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Das Rasterelektronen- mikroskop
zeigt, wie rau die Oberfläche einer Oxidschicht ist.
Gerade diese Poren machen Implantate bioverträglich,
weil hier umliegendes Gewebe einwachsen kann.
Foto: Professur Physikalische Chemie
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(AF) Wie feine Adern ziehen sich die Fasern aus Kohlenstoff,
Keramik oder Glas durch das metallische oder keramische
Matrixmaterial. Sie dienen als Puffer, die verhindern
sollen, dass der Werkstoff bei mechanischer Belastung
einfach spröde auseinander bricht. Nun sind solche Fasern
von Natur aus ebenfalls recht spröde Gesellen. Deshalb
werden sie von Wissenschaftlern der Chemnitzer Professur
für Physikalische Chemie mit einer gleitenden Schicht
umhüllt, die dafür Sorge trägt, dass sich die Fasern
unter äußerer Kraft-einwirkung in den hauchdünnen Kanälen
hin und her bewegen können und auf diese Weise die Matrix
entlasten. Solche bis zu 100 Nanometer dünnen Schichten
werden mit Hilfe der chemischen Gasphasenabscheidung,
kurz CVD, auf die nur wenige Mikrometer dünnen Einzelfasern
abgeschieden. Dabei kommt eine solche Gleitschicht in
der Praxis nur selten allein: Das konkrete Einsatzgebiet
der faserverstärkten Verbundwerkstoffe bestimmt darüber,
ob die Fasern zudem mit einer oxidationsbeständigen
Schicht oder einer Haftschicht umgeben werden - oder
von einer Diffusionsbarriere, die ungewollte Reaktionen
zwischen Matrix und Faser verhindern soll.
Gleitfähige Adern verhindern Brüche
Auf dem Gebiet der faserverstärkten Verbundwerkstoffe
arbeitet die Professur für Physikalische Chemie derzeit
unter Leitung von Prof. Dr. Günter Marx an einem Projekt
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu "Transluzenten
Glasfaser/Glas- Verbundwerkstoffen".
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Selbst die Sterne waren für die Chemnitzer
Chemiker schon einmal zum Greifen nahe: In Zusammenarbeit
mit Daimler-Aerospace beteiligte sich das Team um Professor
Marx in den neunziger Jahren mit beschichteten Fasern
am Test eines faserverstärkten keramischen Hitzeschildes
für unbemannte Raumflugkörper. Die Uni-Forscher brachten
dabei mittels CVD- Verfahren etwa 100 Nanometer dünne
Gleitschichten aus graphitischem Kohlenstoff und nur
50 Nanometer dünne und hitzebeständige Diffusionsbarrieren
aus Siliziumcarbid auf Kohlenstoff-Fasern in der Keramik-Matrix.
Die Tests, die mit dem Hitzeschild im All durchgeführt
wurden, machten seinem Namen alle Ehre: Beim Wiedereintritt
in die Erdatmosphäre hielt er wacker selbst Temperaturen
von 2.000 Grad Celsius stand.
Implantate müssen rau sein
Darüber hinaus können dünne Schichten für andere Einsatzgebiete
auch elektrochemisch hergestellt werden. Die Chemiker
um Professor Marx setzen dabei auf ein Verfahren, das
bereits vor 20 Jahren an der hiesigen Technischen Hochschule,
dem Vorläufer der Chemnitzer Uni, entwickelt wurde.
Die so genannte plasmachemische Konversionsschichtbildung
ermöglicht es nämlich, dass keramikähnliche dünne Oxidschichten
auf Metalloberflächen abgeschieden werden können. Das
Chemnitzer Prinzip ist einfach: Zwei Elektroden werden
in eine wässrige Lösung gebracht, in der sich auch die
Ionen für die Oxidschicht befinden. Dabei wird die zu
beschichtende Oberfläche als Elektrode positiv polarisiert.
Bei Stromfluss und hohen Spannungen kommt es an diesem
Pol zu plasmachemischen Entladungen, wobei sowohl aus
Komponenten des Basismaterials als auch durch inkorporierte
Elektrolyt-Ionen neuartige Konversionsschichtsysteme
entstehen, die heute in der Luft- und Raumfahrt ebenso
gefragt sind wie in der Medizintechnik. Besonders wegen
ihrer Bioverträglichkeit werden diese robusten Oxidschichten
überaus geschätzt. In einem weiteren aktuellen Projekt
beschichten die Chemnitzer Chemiker künstliche Hüftgelenke
und Zahnimplantate, denn gerade die speziell strukturierte
Oberfläche der Oxidschicht bietet für das umliegende
Gewebe eine gute Angriffsfläche, damit Titan-Implantate
oder Endoprothesen bioverträglich einwachsen. Seit letztem
Jahr kooperiert die Professur für Physikalische Chemie
der Technischen Universität Chemnitz mit dem Implantat-Hersteller
Heraeus-Kulzer GmbH & Co. KG aus Hanau und mit der Leipziger
Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirugie.
Die Chemiker beschichten dabei Zahnimplantate elektrochemisch
mit modifizierten Titanoxiden. Solche medizintechnischen
Produkte benötigen oftmals mehrere Mikrometer dicke
Oxidschichten für ihre bioverträglichen Eigenschaften.
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Etwa
150 Nanometer dünne Doppelschichten aus graphitischem
Kohlenstoff und Siliziumcarbid auf Kohlenstoff-Fasern.
Foto: Professur Physikalische Chemie
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Transluzente Gläser sind nicht völlig transparent und
werden deshalb oftmals für dekorative Zwecke eingesetzt.
Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Freiberg und Ilmenau
werden nun die Glasfasern, die sich durch die Glasmatrix
ziehen, mit einer Oxidschicht - vornehmlich mit Titan-
oder dotiertem Zinnoxid - umhüllt. Ziel der DFG-Forscher
ist es noch bis zum Jahr 2003, das Deko-Glas somit wesentlich
bruchzäher zu machen.
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