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Theoretisch war eigentlich alles ganz klar. Doch jetzt
fällt jeder Schritt schwer. Der ungewohnt schnelle
Aufstieg macht sich in den Knien bemerkbar. Die winterliche
Kälte lässt die Handschuhe an der eisigen
Stahlleiter festkleben. Bloß nicht nach unten
schauen!
Endlich ist es geschafft. Die Chemnitzer Mechatroniker
haben die 70 Meter hohe Gondel der Windenergieanlage
erreicht, allen voran ihr Chef, Prof. Dr. Peter Maißer.
Endlich eine Pause - aber keine Spur von Ruhe,
denn der Boden unter den Füßen beginnt zu
schwanken! Wo ist denn bloß ein Griff zum Festhalten?
Ungewohnte Geräusche stimmen nachdenklich. -
Ein beeindruckendes, nachhaltiges Gefühl, nicht
nur wegen der schönen Aussicht.
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Zu lösen sind dabei insbesondere
messtechnische, mechanische und numerische Teilaufgaben,
beispielsweise Modellvalidierungen, inverse Identifikations-
probleme mittels nichtlinearer multikriterieller Optimierung,
Variantenvergleiche, Stabilitätsuntersuchungen
und Verhalten bei kritischen Situationen. Auf der Grundlage
der Lagrangeschen Modellgleichungen eines hybriden Mehrkörpersystems
kann dabei sehr effektiv sowohl von einem einzelnen
Bauteil, einer Baugruppe oder auch von der Gesamtanlage
eine Schwingungs- und Belastungsanalyse durchgeführt
werden.
Auf diesem Weg gelang es, endlich auch im Windgeschäft
ganz oben mit dabei zu sein - einer Branche, in
der an erster Stelle der Geheimnisschutz steht. Die
Grundlagen hierfür bildeten verschiedene, seit
2001 auch zur Hannover Messe vorgestellte Forschungsprojekte.
Dazu zählen der "Mechatronische Entwurf drehzahlvariabler
Windenergieanlagen mit alaska", ein DFG-Projekt
innerhalb des Chemnitzer Graduiertenkollegs "Energiebereitstellung
aus regenerativen Energiequellen" sowie das AIF-Projekt
"Simulationssystem zur Windenergieanlage-Diagnose
und -Service". Inzwischen sind weitere Kontakte
und Vorhaben hinzugekommen. Ganz oben stehen Zertifizierungsaufgaben
und die Prognose
schädigungsrelevanter Betriebszustände in
Offshore-Anlagen.
Crashtest ohne Schwindelgefühl
Aber der Konkurrenzkampf ist hart,
neue Herausforderungen und Ideen sind gefragt. Dabei
helfen wenige Mausklicks in der virtuellen Windenergieanlagen-Realität:
Ein 65 Tonnen schwerer Stahlrohrturm wird auf ein vorgefertigtes
Fundament montiert. Auf den Turmkopf wird behutsam eine
fast 50 Tonnen schwere Gondel einschließlich Antriebsstrang,
Getriebe und Generator abgesetzt. Nun folgt die Kopplung
des Rotors mit der Nabe und den je 29 Meter langen,
pitch-geregelten elastischen Blättern. Jedes einzelne
wiegt mehr als vier Tonnen. Endlich weht auch wieder
Wind. In Sekundenschnelle werden komplizierte Differentialgleichungssysteme
gelöst, die Rotordrehzahl steigt auf 21 Umdrehungen
pro Minute, Diagramme visualisieren die Sensordaten.
Nach kurzer Zeit arbeitet sie unter Volllast -
eine mittelgroße Windenergieanlage einer großen
Weltfirma. Anschließend werden gezielt verschiedene
Schäden aktiviert und die Lasten vergrößert.
Zum Abschluss folgt noch ein beeindruckender Crashtest.
Gesamtschaden: Zwei Millionen Euro! Zum Glück ist
alles nur eine dialogorientierte, realitätsnahe
Computersimulation, die ohne Schwindelgefühl und
klirrende Kälte auskommt.
Weitere Informationen: www.tu-chemnitz.de/ifm
Prof. Dr. Peter Maißer,
Xueyoung Zhao & Dr. Matthias Neubert
Institut für Mechatronik
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