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(AF) Als Energielieferantin ist die Sonne unberechenbar.
Mal lässt sie sich den ganzen Tag nicht blicken.
Dann wiederum sorgen vorüberziehende Wolken dafür,
dass für einige Augenblicke nur Schatten auf die
Solarzellen fällt. In der nächsten Minute
ist der Himmel schon wieder blau.
Bei diesem fluktuierenden Energieangebot käme es
einem Zufall gleich, dass von den Solarzellen gerade
so viel Sonnenenergie bereitgestellt wird, wie tatsächlich
benötigt wird. Weil sich die Chemnitzer Wissenschaftler
der Professur für Energie- und Hochspannungstechnik
auf derartige Zufälle nicht verlassen wollen, haben
sie sich eine intelligentere Lösung einfallen lassen:
Um das stetige Mehr- oder Minderangebot an Sonnenenergie
auszugleichen, wurde ein Speicher auf Basis eines Doppelschichtkondensators
entwickelt, der in der Lage ist, Energie für kurze
Zeit zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben.
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Dieses Kondensatoren-Paket, das der Größe
einer Autobatterie entspricht, ist in der Lage, die
überschüssige Energie für zehn bis 15
Minuten zu speichern und bei Bedarf wieder dem System
bereitzustellen. Einfacher gesagt: Solange es Energie
im Überfluss gibt, werden Reserven für schlechtere
Zeiten angelegt. Dank dieses Puffers ist es möglich,
eine gleichbleibende Stromversorgung auch in wolkenverhangenen
Momenten sicherzustellen. Bislang steht ein solcher
Sixpack-Speicher als Prototyp in den Chemnitzer Uni-Laboren.
"Noch ist die Zeit nicht reif für einen solchen
Energiespeicher", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter
Mirko Bodach. Vielleicht könnte er bereits heute
schon im kleinen Stil zum Einsatz kommen - für
solarbetriebene Parkautomaten zum Beispiel. "Aber
darum geht es uns nicht", so der Diplomingenieur,
"wir wollen damit zukünftig Solarenergie im
großen Stil ins Netz stellen."
Noch wird durch Sonnen- oder Windkraft erzeugter Strom
ohne große Überlegungen in das Energienetz
eingespeist. Der Grund: Weil der Strom aus der Steckdose
immer noch zu 90 Prozent aus den Kraftwerken der großen
Energieversorger kommt, können die stetigen Schwankungen
der regenerativ gewonnenen Energiemenge vernachlässigt
werden. Diese Situation dürfte sich in den nächsten
Jahrzehnten allerdings in ihr Gegenteil verkehren. So
erwartet die Kommission der Europäischen Union
in ihrem "Grünbuch", dass die Stromversorgung
im Jahr 2050 zu 90 Prozent durch erneuerbare Energien
abgedeckt werden wird. "Spätestens wenn massenhaft
solare Energie ungepuffert ins Netz geht, bekommen wir
ein dickes Problem", prophezeit Bodach. Denn die
Leistung einer Solaranlage schwankt bisweilen in wenigen
Augenblicken um 80 bis 90 Prozent.
Spätestens dann aber könnte die große
Stunde des Chemnitzer Energiespeichers schlagen. Er
wäre in der Lage, dauerhaft für eine gleichbleibende
Stromqualität zu sorgen. Bis dahin gibt es aber
auch an der hiesigen Professur für Energie- und
Hochspannungstechnik noch jede Menge zu tun: Bislang
eignet sich der Doppelschichtkondensators allenfalls
als Kurzfristspeicher. "Vielleicht ist es uns ja
möglich, durch entsprechende Weiterentwicklung
des Verfahrens einem wirklich universalen Energiespeicher
den Weg zu bereiten", sagt Mirko Bodach. Weil dieses
Ziel nur Schritt für Schritt erreichbar ist, sollen
weitere aktuelle Diplom- und Doktorarbeiten, die vom
Professor für Energie- und Hochspannungstechnik
Wolfgang Schufft betreut werden, die Leistungsfähigkeit
des Chemnitzer Energiespeichers verbessern helfen.
Noch steht dem Doppelschichtkondensator allerdings sein
eigener Preis im Wege: Allein die Kondensatoren kosten
als Sixpack- Speicher fast 1.500 Euro, weil sie heute
noch in Handarbeit hergestellt werden. "Der Markt
wird das regeln", da ist sich Mirko Bodach sicher.
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Mirko
Bodach am Prototypen eines Energiepuffers:
Durch den Chemnitzer
Doppelschicht-Kondensator kann solare Energie gespeichert
und eine gleichbleibende Stromqualität
ins Netz gegeben werden.
Foto: Uwe Meinhold |
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"Dieser Puffer ist eine Basis für ein intelligentes
Energiemanagement-System der Zukunft", erläutert
der wissenschaftliche Mitarbeiter Mirko Bodach, dessen
Diplomand Markus Armann im Jahr 2000 die ersten Grundlagen
für die Entwicklung dieses Speichers legte. "Zum
einen wird dadurch keine Primärenergie vergeudet,
zum anderen eine gleichbleibende Elektroenergiequalität
gesichert", so Bodach. Neu ist dieses Speicherprinzip
nicht - nur wesentlich besser: So verfügen
herkömmliche Akkus, die heute schon für vergleichbare
Zwecke verwendet werden, im Vergleich zu der Chemnitzer
Lösung nicht nur über eine viel geringere
Lebensdauer, sie bringen auch weniger Leistung und sind
zudem wesentlich wartungsbedürftiger.
Ein Microcontroller ist das Gehirn dieses neuartigen
Energiespeichers. Der Minicomputer erfasst das von den
Solarzellen bereitgestellte Energieangebot - und
zieht sofort die Konsequenzen. Trifft zum Beispiel für
einige Zeit mehr Energie im so genannten Umrichter-System
ein, als tatsächlich benötigt wird, leitet
er dieses Überangebot zum Herzstück der Anlage
weiter, einem Doppelschichtkondensator, der auch "Sixpack"
genannt wird, weil er aus sechs in Reihe geschalteten
Kondensatoren besteht.
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