Lange bevor
es an der Technischen Universität Chemnitz eine Professur
für Unternehmensgründung gab, hat im Jahre 1854
ein Absolvent die Königliche Gewerbschule Chemnitz
verlassen, dessen nachhaltigen - zum Teil noch heute im
Betrieb befindlichen - Gründungen Ansporn zur Nacheiferung
sein sollten.
Der in Böhrigen bei Roßwein 1836 geborene Müllerssohn
Gotthelf Anton Wiede belegte in der Gewerbschule von 1850
bis 1854 das Spinnereifach. Das Matrikelbuch weist viele
Belobigungen des Absolventen aus.
Von Textil zur Bergbau-Fördertechnik
Nach dem Studium wurde Wiede Werkmeister in einer Kammgarnspinnerei
in Schedewitz bei Zwickau. Hier war der aufmerksame
Textilfachmann umgeben vom Aufbruch des Zwickauer Kohlereviers,
in dem der mit der Wasserkraft vertraute Müllerssohn
doch sehr viel primitive Fördertechnik beobachtete.
Dies reizte ihn, zwei Semester, von 1858 bis 1859, zusätzlich
an der Bergakademie Freiberg zu studieren. Er hörte
unter anderem bei Bernhard Cotta Geognosie, bei August
Junge Praktische Markscheidekunst und bei Julius Weisbach
Allgemeine Markscheidekunst. Von Freiberg kehrte er
nach einer Prüfungsarbeit über das Unterirdische
im Reinsdorfer Revier mit der Befähigung
zum Markscheider zurück.
1867 gründete er das Steinkohlenwerk Morgenstern
in Zwickau. Eine Holzpappefabrik wurde dem Werk angegliedert.
1871 folgte die Concordia im Ölsnitzer
Revier. Noch heute steht das ehemalige Treibhaus vom
Concordia-Schacht, mittlerweile zum Wohnhaus um-gebaut.
Erleichtert wurde Anton Wiede der Einstieg in den Bergbau
dadurch, dass er in zwei Kohleschächte seiner Schwiegermutter
eingeheiratet hatte. Der Kohlebergbau erforderte viel
Grubenholz, und dies beschafften befreundete Holzhändler
auch in Thüringen und Bayern. Dabei fiel den Experten,
welche die Wasserkunst des Erzgebirges gut kannten,
auf, wie schlecht genutzt dort die Flüsse und Bäche
zu Tale flossen.
Mit großem Gespür für wirtschaftliche
Chancen und dem Mut zur Vielseitigkeit wandte sich Wiede
nach Textil und Kohle nun kurzzeitig der Keramik und
intensiv dem Papier sowie der Carbidherstellung zu.
In Vaters Fußstapfen Wiedes
Söhne
Seine Söhne Johannes, Alfred und Fritz, die ihn
bei allen diesen Innovationen begleiteten und beerbten,
fügten noch die Kohlensäureproduktion in Hölle/Bad
Steben hinzu. Der Betrieb existiert heute noch in Familienbesitz.
Insgesamt entstanden:
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1883 Wiedes Papierfabrik Rosenthal/Blankenstein/Thüringen,
1884 Zellulosefabrik Wiede & Co/Hof, 1886 Holzstofffabrik
Höllenthal/Bayern, 1893 Holzschleiferei und Papierfabrik
Wiede & Söhne/Trebsen an der Mulde, 1894 Papierfabrik
Blankenberg (Zukauf), 1903 Wiede`s Carbidwerk Freyung
/Bayern, 1904 Kohlensäurewerk Hölle/Bayern.
Anerkannter Stifter und Förderer
Diese Gründungswelle begleiteten Anton und seine
Söhne nach guter Unternehmerart mit
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