(AF) Wenn im Schulunterricht
Wahrscheinlichkeiten berechnet werden, bleibt so mancher
Gymnasiast im Unterholz aus Formeln und Fachausdrücken
stecken. Dabei liefert der Alltag die besten Beispiele
dafür, dass es ganz ohne Wahrscheinlichkeitsrechnung
auch nicht geht: Wird es morgen regnen? Und mit welcher
Wahrscheinlichkeit wird der Jackpot geknackt?
Ein neues Schulbuch macht es den Stochastik-Lernenden
zukünftig einfacher: Wie der Titel Wahrscheinlichkeiten
im Alltag bereits verrät, sollen die Schüler
einen konkreten Bezug zum Stoff herstellen können.
Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind gar nicht so
schwer, man muss sie nur in einer natürlichen Umgebung
ansiedeln, betont der Autor des Buches, Prof. Dr.
Peter Sedlmeier. Denn viele Wahrscheinlichkeitsprobleme
lassen sich völlig ohne Formeln und durch bloßes
Nachdenken lösen. An der TU Chemnitz hat Peter
Sedlmeier die Professur für Forschungsmethodik und
Evaluation in der Psychologie inne.
Das vorliegende Lehrbuch unterscheidet sich gleich in
dreifacher Weise von der herkömmlichen Unterrichtsliteratur:
Es basiert zuallererst auf den neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen aus der psychologischen Urteilsforschung.
Die besagen, dass Informationen umso besser verarbeitet
werden können, je mehr ihre Darstellung den wirklichen
Dingen entspricht. Daraus ergibt sich zum Zweiten die
Nähe zu konkreten Alltagserfahrungen. Abstrakte Formeln
werden ersetzt durch praxisbezogene Häufigkeitsraster
oder -bäume. Und drittens setzt das Buch auf learning
by doing: Auf einer beiliegenden CD-ROM befindet
sich ein Trainingsprogramm, mit dessen Hilfe alle wesentlichen
Gesetzmäßigkeiten der Wahrscheinlichkeitsrechnung
durch Simulationen verdeutlicht werden. Wesentlicher Bestandteil
des Computer-Programms ist die virtuelle Urne,
aus der zufällige Ziehungen vorgenommen werden können.
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Die Software ist auf Basis
psychologischer Trainingsexperimente entstanden und wurde
vom Zweitautoren des Buches, dem Informatik-Diplomanden
Detlef Köhlers, in der portablen Programmiersprache
Java geschrieben.
In acht Kapiteln bekommen die Schüler der gymnasialen
Oberstufe sowie Studienanfänger einen spannenden
Überblick über die Wahrscheinlichkeiten des
Alltags. Er reicht vom Schätzen über bedingte
Wahrscheinlichkeiten bis hin zu Signifikanztests und Metaanalysen.
Erst im Anhang sind die wichtigsten Formeln und Definitionen
aufgelistet. Darüber hinaus wird das Trainingsprogramm
ausführlich erläutert. In mehreren Bundesländern
wird das Lehrbuch der etwas anderen Art auch im Rahmen
des Schwerpunktprogramms Bildungsqualität von
Schule (BIQUA) der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) eingesetzt.
Zurück zum Jackpot: Vielleicht klappt es ja mal,
beim Lotto einen Sechser zu tippen, denken sich jede Woche
unzählige Deutsche und hoffen auf den Millionengewinn.
Allerdings belehrt, wie das Schulbuch zeigt, simples Nachdenken
jeden Träumer eines Besseren: Beim Samstaglotto sind
49 Kugeln in der Lostrommel. Sechs Kugeln werden zufällig
nacheinander gezogen. Bei der ersten Ziehung beträgt
die Wahrscheinlichkeit 6 zu 49, dass eine der getippten
Gewinnzahlen aus der Trommel gefischt wird. Weil die gezogene
Kugel nicht wieder zurückgelegt wird, verändert
sich die Wahrscheinlichkeit bei der zweiten Ziehung auf
5 zu 48, bei der dritten auf 4 zu 47 und dann auf 3 zu
46, 2 zu 45 und bei der letzten Gewinnzahl auf 1 zu 44.
Multipliziert man diese Wahrscheinlichkeiten miteinander,
bleibt unter dem Strich nur Kopfschütteln: Die Chancen
auf einen Sechser liegen bei 1 zu 14 Millionen. Mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bleibt der schnelle
Reichtum wohl aus. Auch nächste Woche.
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Peter Sedlmeier, Detlef Köhlers Wahrscheinlichkeiten im Alltag, Statistik ohne Formeln.
Mit einem Trainingsprogramm auf CD-ROM
Westermann Schulbuchverlag Braunschweig 2001
ISBN 3-14-11 2810-3
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