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  TU Spektrum  
   
Amerika braucht Europa im Kampf gegen den Terror

Tagung in Lichtenwalde über transatlantische Beziehungen nach dem 11. September 2001
   

Die USA wurden am 11. September 2001 Opfer einer beispiellosen Tragödie. Die fast synchron gesteuerten Angriffe arabischer Terroristen richteten sich auf das World Trade Center und das Pentagon als Symbole für westliche Ungläubigkeit, US-Imperialismus und Globalisierung. Seitdem scheint jederzeit möglich, dass weitere Gruppen zuschlagen und mit geringen Mitteln großen Schaden verursachen. Der Glaube an eine absolute Sicherheit hat sich als Irrglaube herausgestellt. Der Anschlag war nicht nur gegen die USA, sondern gegen den gesamten Westen gerichtet. Erstmals in ihrer Geschichte

  Seiner Ansicht nach müsse Europa jedoch seine Sicherheitspolitik wesentlich verbessern, um sich als gleichberechtigter Partner der USA zu profilieren. Dem stimmte auch Karl-Heinz Kamp, Abteilungsleiter Grundsatzfragen der Konrad-Adenauer-Stiftung, zu. Dabei dürfe aber nicht nur eine gemeinsame Verteidigungspolitik im Mittelpunkt stehen, sondern auch kollektive sicherheitspolitische Richtlinien, um unmittelbar an den Wurzeln der Bedrohung anzusetzen, so Kamp. In der Wirtschaft sei es Europa bereits gelungen, vom Juniorpartner zum Global Player aufzusteigen, meinte Privatdozent Dr. Andreas Falke, der als Wirtschaftsreferent an der Botschaft der USA in Berlin tätig ist. Hierbei habe sich Europa in engen Handelsbeziehungen als ebenbürtiger Partner der USA erwiesen. Ähnlich dieser wirtschaftlichen Vernetzung müssten die transatlantischen Beziehungen nun auch auf politischer Ebene intensiviert werden.

Freiheit und Sicherheit gehören zusammen

Es wurde auch die Frage diskutiert, ob nicht die Nachrichtendienste im Zusammenhang mit dem 11. September versagt hätten. Dieser Vorwurf richtete sich nicht nur an FBI und CIA, sondern auch an die deutschen Geheimdienste. Der Ex-Präsident des Bundeskriminalamtes, Prof. Hans Ludwig Zachert, wies dies deutlich zurück und erwiderte, dass das Bundeskriminalamt eine Art Auftragspolizei sei, die erst dann ermitteln könne, wenn ein konkreter Auftrag vorliege. Er betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem FBI und anderen Geheimdiensten, kritisierte aber, dass operative Daten von den Amerikanern oftmals zu lange zurückgehalten würden. Zudem forderte er mehr Kompetenzen für die Nachrichtendienste, einen besseren Informationsaustausch mit der Polizei sowie engere internationale Verbindungen. Wie ist es nun in Zukunft um unsere Freiheit und Sicherheit bestellt? Kann es beides zusammen geben? Ja, so lautete die einhellige Anwort der Experten. Prof. Zachert hob dabei den Schutzauftrag des Staates hervor, der in den nächsten Jahren vor der Herausforderung stehe, eine sinnvolle Verbindung zwischen staatlicher Durchgriffskraft und einem Höchstmaß an persönlicher Freiheit zu schaffen. Karl-Heinz Kamp unterstrich, dass die amerikanische Abschreckungspolitik bisher weitere Anschläge verhindern konnte, weil mögliche Angreifer sonst aufgrund der weltweiten Anti-Terror- Koalition ihren physischen Existenzverlust befürchten müssen. Das Seminar lieferte durch die geschickte Auswahl der Referenten tiefere Einblicke in die transatlantischen Beziehungen, die sich seit dem 11. September verändert haben. Es gab Denkanstöße und genügend Raum für angeregte Diskussionen. Es zeigte zudem, dass die internationale Politik heute immer mehr auch eine Angelegenheit Europas ist.

Jana Müller Studentin der Politikwissenschaft

 

Trotz der schwierigen Thematik herrschte bei der Tagung in Lichtenwalde unter den 33 Teilnehmern eine lockere Atmosphäre. Foto: privat
 

erklärte die NATO den Verteidigungsfall. Zur vertieften Diskussion über die neue weltpolitische Lage waren Wissenschaftler, Doktoranden und Studenten der TU Chemnitz sowie anderer Universitäten und Forschungsinstitute am 20. und 21. Dezember 2001 nach Lichtenwalde eingeladen, um sich mit Experten aus der Praxis über das Thema "Die transatlantischen Beziehungen nach dem 11. September: Politik, Wirtschaft, Sicherheit" auszutauschen. Ermöglicht wurde dieses Seminar durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Hanns Martin Schleyer- Stiftung, der Ehlerding-Stiftung sowie durch das Engagement der Chemnitzer Professorin für Internationale Politik, Beate Neuss, die dieses Seminar leitete.

Auch Amerika ist verwundbar

"Die Amerikaner sind wieder von dieser Welt", betonte Prof. Dr. Stephan Bierling, Experte für amerikanische Innen- und Außenpolitik der Universität Regensburg, denn sie hätten sich, wie alle anderen Länder auch, auf ihrem eigenen Territorium als verwundbar erwiesen. Seit 1814, dem Jahr, in dem die Briten das Kapitol niederbrannten, hatte Amerika keine Invasion mehr erlebt. Um den internationalen Terrorismus wirkungsvoller zu bekämpfen, werde sich die USA in Zukunft um Koalitonen bemühen müssen - mit internationalen Organisationen, aber auch mit Europa, so Prof. Bierling.

 
   
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