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  TU Spektrum  
   
"Pilsen ist einer unserer Schlüsselpartner"
Zwischen der Westböhmischen und der Chemnitzer Universität stimmt die Chemie

(AF) Als Rostislav Vlk im letzten Wintersemester für drei Monate nach Chemnitz wechselte, hatte er nur eines im Sinn: endlich seine Doktorarbeit abzuschließen. Drei Jahre arbeitete der 27-jährige Nachwuchswissenschaftler der Westböhmischen Universität (WBU) Pilsen bereits an der Frage, wie sich elektrische Ströme magnetisch beeinflussen lassen und als Wärmequelle genutzt werden können.
Dank der Uni-Partnerschaft zwischen Chemnitz und Pilsen fand er an der hiesigen Professur für Allgemeine und Theoretische Elektrotechnik die besten Voraussetzungen für den Abschluss seiner Arbeit: Mit dem Simulationsverfahren ANSYS konnte er noch einmal alles durchrechnen und letzte Probleme lösen, indem er am Computer elektromagnetische und thermische Felder und Spannungen analysierte. "Die Einschreibung an der TU sowie alle organisatorischen Angelegenheiten verliefen reibungslos", sagt der Tscheche rückblickend.
Diese positive Erfahrung ist kein Einzelfall: Bereits seit 42 Jahren arbeiten die Chemnitzer Uni und die WBU Pilsen überaus eng und erfolgreich zusammen. Nachdem im Jahr 2000 ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen wurde, stehen alle Fakultäten der TU im engen Kontakt zur böhmischen Partneruniversität. "Die WBU Pilsen zählt zu unseren Schlüsselpartnern", sagt Dr. Christine Bohnet, die das Internationale Universitätskolleg (IUK) leitet.
Allein im akademischen Jahr 2001/2002 waren bislang 23 Studenten aus Pilsen in Chemnitz zu Gast. Im Gegenzug wechselten neun TU-Studenten für einige Wochen an die Westböhmische Universität. Auch in der länderübergreifenden Lehre gibt es schon seit Jahren einen engen Draht: So hält der Chemnitzer Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeographie Peter Jurczek seit 1994 regelmäßig in Pilsen Vorlesungen und Seminare, und auch sein WBU-Kollege pflegt diese wissenschaftliche Mobilität und steht den Studenten der TU zur Verfügung. Insgesamt sind 2001/2002 bisher 17 Dozenten von Pilsen nach Chemnitz gekommen, umgekehrt gingen zwölf TU- Wissenschaftler nach Böhmen.

Europa-Studien als Schwerpunkt

Auch die Rektoren beider Einrichtungen kennen sich. So besuchte der Rektor der WBU Pilsen, Prof. Dr. Zdene´yek Vostrack´y, am 21. Februar 2002 erstmals die Chemnitzer Universität, um über neue strategische Projekte zu beraten. Bereits im Dezember 2000 war TU-Rektor Prof. Dr. Günther Grünthal an der WBU zu Gast.
Zu einem besonderen Schwerpunkt der Kooperation dürften sich die drei neuen Chemnitzer Europa-Studiengänge entwickeln, die inhaltlich auf Mittel- und Osteuropa ausgerichtet sind. "In Pilsen wird es diesen Studiengang bald auch geben", erläutert Dr. Bohnet. In einem ersten Schritt soll noch in

  diesem Jahr ein Zertifikats-Programm "Europastudien" ins Leben gerufen werden. Ähnlich wie die TU Chemnitz zeichnet sich die WBU durch stark modularisierte Studiengänge aus: Sie bietet all ihren Studenten die Möglichkeit, auch außerhalb des eigentlichen Studienfaches einen Abschluss zu erwerben, der beim eigenen Studium berücksichtigt wird.
Bis es die "European Studies" auch an der WBU gibt, greifen einige tschechische Studenten auf das Chemnitzer Angebot zurück. Martin Vrátník gehört dazu: Zu Beginn des letzten Wintersemesters überreichte TU-Rektor Prof. Günther Grünthal dem Germanistik- Studenten aus Pilsen das erste von bislang sechs Stipendien, die durch den Industrieverein Sachsen 1828 e. V., Niles Simmons, den Dresdner Gesprächskreis und durch den Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) finanziert werden konnten.
   
 
  Weitere Stipendien sollen hinzukommen: Für die Europa-Studien wurden beim deutsch-tschechischen Zukunftsfonds zwölf neue Stipendien für WBU-Studenten beantragt. Zudem plant die Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen, einen Stipendienfonds für mittel- und osteuropäische Austauschstudenten der Ingenieurwissenschaften zu initiieren. Bedingung: Sie müssen auch ein Praktikum in einem Unternehmen aus der Region absolvieren. Bevor dieser Stipendienfonds für alle vier südwestsächsischen Hochschulen eingerichtet wird, konnten dank der finanziellen Unterszützung der IHK Südwestsachsen bereits im letzten Jahr sechs Kurzstipendien vergeben werden, die vom DAAD finanziell aufgestockt wurden.
Einer dieser Stipendiaten war Rostislav Vlk. Neben den Simulationen am Computer und der Recherche in der Universitätsbibliothek arbeitete der Nachwuchswissenschaftler aus Pilsen für zwei Wochen in der Abteilung Elektronikfertigung der Gesellschaft für Mikroelektronikanwendungen Chemnitz mbH (GEMAC). "Ich habe mir einiges abschauen und neue Fachkontakte knüpfen können", freut sich der Tscheche. Er wird die Chemnitzer Uni in seiner Heimat wärmstens weiterempfehlen.
  Dank der Unterstützung von Prof. Dr. Abbas Farschtschi, Inhaber der Chemnitzer Professur für Allgemeine und Theoretische Elektrotechnik, konnte sich Rostislav Vlk gut auf den Abschluss seiner Doktorarbeit vorbereiten. Vlk: "Alles verlief reibungslos."
Foto: Christine Kornack
   
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