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  TU Spektrum  
   
     
Ein Museum voller Energie
Wie das Chemnitzer Industriemuseum dank Sonnenwärme gekühlt wird

Das Industriemuseum ist ein wahrer Schatz: Hier werden wertvolle Zeitzeugen der Industrieentwicklung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nachdem vor zwei Jahren beschlossen wurde, eine Gießerei-Ruine in der Kappler Drehe - sie befindet sich an der Zwickauer Straße - in einen weiteren Museumsteil umzugestalten, entstand die Idee, den Besuchern auch einen Einblick in die zukünftige Energieversorgung zu gewähren.
Also wurden verschiedene Konzepte diskutiert, wie sich regenerative Energiequellen in einem musealen Rahmen darstellen lassen. Nun konnte ein erster Glanzpunkt gesetzt werden: Seit September 2001 stellt eine Absorptionskältemaschine aus Sonnenstrahlung die notwendige Kühlleistung von 150 Kilowatt zur temperaturgenauen Klimatisierung der großen Hallen zur Verfügung. Ein 75 Quadratmeter großes thermisches Kollektorfeld auf dem Dach des Museums erzeugt
Wärmeenergie aus Sonnenlicht, die wiederum für den Kreisprozesses der Kältemaschine benötigt wird.
Die Idee hierfür kam von Wissenschaftlern der TU Chemnitz - von Dr. Ulrich Schirmer, Professur für Technische Thermodynamik, und Prof. Dr. Werner Hiller sowie Dr. Ralf Hartig von der Professur für Energie- und Hochspannungstechnik. Praktisch umgesetzt wurde dieses Projekt vor allem durch den

Chemnitzer Uni-Absolventen Dr. Mario Reichelt. Der Leiter des Ingenieurbüros für Haustechnik Hartmannsdorf GmbH steigt noch heute auf das Museumsdach, um weitere Betriebs- und Optimierungsuntersuchungen durchzuführen. Unterstützt wurde dieses Projekt vom Hochbauamt der Chemnitzer Stadtverwaltung.
Wer Interesse hat, kann sich die Anlage selbst einmal ansehen und sachkundig erklären lassen.

Prof. Dr. Werner Hiller
Professur für Energie- und Hochspannungstechnik

Auf dem Dach des Industriemuseums sind seit letztem Jahr Sonnenkollektoren im Einsatz, die für ideale Raumtemperaturen sorgen. Die Idee hatte Prof. Werner Hiller (r.) von der TU Chemnitz, Uni-Absolvent Dr. Mario Reichelt setzte das Projekt in die Praxis um.
Foto: Uwe Meinhold
Damit das Stromnetz nicht zu sehr schwankt
Die Zukunft gehört den Solaranlagen, wenn sie sich an gegebenen Netzstrukturen orientieren

(AF) Einhunderttausend Dächer mit Solaranlagen zu bedecken - das ist das Ziel der deutschen Bundesregierung. Vor zwei Jahren wurde ein entsprechendes Förderprogramm ins Leben gerufen, um der hierzulande noch nahezu bedeutungslosen Fotovoltaik auf die Beine zu helfen. Denn obwohl sich die Zahl der Solaranlagen allein im letzten Jahr mehr als verdoppelte, beträgt ihr Anteil an der gesamten Stromversorgung nur 0,1 Prozent.
Das könnte sich bald ändern. Der deutsche Energieversorger RWE schätzt, dass theoretisch etwa 20 Prozent des Strombedarfs durch die Fotovoltaik gedeckt werden könnte. Und mit dem 100.000-Dächer-Programm ist nun fast jeder Häuslebauer in der Lage, mit staatlicher Unterstützung eine Solarstromanlage auf die Sonnenseite seines Dach zu installieren, wenn er möchte. Was damit zwangsläufig einhergeht: Die zunehmende Dezentralisierung der Stromeinspeisung wirkt sich grundlegend auf die öffentlichen Elektroenergie- Versorgungsnetze aus. Je mehr Solaranlagen ans Netz gehen, desto stärker schwankt das Energieangebot.
Seit 1999 prüft der Doktorand Jörg Scheffler von der Chemnitzer Professur für Energie- und Hochspannungstechnik, ob das heutige Energienetz für die Zukunft gewappnet ist, in der Sonnenstrom eine größere Rolle spielen wird. Als Stipendiat des Graduiertenkollegs

 

"Energiebereitstellung aus regenerativen Energiequellen" hat er Niederspannungsnetze, mit dem in Deutschland alle privaten Haushalte versorgt werden, eingehend unter die Lupe genommen. Dabei wurde nicht nur die heutige Netzstruktur analysiert und modelliert, sondern ebenso die Netzbelastung ausgewertet, die sich aus dem Energieverbrauch der Haushalte ergibt. Zu diesem Zweck hat Jörg Scheffler Netzpläne städtischer und regionaler Versorgungsnetzbetreiber ausgewertet und in einzelnen Haushalten sowie in Ortsnetzen eigene Messungen durchgeführt.
In einem weiteren Forschungsfeld prüft er noch bis Ende dieses Jahres, welchen Fluktuationen das Energieangebot unterworfen ist, das von Solaranlagen bereitgestellt wird. Auf der Basis von Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes und eigener Messungen einer Chemnitzer Solaranlage sollen praktische Konsequenzen für den Einsatz von Solaranlagen abgeleitet werden. "So bekommen die Energieversorger bald ein Instrument an die Hand, mit dem sie wirklich einschätzen können, was auf sie zukommt, wenn mehr Solar- strom ins Netz geht", sagt Jörg Scheffler.
Erste Ergebnisse der Doktorarbeit deuten darauf hin, dass eine Inbetriebnahme von fotovoltaischen Anlagen in großer Zahl auf Grundlage bestehender Netzstrukturen durchaus möglich erscheint. "Wobei natürlich immer auch die örtlichen Gegebenheiten des Versorgungsnetzes berücksichtigt werden müssen", räumt der Doktorand ein.

 

 

   
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