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| Lehrreiche
Zeitreise vom Abakus zum Internet |
| Chemnitzer
Historiker versucht, einen Kreis um die Welt aus Null
und Eins zu ziehen |
Friedrich Naumann Vom Abakus zum Internet Die Geschichte
der Informatik Primus Verlag Damstadt 2001, 287 S., Preis:
59 Mark,
ISBN 3-89678-224-X |
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(MSt)
Wie alt muss ein Wissenschaftsgebiet werden, um für
einen Historiker interessant zu sein? Wie ist das zum
Beispiel bei der Informatik? Prof. Dr. Friedrich Naumann,
Experte für Wissenschafts-, Technik-, und Hochschulgeschichte
an der TU Chemnitz, beantwortet diese Fragen nicht mit
einem Satz, er schreibt seine Antwort gleich in ein Buch.
In seinem beim Primus Verlag Darmstadt erschienenen Werk
Vom Abakus zum Internet. Die Geschichte der Informatik
lädt der Chemnitzer Geschichtsprofessor seine Leser
zu einer durchaus lehrreichen Zeitreise ein. Doch bevor
sie startet, klärt er noch schnell die Geburt des
Begriffes Informatik in Deutschland. Vermutlich
wurde der Terminus erstmals am 25. Februar 1968 auf einem
Internationalen Kolloquium zu Problemen der Rechentechnik
in Dresden erfunden. In der Elbmetropole hatten
Wissenschaftler versucht, ein Äquivalent zum englischen
computer science und zum französischen
Ausdruck informatique zu finden. Und mittlerweile
nimmt fast jeder deutschsprachige Zeitgenosse den Begriff
Informatik in den Mund, und viele wissen sogar,
dass es sich dabei um die Wissenschaft vom Computer handelt. |
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Doch die Ursprünge dieser noch recht jungen technikwissenschaftlichen
Disziplin liegen laut Prof. Naumann viele Jahrhunderte
zurück. Auf seiner Reise vom Abakus zum Internet
beschreibt der Historiker wichtige Innovationsschritte
von der Entwicklung des mathematischen Denkens bis zum
Siegeszug des Internets an der Schwelle des 21. Jahrhunderts.
So wird beispielsweise das Fingerrechnen im alten China
ebenso erläutert wie die Rechenmaschinen von Schickard
(1623), Pascal (um 1650) und Leibniz (1694). Auch Charles
Babbage, der geistige Vater des Computers, wird gewürdigt.
Einige Seiten sind auch Konrad Zuse gewidmet, der 1941
den ersten funktionsfähigen Computer der Geschichte
baute. Prof. Naumann beschreibt außerdem die Besonderheiten
der Computer-Generationen und den Beitrag vieler Staaten
in Ost und West an der Geschichtsschreibung der
Informatik. Herstellernamen, Computerbezeichnungen
und Jahreszahlen erschlagen dabei den Leser verdeutlichen
aber auch die stürmische Entwicklung auf diesem
Gebiet. Nach 287 Seiten setzte Prof. Naumann erst einmal
einen Punkt. Bleibt die Frage, wann er die Geschichte
der Informatik vermutlich auf einem noch leistungsfähigerem
Personalcomputer mit einem noch ausgereifteren Textverarbeitungsprogramm
fortschreibt ...
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| Zwischen
Plan und Pleite |
| Professor
sammelte Erlebnisberichte aus der Arbeitswelt der DDR
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Friedrich Thießen (Hg.) Zwischen Plan und Pleite:
Erlebnisberichte aus der Arbeitswelt der DDR Böhlau-Verlag
Köln Weimar Wien 2001, 342 S., Preis: 39,80 Mark,
ISBN 3-412-04401-6
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(MSt)
Spröde Statistiken oder trockene Analysen vermitteln
ein unzureichendes Bild von der Arbeitswelt der DDR. Wie
sah der Alltag in den Betrieben jenseits der Fünfjahrespläne,
der offiziellen Schönfärberei und der lärmenden
Siegesmeldungen von der Produktionsfront tatsächlich
aus? Welchen Herausforderungen sahen sich die Menschen
ausgesetzt, die die allgegenwärtigen staatlichen
Planvorgaben umsetzen mussten? Wie nutzten sie vorhandene
Freiräume und konnten so mit Fleiß und Findigkeit
zu oft beeindruckenden Ergebnissen kommen? Was waren andererseits
die inneren Gründe, die das System scheitern ließen
und den Staat in den Bankrott trieben? Alles Fragen, die
sich vor etwa vier Jahren Prof. Dr. Friedrich Thießen,
Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre
an der TU Chemnitz, stellte. Und bei der Suche nach den
Antworten reifte die Idee zu einem Buchprojekt. Gemeinsam
mit Hans Fehringer, 1. Direktor der Hauptstelle Chemnitz
der Deutschen Bundesbank, begab sich der Finanzexperte
auf die Suche nach Zeitzeugen. Das Ergebnis ihrer Bemühungen
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liegt nun vor: 50 Zeitzeugen
kommen in einem beim Böhlau Verlag erschienenen 342-seitigen
Buch zu Wort. Sie erzählen über ihre täglichen
Erlebnisse in den Betrieben der DDR zwischen 1945 und
1980. Ihre Berichte decken alle Wirtschaftsbereiche ab
und stammen aus allen Ebenen der betrieblichen Hierarchie:
vom Arbeiter und der Kellnerin, vom Kombinatsdirektor
und dem Spitzenwissenschaftler oder dem Vizepräsidenten
der Staatsbank und dem Arzt. Aus der Summe all dieser
subjektiven Erfahrungen entsteht so ein authentisches
Gesamtbild des DDR-Wirtschaftssystems von innen,
versichert Prof. Thießen. Das Buch zeige, wie sich
die Ergebnisse, letztlich also der Zusammenbruch der DDR,
zwingend aus den Restriktionen ableiten, welche die Politik
gesetzt hatte.
Beispiel VEB Komplexer Wohnungsbau Karl-Marx-Stadt: Hier
fehlte immer wieder tonnenweise Sand. Aber geklaut hatte
ihn niemand. Die Sandgrube war erschöpft und konnte
die im Fünfjahresplan vorgesehenen Steigerungen nicht
leisten. Um Ärger zu vermeiden, füllten die
Arbeiter weniger Sand in die Wagons. Nachprüfen konnte
das keiner, da die Waage schon jahrelang kaputt war. Auf
weitere Beispiele darf der Leser neugierig sein.
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