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(MSt/AF) Noch vor wenigen Jahren schien es so, als ob vor allem die Informations- und die Biotechnologie den Weg in die Zukunft weisen würden. Ein Irrtum - das meinen jedenfalls immer mehr Wissenschaftler. Dafür mausert sich die Nanotechnologie zur Schlüsseldisziplin des 21. Jahrhunderts. Wie der Name "nano" schon verrät - er leitet sich aus dem griechischen Wort für "Zwerg" ab - geht es hierbei unvorstellbar klein zu: Immerhin eine Milliarde Nanometer passen in nur einen einzigen Meter. Das entspricht in etwa der Größe eines Tischtennisballs im Verhältnis zur Erdkugel. Obwohl die Nanotechnologie immer noch in den Kinderschuhen steckt, konnten auch an der TU Chemnitz bereits wichtige Teilerfolge erzielt werden, um das winzige Tor zur Welt der Atome und Moleküle weiter aufzustoßen.

Chemnitzer Weltrekorde setzen Zeichen

An diesem Türchen rütteln Wissenschaftler aller Bereiche der TU Chemnitz besonders kräftig. Sie bauen bereits heute nur wenige Nanometer kleine Transistoren für die Computer-Industrie und entwickeln spezielle Sonden für eine intelligente Waschmitteldosierung. Sie beschleunigen Chips mit neuen Isolatorschichten, bringen einzelne Moleküle zum Leuchten und erforschen bislang unbekannte Molekülstrukturen. Sie beschichten Fasern für den Einsatz im Weltall und machen Implantate bioverträglich. Sie brechen Weltrekorde, weil sie kleiner messen und schweißen können als alle anderen. Um besonders dünne und besonders funktionale Schichten auf Oberflächen zu bringen, greifen sie nicht nur auf etablierte Verfahren zurück, sondern entwickeln sie weiter oder suchen nach völlig neuen Ansätzen. Auf den nächsten elf Seiten dieses "TU-Spektrums" kommen einige der Chemnitzer Wissenschaftler zu Wort, die fächerübergreifend in die Nanowelt vorstoßen: Physiker, Chemiker und Elektrotechniker ebenso wie Werkstoff-Experten oder Verfahrenstechniker. Das ihre Forschungsergebnisse dabei auch international beachtet werden, zeigte erst kürzlich der Besuch hochrangiger Wissenschaftler aus den USA, die sich in den Chemnitzer Uni-Laboren auf den aktuellen Forschungsstand bringen ließen.

Sachsen übernimmt Führungsrolle

Unterdessen arbeiten Unternehmen und Forschungseinrichtungen auch im sächsischen Nanotechnologie-Kompetenzzentrum "Ultradünne funktionale Schichten" überaus eng zusammen. Bundesweit gibt es insgesamt sechs dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 75 Millionen Euro geförderten Netzwerke, mit denen Deutschland auch weiterhin seinen zweiten Platz unter den führenden "Nano- Nationen" behaupten möchte.

  Um den Anschluss an den Spitzenreiter USA nicht zu verlieren, haben sich im sächsischen Kompetenzzentrum 85 Firmen, Hochschulinstitute und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Mit dabei sind zum Beispiel AMD, Bosch, Infineon, IBM, Siemens, das Forschungszentrum Rossendorf, mehrere Fraunhofer-Institute, das Zentrum für Mikroelektronik in Dresden, die TU Dresden und natürlich auch die TU Chemnitz. "Die Stärke Sachsens ergibt sich aus der starken Kompetenz auf ingenieurwissenschaftlichem Gebiet. Deshalb sind wir inzwischen im Bereich der ultradünnen funktionalen Schichten deutschlandweit führend", versichert Prof. Dr. Thomas Geßner, Direktor des Zentrums für Mikrotechnologien an der TU Chemnitz und zugleich einer der Sprecher des Kompetenzzentrums. Durch immer neue Kontakte zu ausländischen Partnern wird es den Chemnitzer Wissenschaftlern sicher möglich sein, die Nase bei der Eroberung der    
 
 

Nanowelt auch in Zukunft ganz vorn zu haben. Zugleich sorgen Forscher, die aus aller Welt an die TU Chemnitz kommen, für ein internationales Flair: Weltklasseforschung hat noch nie vor nationalen Grenzen halt gemacht. Aber auch Studierende und Stipendiaten aus allen Kontinenten hatten bereits die Chemnitzer Nanowelt erobert. So studierten beispielsweise im vergangenen Wintersemester allein am Institut für Physik Ausländer aus 13 Staaten, unter anderem aus China, Russland, Korea, Kolumbien sowie Argentinien und untersuchten die Strukturen dünner Schichten (siehe Foto).

  Prof. Dr. Dietrich Zahn (r.) von der Professur Halbleiterphysik der TU Chemnitz erläutert Sandrine Heutz, Marie-Curie-Stipendiatin aus Belgien, der Studentin Marisara Satrulee aus Thailand und Arindam Das, Humboldt-Stipendiat aus Indien, (v.l.) eine Versuchs- reihe. Am Raman-Spektrometer werden Strukturuntersuchungen organischer dünner Schichten, die als Halbleiter für elektronische und opto-elektronische Bauelemente zur Anwendung kommen, durchgeführt.
Foto: Wolfgang Thieme
   
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