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  TU Spektrum  
   
Zeitzeugen gesucht
Neue Forschungen zur Universitätsgeschichte - Jubiläum im Jahr 2003 wird vorbereitet
Seit dem November 2000 wird in einer kleinen Projektgruppe unter der Leitung des Universitätsarchivs zu einer neuen Darstellung der Geschichte der Technischen Universität Chemnitz und ihrer Vorläufer geforscht. Der Anlass ist der 50. Jahrestag der Gründung der Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt am 1. September 1953. Letztere war eine bewusst angelegte Neugründung, mit der der sozialistische Ingenieurnachwuchs herangebildet werden sollte. Mit den alten Technischen Lehranstalten, die auf der Staat-lichen Akademie für Technik und deren guten fach-lichen Ruf aufbauten, konnte man in den Augen der Partei- und Staatsführung der DDR dieses Ziel nicht erreichen. Auf der Grundlage dieser allgemeinen Ziel- formulierung kam es nicht nur in Karl-Marx-Stadt, sondern auch in Magdeburg, Merseburg und Ilmenau zur Neugründung von Technischen Hochschulen, die zunächst nur als Spezialhochschulen fungierten.
Für eine historisch determinierte Identität reicht es nicht aus, ganz allgemein auf die mehr als 160-jährige Tradition in Forschung, Lehre und Technologietransfer zu verweisen, sondern diese muss erleb- und nachvollziehbar sein. Dazu muss man in die Zukunft schauen, die Vergangenheit befragen und darüber hinaus um die Genese der technischen Ausbildung in Deutschland wissen.
Keine einzige der Technischen Universitäten oder Technischen Hochschulen im deutschsprachigen Raum wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Hochschule oder Universität gegründet, sondern die meisten von ihnen erlangten diesen Status im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Unsere Universität bekam den Hochschulstatus erst mit der Neugründung der Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt im Jahre 1953. Bis dahin war sie eine Mittelschule, hatte aber unter diesen in Deutschland, zumindest bis 1945, eine herausragende Sonderstellung inne. Diese manifestierte sich in der gegenüber anderen Mittelschulen längeren Ausbildungsdauer, aber auch im Stellenwert der Forschung bzw. in der Qualität der Ausbildung. Der Hochschulstatus wurde der Chemnitzer Einrichtung infolge des starken Widerstandes der Dresdner Schwestereinrichtung und in Anbetracht der stets knappen Mittel verwehrt, doch quasi als Beruhigung wurde ihr im Jahre 1900 der Name Gewerbeakademie verliehen, um sie so von den anderen Mittelschulen abzuheben. Nunmehr nannten sich die Studierenden stolz "Akademiker" ohne solche formal auch wirklich zu sein. Die letzte Schrift zur Geschichte der Einrichtung wurde 1986 zum 150-jährigen Jubiläum der technischen Ausbildung in Chemnitz herausgegeben. Diese, wie auch die früheren Darstellungen nach 1945, unterliegen aber der einengenden Doktrin des Führungsanspruchs der SED. Auch wurden eine Reihe von Quellen nicht angemessen untersucht.
 

Die eingegliederten Fachschulen, die zum Teil Grundlage für neue Wissenschaftsrichtungen wurden, fanden in den bisherigen Hochschulgeschichten kaum Beachtung. Mit einer Übersichtsdarstellung der Geschichte von den Anfängen der technischen Ausbildung in Chemnitz im Jahre 1836 bis hin zur Gegenwart des Jubiläums 2003, etwa in der Art einer Dokumentation, soll ein neuer Versuch der Betrachtung gemacht werden.
Mehrfach wurden in Oberseminaren der Professur Neuere und Neueste Geschichte das Konzept, die Arbeitsmethoden und auch Inhalte zur Diskussion gestellt. Vor allem die Befragung ehemaliger Professoren zu Entwicklungen in Lehre und Forschung an der Technischen Hochschule bzw. Universität Karl-Marx-Stadt zeigte klar, dass die schriftliche Überlieferung im Universitätsarchiv die Realität nur zum Teil wiedergeben kann und somit der Ergänzung durch weitere Zeitzeugnisse bedarf.

Anliegen der Autoren ist es, den Text anschaulich zu gestalten. Gerade für die Zeit von 1836 bis 1953 ist die schriftliche wie auch die fotografische Überlieferung allerdings nur sehr dürftig. So sei dieser Beitrag gleichsam Appell zur Mitwirkung, die Bestände des Archivs mit nichtamtlichem Archivgut anzureichern und letztlich ein adäquates Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Wir wären sehr erfreut, wenn auf diese Weise zusätzliche Unterlagen ihren Weg zur Auswertung fänden. Zum Jubiläum im nächsten Jahr soll neben der Präsentation der Darstellung zur Geschichte der Einrichtung auch eine Ausstellung gestaltet werden. Dafür werden aber noch Sachzeugnisse benötigt, um die "Flachware" des Archivs anschaulicher präsentieren zu können.
Zeitzeugen und Interessenten können sich telefonisch im Universitätsarchiv unter (03 71) 5 31-26 94, per Fax (03 71) 5 31-26 91 oder per E-Mail uni-archiv@tu-chemnitz.de melden.

Stephan Luther
Universitätsarchiv

 

Der Leiter des Projektteams Stephan Luther (r.) mit
der Mitarbeiterin des
Universitätsarchivs
Dr. Dagmar Szöllösi und
den Mitarbeitern des Teams Wolfgang Lambrecht und
Dr. Hans-Joachim Hermes (l.) in einer Beratung.
Foto: Annelie Kessler

 
   
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