder finden mögen”.

Prof. Dr. Friedrich Naumann
Professur Wissenschafts-, Technik- und Hochschulgeschichte

Festschrift, herausgegeben zur Erinnerung an die Einweihung der neuen Gebäude für die Königlich Technischen Lehranstalten zu Chemnitz am 15. und 16. Oktober 1877.
Bild links: Schüler der Staat-lichen Akademie für Technik im Zeichensaal der Bauabteilung.
Quelle: Opitz, P.: Festschrift zur Hundertjahrfeier der Staatlichen Akademie für Technik, Chemnitz 1936, S. 97.
Bild rechts: Der Bau des
Kesselhauses begann im April 1875 und wurde mit dem Schornstein sowie einem unterirdischen Verbindungskanal zwischen Schornstein und Laboratorium im Oktober 1875 vollendet.
Quelle: Programm der Königlichen Höhern Gewerb schule, Baugewerkenschule, Werkmeisterschule und Gewerbzeichenschule zu Chemnitz, Ostern 1878
   
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