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US-Verteidigungsministerium sucht Forschungspartner

Hochrangige amerikanische Forscher und Programm-Manager waren in Sachsen zu Gast

In den Reinräumen des ZfM staunten selbst die amerikanischen Militärforscher nicht schlecht.
Foto: Uwe Meinhold
  (MSt/AF) Eine hochrangige Delegation aus den Laboratorien des US-Verteidigungsministeriums hat sich Anfang Februar mit Chemnitzer Wissenschaftlern zu einem Workshop rund um das Thema Materialwissenschaften getroffen.   Mit dabei waren neun Spitzenvertreter der US Air Force, der US Navy und des Pentagon. Von der Technischen Universität Chemnitz informierte Prof. Dr. Thomas Geßner, Professor für Mikrotechnologie und Direktor des Zentrums für Mikrotechnologien (ZfM), über die aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Mikro- und Nanotechnologie. Dr. Andreas Schubert stellte die Bandbreite der Forschungsvorhaben des Fraunhofer Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU von der Mikrotechnik bis zum Leichtbau vor. Zum Strukturleichtbau berichtete der Kunststoffexperte Prof. Dr. Günter Mennig von der Chemnitzer Universität. Darüber hinaus standen Besuche in den Reinräumen des ZfM sowie in den Laboren des IWU und des Fraunhofer Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration auf dem Programm. Die US-Delegation besuchte auf ihrer Sachsentour auch die Materialforscher von Universitäten und Forschungseinrichtungen in Dresden und Freiberg. Wichtigstes Ziel des Workshops war es, sich über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Grundlagenforschung zu verständigen.


 
Maßanzug für bioverträgliche Werkstoffe
Genial: Uni-Chemiker erzeugen nur 0,5 Nanometer dünne und variable Polyelektrolytschicht

Kein Blick in die Sterne, sondern durch ein Rasterelektronen- mikroskop: Auf einem rund fünf Mikrometer kleinen Kieselgel-Partikel haben Dank einer nur wenige Nanometer dünnen Polyelektrolytschicht etwa zehn Nanometer kleine Goldteilchen angedockt. Foto: TU Chemnitz

 

  (AF) Sie ist nur wenige Nanometer dünn und wirkt buchstäblich Wunder: Eine Polyelektrolytschicht verhilft Metallen oder keramischen Stoffen zu Eigenschaften, die sie von sich aus nicht mitbringen. Sie erreicht dies, indem sie sich in einer chemischen Reaktion, die sich in einer wässrigen Lösung abspielt, als hauchdünner Film fest auf die anorganische Oberfläche legt und beispielsweise in der Medizin dafür sorgt, dass Implantate ihre Bioverträglichkeit erhalten. Polymerchemikern der Technischen Universität Chemnitz ist es nun gelungen, nur 0,5 bis zwei Nanometer dünne Polyelektrolytschichten auf solchen ebenen Oberflächen zu erzeugen und variabel zu verändern. An der Chemnitzer Professur für Polymerchemie wurde dazu unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Spange das neue Polymer Polyvinylamin (PVAm) entwickelt, das es erlaubt, die Eigenschaften der Polyelektrolytschicht sehr gut von außen zu steuern. So ist es möglich, die Polarität der funktionalen Schicht oder die Schichtdicke zu variieren, indem zum Beispiel der pH-Wert oder der Grad der Molekülspaltung verändert wird. "Wir können so genau beeinflussen, womit sich die Schicht verbindet", erläutert Professor Spange das Ergebnis des seit 1996 laufenden Forschungsprojektes "Polyelektrolyte" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das Mitte dieses Jahres abgeschlossen wird. "Damit lassen sich maßgeschneiderte funktionelle Werkstoff-Oberflächen schaffen."  

Weil aus Polyvinylamin bestehende Polyelektrolytschichten überaus bioverträglich sind und sich zudem nach gewünschter Zeit in Wasser auflösen, sind den Anwendungen des Chemnitzer Polymers kaum Grenzen gesetzt. Zwei Beispiele aus der Medizin: Derart beschichte künstliche Hüftgelenke könnten die verträgliche Einheilung des Bioimplantats enorm verbessern. Ebenso ist denkbar, dass medizinische Wirkstoffe in genauer Dosis an die Polymerkette gebunden und direkt zu den Zellen transportiert werden, wo sie für die gewünschte Heilung sorgen sollen.

INFO
Polyelektrolytschichten lagern sich in wässrigen Lösungen an feste Oberflächen an. Diese Schichten bestehen aus Polymeren - das sind Makromoleküle aus vielen kleinen Molekülen, den Monomeren - die bis zu 30 Nanometer lange Ketten bilden. Auf diesen Polymerketten sind positiv geladene Ionen - so genannte Kationen - in hoher Ladungsdichte fixiert. In der wässrigen Lösung verknüpft sich die polyelektrolytische Schicht mit der anorganischen Oberfläche, indem freischwebende negativ geladene Ionen - die Anionen - des Festkörpers an die auf der Polymerkette befindlichen Kationen andocken.
   
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